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Dem Dialektpapst oiss Guade!

Sprachwissenschaftler Dr. Ludwig Zehetner feiert seinen 80. Geburtstag. So gratulieren ihm Freunde und Weggefährten.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Professor Dr. Ludwig Zehetner hat den Dialekt in Ostbayern wieder salonfähig gemacht. Foto: altrofotol
Professor Dr. Ludwig Zehetner hat den Dialekt in Ostbayern wieder salonfähig gemacht. Foto: altrofotol

Lappersdorf.Die Geschichte zwischen Dr. Ludwig Zehetner und Autor und Regisseur Joseph Berlinger beginnt mit einer Beleidigung. Einer Beleidigung, die Zehetner nicht persönlich nahm, wie sich später herausstellte. Berlinger hatte dem Honorarprofessor für Dialektologie des Bairischen an der Universität Regensburg in einer Festschrift zu dessen 65. Geburtstag unterstellt, er sei kein Dialektologe, sondern ein Dialektideologe. Zehetner hat ihm daraufhin einen langen Brief geschrieben. „Und er gab mir recht“, erinnert sich Berlinger. Die souveräne Art, wie Zehetner mit der kritischen Äußerung umging, beeindruckte den Regisseur. Vielleicht schrieb er ihm auch deshalb einige Jahre später ein Theaterstück auf den Leib. „My Fähr Lady“. Es wurde, damit hatte Zehetner selbst am allerwenigsten gerechnet, ein riesengroßer Erfolg, sozusagen der krönende Abschluss einer erfolgreichen Karriere als Sprachwissenschaftler. Schauspielkollegin Eva Sixt merkt dazu schmunzelnd an: „Ludwig Zehetner ist der einzige Mann, von dem ich mich immer wieder gern ‚eini, aussi, owi, auffi, eina, aussa, owa, affa‘ schicken lass.“ Heute feiert der Dialektpapst, wie er liebevoll genannt wird, seinen 80. Geburtstag.

Ich habe ihm, dem Dialektologen, vorgeworfen, er sei ein Dialektideologe.“

Joseph Berlinger über die erste Begegnung mit Dr. Ludwig Zehetner

Schon als Jugendlicher begann der gebürtige Oberbayer sich mit Sprache und ganz speziell der bairischen zu befassen. Als Lehrer am Gymnasium der Domspatzen und als Lehrbeauftragter und Honorarprofessor an der Universität Regensburg stellte Zehetner seinen wissenschaftlichen Ausführungen auch immer eine Prise Humor an die Seite. Das ist es auch, was die vielen Fans bis heute so an ihm schätzen. Ein kleines Stück dieser Erfolgsgeschichte darf dabei auch die Mittelbayerische für sich verbuchen. Den Weg zum breiten Publikum öffnete MZ-Chefredakteur Manfred Sauerer. Er hatte sich 2007 Zehetner als Gastautor für die neue Seite „Mitten in Bayern“ gewünscht. „Frong’s doch den Zehetner!“ ist mit inzwischen 270 Folgen die bis heute erfolgreichste Serie, die je in der MZ erschienen ist. Die begleitenden „Basst scho!“-Bücher verkauften sich wie warme Semmeln.

„Dialekt ist Heimat auf der Zunge“

In einem MZ-Interview hat Zehetner einmal gesagt: „Wem einzig und allein die Hochsprache zur Verfügung steht, der ist arm, sprachlich unterbelichtet. Denn gerade der Dialekt stiftet heimatverbundene Identität. Wer seinen Dialekt gebraucht, trägt sozusagen seine Heimat auf der Zunge.“ Sepp Obermeier vom Bund Bairische Sprache würdigt, dass die Nachwuchsarbeit, die Zehetner als Honorarprofessor leistete, längst ihre Früchte trage. Die Menschen sind wieder stolz auf ihren Dialekt. „Zehetners nachhaltiges dialektologisches Wirken in den ostbayerischen Raum hat es Niederbayern und der Oberpfalz ermöglicht, auch auf der wissenschaftlichen Schiene als mundartliche Beharrungsgebiete salonfähig zu werden.“

Ein Verehrer von Schmeller

Der Leiter der Staatlichen Bibliothek in Regensburg, Dr. Bernhard Lübbers, hat Zehetner schon als Deutschlehrer am Domspatzen-Gymnasium genossen. Wie sein ehemaliger Lehrer teilt Lübbers das Faible für Johann Andreas Schmeller, den gebürtigen Tirschenreuther, der als Begründer der Mundartforschung gilt. Schmellers Bayerisches Wörterbuch kennt man aus vielen Bezügen, die Zehetner in seinen Beiträgen hergestellt hat. Fragt man Lübbers nach dem Jubilar und dessen Verdienste, dann muss er nicht lange überlegen. „Johann Wolfgang von Goethe hat einmal gesagt, der Dialekt sei das ‚Element, in welchem die Seele ihren Atem schöpft!‘ Getreu dieser Maxime hat Ludwig Zehetner sein ganzes Leben der Erforschung und ‚Inwertsetzung’ des Bairischen gewidmet.

Hier lesen Sie die Dialektserie von Ludwig Zehetner.

Die Schmeller-Gesellschaft wird ihrem hochgeschätzten Mitglied zum „Runden“ eine Tagung widmen. Der erste Vorsitzende, Christian Ferstl, gratuliert deshalb gerne via Tageszeitung: „Ludwig Zehetner gelingt es auf einzigartige Weise, in seinem gesamten Werk und durch sein authentisches Auftreten nicht nur fundiert Wissen über unser bairisches Deutsch zu vermitteln, sondern einem auch das Herz für den Gebrauch unserer Muttersprache zu öffnen.“ Auch wenn die Auftritte weniger werden, so denkt Zehetner auch im neunten Lebensjahrzehnt nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Es wär auch schad drum! In diesem Sinne: Oiss Guade, Herr Professor!

Glückwünsche an Ludwig Zehetner:

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