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Der Bergdoktor mag kein Blut

Man kennt ihn als Arzt oder Kapitän: Schauspieler Siegfried Rauch steht auch mit 85 Jahren noch topfit vor der Kamera.
Von Dagmar Unrecht

Siegfried Rauch spielt den TV-Arzt Dr. Roman Melchinger seit mehr als zehn Jahren.  Foto: ZDF/Stefanie Leo
Siegfried Rauch spielt den TV-Arzt Dr. Roman Melchinger seit mehr als zehn Jahren. Foto: ZDF/Stefanie Leo

Regensburg. „Bergdoktor“, „Traumschiff“-Kapitän und natürlich Rennfahrer in „Le Mans“ an der Seite von US-Hollywoodlegende Steve McQueen: Schauspieler Siegfried Rauch kann auf viele erfolgreiche Rollen zurückblicken – in mehr als 500 Filmen und Serien. Im April wird der Oberbayer 86 Jahre alt. „Ich denke aber immer, dass ich jünger bin“, sagt er am Telefon mit kräftiger, tiefer Stimme. Gerade war der Masseur da, der ihn und seine Frau Karin einmal pro Woche in ihrem Bauernhaus in Untersöchering bei Murnau durchknetet. „Das ist meine Wellness daheim.“ Rauch steckt sich noch seine Pfeife an, dann hat der Müßiggang auch schon ein Ende: „Ich brauche immer Beschäftigung, Ruhestand kommt für mich nicht infrage.“

Arbeiten, wo andere urlauben

Die Rolle als Senior-„Bergdoktor“ Dr. Roman Melchinger ist für Siegfried Rauch ein Glücksfall: Er kann inmitten seiner geliebten Berge arbeiten und der zeitliche Umfang ist überschaubar: „Im Schnitt drehe ich höchstens einen Tag pro Woche“, erzählt er. Dann wird er von einem Fahrer zu Hause abgeholt, fährt rund zwei Stunden zum Drehort am Wilden Kaiser und nach getaner Arbeit am Abend wieder nach Hause. Die Crew sei durchweg nett.

Lesen Sie hier ein Porträt über die Schauspielerin Monika Baumgartner, die ebenfalls im „Bergdoktor“ mitspielt.

„Wir verstehen uns alle sehr gut, das macht Spaß“, sagt Rauch. Dass die Serie seit mittlerweile zehn Jahren so erfolgreich ist, führt Rauch auf die spezielle Mischung aus „Menschlichkeit, schöner Landschaft und spannenden Krankheitsgeschichten“ zurück. Ein Ende ist für Rauch nicht in Sicht: „Solange die Leute Freude daran haben, machen wir weiter.“ Dass das Publikum gar nicht genug von den Doktorgeschichten aus den Bergen bekommt, zeigt sich nicht nur an den guten Einschaltquoten, sondern auch bei den sogenannten Fantagen am Wilden Kaiser. „Die Menschen kommen aus der ganzen Welt, sogar aus Uruguay“, erzählt Rauch. Dann gibt er unermüdlich Autogramme und lacht für Erinnerungsfotos in die Handykameras.

Sehen Sie hier ein Video von einem Bergdoktorfantag am Wilden Kaiser aus dem vergangenen September:

Derzeit läuft die 11. „Bergdoktor“-Staffel. Im Frühjahr gehen die Dreharbeiten in eine neue Runde. Was die Zuschauer dann erwarten wird, weiß Rauch selbst noch nicht. „Die Drehbücher gibt es oft erst zwei Tage vor Drehbeginn.“ Die Texte hat Rauch als alter Hase schnell gelernt. „Fahr nur zu, ich vertrete dich“, ist einer dieser typischen „Bergdoktor“-Sätze.

Als TV-Arzt beliebt

2015 wurde Rauch zum beliebtesten Schauspieler und Fernseharzt gewählt. „Dabei habe ich privat Der Bergdoktor mag kein Blutvor jeder Blutabnahme Angst“, verrät der Oberbayer. Er ist hörbar stolz darauf, dass er den TV-Mediziner glaubhaft zu vermitteln vermag. Manchmal frage er aber auch bei seinem eigenen Hausarzt nach, wenn er medizinische Zusammenhänge aus der ZDF-Serie nicht verstehe, erzählt er.

Auch bei einer anderen populären ZDF-Serie war Rauch mit an Bord: Von 1999 bis 2013 fuhr er als „Traumschiff“-Kapitän Jakob Paulsen von einem Urlaubsziel zum nächsten. „Ich war damals erstaunt darüber, dass ich als Bayer überhaupt für die Rolle besetzt wurde“, erinnert sich Rauch. Unter einem Kapitän stelle man sich doch eher einen Hamburger vor. Die Drehorte seien zwar traumhaft schön gewesen, aber die lange Abwesenheit von zu Hause sei ihm sehr schwergefallen. „Ich bin kein Mensch mit Fernweh, sondern habe eher Heimweh.“

Fremde Welt in Hollywood

Diese enge Heimatverbundenheit war es auch, die Rauch eine Hollywood-Karriere unmöglich gemacht hat. Dabei ist die Rolle von Rennfahrer Erich Stahler in „Le Mans“ von 1971 noch heute eine seiner Lieblingsrollen. Hauptdarsteller und Co-Produzent Steve McQueen hatte Rauch zuvor in „General Patton“ gesehen, und wollte ihn unbedingt als filmischen Gegenpart.

Beruflich an der Seite von Steve McQueen: Rauch (r.) spielte mit dem Hollywood-Star in „Le Mans“.
Beruflich an der Seite von Steve McQueen: Rauch (r.) spielte mit dem Hollywood-Star in „Le Mans“. Foto: Die Gebrüder Krimm

Auf der Leinwand waren die beiden Männer Rivalen, im Leben verband sie eine Freundschaft. McQueen ist auch Taufpate von Rauchs ältestem Sohn. „Steve hatte zwei traumhaft schöne Häuser in Beverly Hills, aber ich hätte mir ein Leben in Hollywood nicht vorstellen können“, ist sich Rauch sicher. Die US-Filmwelt habe ihm zwar imponiert, doch das Leben dort sei „für einen bayerischen Heimatmenschen“ zu fremd gewesen. „Da wäre ich nicht glücklich geworden.“ Steve McQueen habe ihm Recht gegeben: „Dein Leben ist schöner“, habe er gesagt.

Lieblingsrolle Opa



Siegfried Rauch hat die Entscheidung nie bereut. Karriere hat er trotzdem gemacht. Heute ist seine liebste Rolle die des Opas. Rauch hat vier Enkelkinder zwischen zweieinhalb und zwölf Jahren. „Bei mir dürfen sie alles, ich verziehe sie und mache den Clown“, erzählt er hörbar vergnügt. Nach zwei bis drei Stunden mit seinen Enkeln, die mit ihren Familien – Rauch hat zwei erwachsene Söhne – in der Nähe wohnen, sei er fix und fertig. Am liebsten würde er auch im TV einmal einen witzigen Opa spielen, erzählt er. Wenn er nicht gerade mit den Enkeln herumtobt, ist Rauch gern in der Natur oder malt Bilder. „Ich habe viele Hobbys.“ Von heute auf morgen nichts mehr zu tun zu haben, wäre ihm ein Graus. Weil er immer Pläne hat, beendet er auch unser Telefongespräch nach 25 Minuten höflich aber bestimmt: „Wir sind jetzt fertig, oder?“

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