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Der Corona-Dunkelziffer auf der Spur

Eine Studie im Landkreis Tirschenreuth soll sehr bald zeigen, wie viele Menschen tatsächlich infiziert sind.
Von Bernhard Fleischmann

Vor der passenden Kunst am Bau am Universitätsklinikum Regensburg: Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (M) stellte mit den verantwortlichen Professoren Klaus Überla (l.) und Ralf Wagner (r.) die Studie „TiKoCo19“ vor.  Foto: altrofoto.de
Vor der passenden Kunst am Bau am Universitätsklinikum Regensburg: Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler (M) stellte mit den verantwortlichen Professoren Klaus Überla (l.) und Ralf Wagner (r.) die Studie „TiKoCo19“ vor. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Dunkelziffer der Infizierten ist eine der meist diskutierten Größen in der Corona-Krise. Extreme Spannen geistern durch die Diskussionen. Um herauszufinden, wie viele Menschen sich infiziert haben, startet nun „TiKoCo19“. Diese Studie – die Kürzel leiten sich ab von Tirschenreuth, Kohorte, Covid 19 – führen die Universitätskliniken Regensburg und Erlangen gemeinsam im Landkreis Tischenreuth durch. Der Kreis in der nördlichen Oberpfalz galt als Corona-Hotspot. Bayerns Wissenschaftsminister Bernd Sibler, die Universitäten und die Vertreter des Landkreises stellten das Vorhaben am Freitag an der Uniklinik Regensburg vor.

„Wir müssen wissen: Wie viele Menschen haben sich tatsächlich infiziert.“

Wissenschaftsminister Bernd Sibler

Sibler erklärte bei einer Pressekonferenz den Sinn der Studie: „Wir müssen wissen: Wie viele Menschen haben sich tatsächlich infiziert.“ 650.000 Euro werde die Studie kosten. Geleitet wird sie von Professor Ralf Wagner (Institut für klinische Mikrobiologie der Uniklinik Regensburg) und Professor Klaus Überla (Virologisches Institut des Uniklinikums Erlangen). Eine weitere solche Studie ist bereits in München angelaufen.

Die Studie wurde bei einer Pressekonferenz an der Uniklinik Regensburg erklärt. Foto: altrofoto.de
Die Studie wurde bei einer Pressekonferenz an der Uniklinik Regensburg erklärt. Foto: altrofoto.de

Der Landkreis Tirschenreuth verzeichnete sehr früh hohe Infektionszahlen. Als Ausgangspunkt wird ein Starkbierfest in Mitterteich vermutet. Landrat Roland Grillmeier erinnerte daran, dass dort die erste Ausgangsbeschränkung ausgesprochen wurde. Inzwischen „kennt jeder in Mitterteich einen von Corona Betroffenen“. Die Infektion sei präsenter als anderswo. Doch auch in diesem Landkreis gebe es sowohl sehr stark betroffene Orte als auch welche, die von Infektionen nahezu unberührt geblieben seien.

Der Blick ins Fernglas

Mit mehr als 1500 Fällen pro 100.000 Einwohner weist der Kreis immer noch die höchste Häufigkeit gemeldeter SARS-CoV-2-Fälle auf. Sinn der Studie ist es aber nicht, rückwärts zu blicken, sondern zu lernen, wie sich die Infektionen entwickeln, verdeutlichte Wagner. Weil Tirschenreuth die größte Durchseuchung in Deutschland aufweist, könne man dort wie in einem Fernglas sehen, was auf das gesamte Land zukommen werde.

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Zunächst ist dafür eine Bestandsaufnahme nötig. Dafür werden nun aus den 72.000 Einwohnern des Landkreises 3600 Personen im Alter über sechs Jahren untersucht. Dazu werden Serumproben benötigt, um sie auf Antikörper zu testen. Die Testpersonen werden zufällig ausgewählt und gebeten, sich an der Studie zu beteiligen. Der regionale Landtagsabgeordnete Tobias Reiß sagte, er sei sich sicher, dass die Menschen des Landkreises mitmachen werden.

BRK nimmt das Blut ab

Das Bayerische Rote Kreuz wird bei den Probanden an drei Stationen im Landkreis Ende Mai/Anfang Juni Blut abnehmen. Ungefähr sechs Wochen später dürften erste Zwischenergebnisse vorliegen, erklärte Wagner auf Nachfrage. Vier bis sechs Monate später werden diese Menschen erneut getestet, und weitere vier bis sechs Monate danach noch einmal.

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Ein weiteres Ziel der Studie besteht laut Professor Überla darin, die Antikörpertestung generell zu verbessern. Aktuell würden bei guten Tests ein Prozent der Probanden fälschlich als positiv gewertet. Das höre sich nach wenig an, sei aber bei geringen tatsächlichen Fallzahlen sehr viel und führe zu deutlich von der Wirklichkeit abweichenden Hochrechnungen. Deshalb sei wichtig: „Wir wollen Bestätigungstests entwickeln, um besser zwischen falsch positiven und und richtig positiven Tests unterscheiden zu können.“

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