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Justiz

Der Fall Maria Baumer bleibt ungelöst

Die Eltern hoffen, „dass das nicht das Ende ist“. Die Indizien waren nicht ausreichend, um den Verlobten anzuklagen.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Das Grab von Maria Baumer in Muschenried. Vor wenigen Tagen hätte sie ihren 32. Geburtstag gefeiert. Jetzt müssen die Angehörigen verkraften, dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren einstellt. Foto: Ralf Gohlke
Das Grab von Maria Baumer in Muschenried. Vor wenigen Tagen hätte sie ihren 32. Geburtstag gefeiert. Jetzt müssen die Angehörigen verkraften, dass die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren einstellt. Foto: Ralf Gohlke

Muschenried.Auf dem Grab mit der goldenen Inschrift liegen zwischen Erika und Purpurglöckchen mehrere langstielige Rosen. Vor wenigen Tagen, am 16. Januar, hätte Maria Baumer ihren 32. Geburtstag gefeiert. Nicht nur ihre Familie hat an sie gedacht, auch in Trauerforen wurden wieder Kerzen für sie entzündet. Obwohl der Tod der Oberpfälzerin schon mehr als fünf Jahre zurück liegt, haben die Menschen sie nicht vergessen. Das mysteriöse Verschwinden und der ungeklärte Tod der damals frisch gewählten Landesvorsitzenden der Katholischen Landjugendbewegung berühren bis heute. Aber Antworten gibt es weiterhin nicht. Die Staatsanwaltschaft Regensburg musste diese Hoffnung Anfang der Woche zerstreuen. Der beschuldigte ehemalige Verlobte der jungen Frau wird nicht angeklagt. Es habe kein hinreichender Tatverdacht formuliert werden können, sagte Oberstaatsanwalt Dr. Markus Pfaller.

Das Sterbebild von Maria Baumer. Bis heute ist nicht geklärt, wie, wo und wann sie ums Leben kam. Foto: Rieder/Archiv
Das Sterbebild von Maria Baumer. Bis heute ist nicht geklärt, wie, wo und wann sie ums Leben kam. Foto: Rieder/Archiv

Für die Familie der jungen Frau ist diese Nachricht ein Schock. Sie hatte darauf gehofft, dass die Wahrheit um den Tod der Tochter und Schwester in einem Prozess endlich ans Licht kommen würde. Doch die Indizien reichen offensichtlich nicht aus. Nur wenn die Staatsanwaltschaft von einer Verurteilungswahrscheinlichkeit von über 50 Prozent ausgehen kann, kann sie einen Beschuldigten auch anklagen. Im Fall der getöteten Maria Baumer fehlt es aber an maßgeblichen Informationen zu den Todesumständen. Weder die Todesursache, noch der Ort des Geschehens und die Tatzeit konnten, trotz intensiver Bemühungen der Polizei, ermittelt werden. Mehr als vier Jahre nahmen sich die Ermittler Zeit. Mehrere Aktenmeter an Erkenntnissen haben sie zusammengetragen. Doch der entscheidende Hinweis war nicht dabei.

15 Monate Hoffen und Bangen

Wie Maria Baumers Vater, Alois Baumer, gestern in einem Telefonat mit unserem Medienhaus hervorhob, könne zwar in der Gesamtschau kein hinreichender Tatverdacht festgestellt werden. „Es heißt in dem Schreiben aber auch, dass der Beschuldigte weiterhin zweifelsfrei als Täter in Betracht kommt.“ Marias Verlobter war der letzte, der die 26-Jährige lebend gesehen hat. Er war derjenige, der von zwei Anrufen Marias, die nicht mehr zurückverfolgt werden konnten, berichtete. Am Tag ihres Verschwindens soll sie ihm eine kurze Auszeit angekündigt haben. Doch Maria kehrte nicht zurück. Nicht nach wenigen Tagen und nicht nach Monaten. Am 8. September 2013 fanden Schwammerlsucher ihre sterblichen Überreste im Kreuther Forst bei Bernhardswald (Lkr. Regensburg). Weil an dem Opfer Spuren von Löschkalk hafteten, geht die Polizei davon aus, dass der Täter gezielt plante, sie verschwinden zu lassen. Denn Löschkalk kann Verwesungsprozesse beschleunigen. Die Eltern von Maria Baumer glauben, dass es für diese Tat Mitwisser geben muss.

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Fall Baumer: Die Überprüfungen gehen weiter

„Verlobter wurde stigmatisiert“

Der Verlobte, der sehr früh im Fokus der Ermittlungen stand, hatte immer wieder seine Unschuld betont. Er habe seine Freundin geliebt und sie heiraten wollen. Sein Anwalt Michael Haizmann überbrachte ihm am Mittwochmorgen die Entscheidung der Staatsanwaltschaft. „Ich glaube, er konnte es im ersten Moment noch gar nicht richtig realisieren.“ Der Krankenpfleger war gerade aus der Nachtschicht heimgekommen, als ihn die Nachricht überraschte. Seine Angehörigen hätten erleichtert reagiert, sagte Haizmann. Auch er sei froh, dass das Verfahren nun eingestellt werde. „Hier wurde ein junger Mann auf unglaubliche Art und Weise stigmatisiert.“ Insgesamt wurde viereinhalb Jahre lang wegen Totschlags gegen den 33-Jährigen ermittelt, er saß nach dem Auffinden der sterblichen Überreste von Maria Baumer sechs Wochen in Untersuchungshaft, zweimal durchsuchten Polizeibeamte seine Wohnung. Haizmann kündigte an, dass er dafür eine Entschädigung für seinen Mandanten beantragen werde. Im Zuge der Ermittlungen hatten die Ermittler auch Delikte aus der Vergangenheit des Mannes strafrechtlich verfolgt. Wegen sexueller Übergriffe auf zwei Schüler und Körperverletzung an einer ehemaligen Patientin des Bezirksklinikums wurde er deshalb im Dezember 2016 zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt. Die Eltern von Maria Baumer hatten den Prozess als Zuschauer mitverfolgt.

Sie müssen nun zunächst damit klarkommen, dass der Tod ihrer Tochter nicht vor Gericht kommt. Die Ermittlungsakten werden nach der Einstellung des Verfahrens durch die Staatsanwaltschaft aber weiter in regelmäßigen Abständen von der Polizei auf neue Aspekte überprüft. Da am Fundort der Leiche DNA-Spuren gesichert wurden, die nicht mit dem Verlobten in Verbindung gebracht werden konnten, könnten sich auch hieraus irgendwann neue Hinweise ergeben. „Zunächst wurde das Verfahren eingestellt, aber für uns bleibt die Hoffnung, dass das nicht das Ende ist“, sagt Alois Baumer. Die Entscheidung der Staatsanwaltschaft will die Familie akzeptieren.

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