MyMz
Anzeige

Der Hund mit den zwei Jobs

Mogli und seine Besitzerin Anna Köck helfen anderen Menschen. Ihr Rüde ist ausgebildeter Therapie- und Rettungshund.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

Ein tolles Team: Anna Köck und Mogli arbeiten für das BRK Straubing: Der Therapiehund und Flächensuchhund hat übrigens ein Faible für Äpfel.  Foto: Bäumel-Schachtner
Ein tolles Team: Anna Köck und Mogli arbeiten für das BRK Straubing: Der Therapiehund und Flächensuchhund hat übrigens ein Faible für Äpfel. Foto: Bäumel-Schachtner

Straubing.Mogli ist auf den ersten Blick nicht anders als andere Hunde. Er liebt es, beim Gassi gehen ausgiebig zu rennen, er ist ganz wild auf sein Spielzeug, und mit Kindern zu kuscheln ist sein Hobby. Doch der dreieinhalb Jahre alte Mischlingsrüde von Anna Köck aus Neukirchen bei Straubing hat gleich zwei Jobs: Er ist Rettungshund und Therapiehund.

Blitzende bernsteinfarbene Augen und eine Rute, die nie stillhält: Mogli ist ein aktiver Rüde. Mit dem Vierbeiner, der seitdem er ein Welpe ist, bei Köck lebt, absolvierte die 30-Jährige eine Ausbildung zur Fachkraft für tiergestützte Therapie in Wien.

Kinderkrippe

Therapiehund Flocke besuchte die Kleinen

Aufgeregt und gespannt begrüßen die Mädchen und Jungen aus der Johanniter-Kinderkrippe „KALLe-Kallmünz“ den Vierbeiner.

Während in Deutschland jeder Hund Therapiehund genannt werden darf, ist in Österreich ein Zertifikat nötig. „Ich wollte einfach eine fundierte Ausbildung“, sagt Anna Köck, die beim Bayerischen Roten Kreuz in Straubing arbeitet – gemeinsam mit Mogli. Ihr Vierbeiner hat die Prüfung schon erfolgreich absolviert, sein Frauchen ist auch bald mit ihrem Teil der Ausbildung fertig und drückt derzeit noch ein Wochenende im Monat in Wien die Schulbank.

Mogli und Anna Köck haben sich eine besondere Zielgruppe ausgesucht: psychisch kranke Menschen. Beim BRK in Straubing gibt es eine Beratungsstelle für seelische Gesundheit, eine Tagesstätte für Menschen, denen es gerade psychisch nicht gut geht sowie betreutes und ambulantes Wohnen. Wer eines dieser drei Angebote des BRK in Anspruch nimmt, der kann seit einem Monat die Gruppe „Zeit mit Mogli“ besuchen.

Menschen sollen Freude haben

„Therapie“ nennt es Anna, studierte Sozialpädagogin und gelernte Erzieherin, nicht: „Ich bin keine Therapeutin, und ich möchte auch, dass die Menschen Freude am Hund haben und es nicht wie eine Therapie sehen.“

Deshalb erklärt sie den Mitgliedern der Gruppe auch ganz bewusst nicht, dass auch die Motorik gefördert wird, wenn sie den Hund bürsten, oder das Gedächtnis, wenn das Würfelspiel gespielt wird. Würfelspiel bedeutet, dass Mogli einen Plüschwürfel wirft und die Zahl, die obenauf ist, eine bestimmte Bedeutung hat: 1 für Streicheln, 2 für Leckerli geben, 3 für Bürsten und so weiter. „Das macht Spaß und die Menschen merken den Nutzen gar nicht“, sagt Anna Köck.

Mogli kommt super an: „Manchmal muss ich sogar schauen, dass es nicht zu viel wird für ihn.“ Er bringt seine Gruppe zum Lachen und dazu, Leistungen zu bringen, die sie gar nicht merken. Berührungsängste gibt es nicht mehr. Wer „Zeit mit Mogli“ erfolgreich absolviert hat, bekommt hinterher ein Hundediplom. Aber auch Mogli geht nicht leer aus. „Vier Wiener pro Stunde“, hat Anna Köck lachend die Bezahlung festgelegt. Hinterher ist der hübsche Rüde aber „bratfertig“ – auch für ihn ist es harte Arbeit.

Hilfe

Ida braucht einen Begleithund

Das Mädchen hat bis zu 100 Epilepsieanfälle am Tag. Ein Partner auf vier Pfoten könnte helfen. Deswegen benötigt sie Spenden.

Seine Besitzerin ist mit Hunden groß geworden und hat bei ihrer Ausbildung als Erzieherin bereits die tiergestützte Arbeit kennengelernt. „Mir war immer klar, dass ich, wenn ich einmal einen eigenen Hund habe, diesen zum Therapiehund ausbilde“, blickt sie zurück. Als dann die Hündin, von der sie immer schon einen Welpen haben wollte, trächtig war, suchte sie zusammen mit einem Hundetrainer den passenden Welpen aus: „Er sollte aufgeweckt sein, aber nicht zu lebhaft.“

So arbeiten Köck und Mogli

  • Zubehör:

    Wenn Anna Köck mit Mogli in ihre Gruppe geht, dann hat sie eine Fülle von Zubehör dabei. Sie zeigt, wie ein Schnüffelteppich und ein Intelligenzspielzeug funktionieren. Dabei müssen Leckerli aus Verstecken befreit werden.

  • Gruppe

    : Die Gruppenteilnehmer dürfen Parcours’ bauen und den Hund durchlaufen lassen. „Dabei werden auch die Teilnehmer eingebaut, sie geben sich beispielsweise die Hand und lassen Mogli darüber springen“, sagt Köck.

  • Qualifikation:

    In Deutschland ist die Bezeichnung „Therapiehund“ nicht geschützt. Mogli hat daher in Österreich, wo das der Fall ist, seine Ausbildung absolviert und ist zertifiziert. Auch Anna Köck macht ihre Ausbildung in Wien.

  • Rettungshund:

    So wird ein speziell ausgebildeter Hund bezeichnet, der eine Rettungshundeprüfung erfolgreich absolviert hat. Ein Rettungshund arbeitet immer mit seinem Hundeführer (dem Rettungshundeführer, RHF) zusammen im Team.

Die Wahl fiel auf Mogli, und der Collie-Labrador-Schweizer-Sennhund-Mix ist genau der Richtige. Das stellte sich auch bei der Ausbildung heraus. Dabei musste Mogli seine Leinenführigkeit, seinen guten Grundgehorsam, aber auch seine Coolness in allen Lebenslagen unter Beweis stellen und meisterte seine Sache bravourös – ob Abrufen aus Distanz oder das gelassene Meistern von herunterfallenden Kochtöpfen oder das Anfassen am ganzen Hundekörper.

Zwölf Rettungseinsätze

Anna Köck paukt derweil noch Theorie und Praxis für ihre Prüfung, dann warten auch noch weitere Aufgaben mit Tieren beim BRK Straubing auf sie. Beworben hat sich Anna Köck beim BRK zusammen mit Mogli: „Er hatte eine eigene Bewerbung, sogar mit Lebenslauf“, sagt die junge Frau lachend. Das kam an – und beide wurden genommen. Mogli, der ein Faible für Äpfel hat, ist aber nicht nur Therapiehund, sondern auch ausgebildeter Rettungshund. Bei zwölf Einsätzen war der große, schlanke Vierbeiner schon dabei und ist als Flächensuchhund spezialisiert. Zweimal die Woche ist Training. Dass es dem dreieinhalb jährigen Rüden nicht zu viel wird, dafür sorgt Anna Köck – und das Herrchen. Der wollte anfangs nicht, dass Mogli mit im ehelichen Schlafzimmer übernachtet. Der Hund mit zwei Jobs fühlt sich aber dennoch tierisch wohl darin.

Weitere Nachrichten aus Bayern lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht