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Der Kicker mit dem Wunder-Armband

Andreas Geipl hat beim Jahn die schwärzeste Stunde und zwei Aufstiege miterlebt. Der Schmuck am Handgelenk war immer dabei.
Von Marion Koller

  • Neue Perspektive: Jahnspieler Andreas Geipl auf der Zuschauertribüne der Continental Arena Foto: altrofoto.de
  • Andreas Geipl 2018 beim Training Foto: Nickl
  • Beim Training Foto: Nickl
  • Im Mai 2018 auf der Dult mit einem jungen Fan Foto: Lex
  • Bei der Begegnung des SSV Jahn Regensburg mit dem SV Darmstadt im Mai in Regensburg. Foto: Jens Niering Photoproductions
  • Tobias Kempe (Darmstadt 98) mit dem langen Bein mit Andreas Geipl Foto: Nickl

Regensburg.Allüren kennt Andreas Geipl nicht. Er ist der nette Typ von nebenan. In kurzer Hose und T-Shirt kommt er in die Continental Arena. Das einzige Auffallende: Der 26-Jährige Jahnspieler trägt ein Armband mit Madonna-Abbildungen. Für das Interview müssen wir in den zweiten Stock. Andi Geipl drückt den Aufzugknopf. Im Urlaub steigt er keine Treppen. Schließlich hat sich der Kicker erst durchs Vorbereitungstraining gequält.

Herr Geipl, Sie sind im Juni Vater eines Sohnes geworden. Wie heißt der Kleine?

Leo Josef. Mein Papa heißt Josef, mein Opa hat Josef geheißen und so lautet auch mein zweiter Vorname. In der Mannschaft nennen sie mich Sepp, weil ich so aussehe wie mein Papa.

Woher kennt ihn das Team?

Meine beiden Eltern kommen zu allen Heimspielen, genau wie meine Frau Tina. Auch bei Auswärtsspielen ist die Familie oft dabei.

Was bedeutet Ihnen das?

Viel. Es ist ein schönes Gefühl, wenn jemand auf der Tribüne sitzt, der nur wegen dir da ist.

Hat Leo Ihr Leben verändert?

Er ist erst 13 Tage alt. Die Verantwortung ist gewachsen.

„Ich habe noch nicht das Tattoo-Motiv gefunden, das mir steht.“

Jahn-Spieler

Ist die Leichtigkeit weg?

Nein, wir haben uns vorgenommen, dass wir die Leichtigkeit behalten. Leo schläft bei uns. Wir versuchen aber, nicht bei jedem Husten zu rennen. Es ist noch eine ungewohnte Rolle.

Die Vorbereitung hat begonnen, aber das erste Punktspiel folgt erst Anfang August. Wie verbringen Sie die Sommerpause?

In der Freizeit fahren wir heim nach Garmisch, dort wohnen die Schwiegereltern. Meine Eltern leben in Bad Kohlgrub. Wir haben alle mit Leo besucht.

Und dann die Hände zum Himmel (von links): Torwarttrainer Kristian Barbusack, Haris Hyseni, Michi Faber, Alexander Nandzik, Uwe Hesse, Andi Jünger und Andy Geipl jubeln bei der Aufstiegsfeier mit den Fans. Foto: Lex
Und dann die Hände zum Himmel (von links): Torwarttrainer Kristian Barbusack, Haris Hyseni, Michi Faber, Alexander Nandzik, Uwe Hesse, Andi Jünger und Andy Geipl jubeln bei der Aufstiegsfeier mit den Fans. Foto: Lex

Was war emotionaler, die Geburt oder der Aufstieg?

Wir haben uns riesig über Leo gefreut, kein anderer Tag kommt an das heran. Auch die Zeit nach dem Aufstiegsspiel gegen 1860 war emotional, aber die Geburt des eigenen Kindes ist einzigartig. Das kann man nicht vergleichen.

Verreisen Sie gar nicht?

Nein, jetzt ist Leo zu klein und im Winter wollen wir das erste Weihnachten zu dritt genießen.

Andreas Geipl mit Ball Foto: Nickl
Andreas Geipl mit Ball Foto: Nickl

2017 haben Sie Ihren Rhodos-Urlaub auf Facebook angeboten. Sie wollten beim Relegationsspiel gegen die Löwen mitkicken.

Den hat ein Spieler aus der zweiten Mannschaft genommen. Er war begeistert. Der Verzicht hat sich auf jeden Fall gelohnt, weil wir aufgestiegen sind (lacht). Wir hatten super Tage in München und Regensburg. Nach dem Spiel haben wir bei einem Bankett im Weltenburger am Dom gefeiert, in der Nacht und am nächsten Tag dann mit den Fans.

Wie war heuer am Saisonende die Stimmung im Team?

Die war die ganze Saison über gut. Wir haben unser Ziel, den Verbleib in der Zweiten Liga, erreicht.

Wie geht es weiter mit dem SSV?

Wir werden die Saison wieder angehen wie die letzte, gscheit vorbereitet – und bei jedem Spiel alles geben. Wir schauen, dass wir in der Zweiten Liga bleiben.

Andreas Geipl hat sich kurz vor Trainingsbeginn Zeit für das MZ-Interview genommen. Er erzählt, wie ihm die Fans den Rücken stärken.

Haben Sie ein Vorbild?

Mein Vorbild und Lieblingsspieler ist Steven Gerrard, der 26 Jahre für den FC Liverpool kickte und heute die Glasgow Rangers trainiert. Er hatte eine unglaubliche Ausstrahlung auf dem Platz und ein gutes Auge für seine Mitspieler. Er gewann sehr viele Zweikämpfe, spielte richtig gute Pässe und schlug starke Standards.

Sie tragen zwei Armbänder.

Das mit der Maria ist geweiht. Mein Papa hat es mir geschenkt. Das trage ich einfach gerne. Ich fühle dadurch einen gewissen Schutz. Das Lederarmband habe ich von meiner Frau zum Geburtstag gekriegt. Den Ehering hat mir auch meine Frau angesteckt (lacht).

Viele Fußballspieler schmücken sich mit Tattoos. Und Sie?

Ich habe noch nicht das richtige Motiv gefunden, das mir steht.

Wie gehen Sie mit Niederlagen um?

Ich bin traurig und frage mich, was ich besser hätte machen können. Aber Fußball ist eine schnelllebige Sportart und ich muss die Niederlage spätestens am nächsten Tag abhaken und schauen, dass wir wieder gewinnen.

Schrecksekunde in der Continental Arena: Andi Geipl wälzt sich im Mai 2016 beim Spiel gegen Memmingen blutüberströmt auf dem Rasen. Foto: Nickl
Schrecksekunde in der Continental Arena: Andi Geipl wälzt sich im Mai 2016 beim Spiel gegen Memmingen blutüberströmt auf dem Rasen. Foto: Nickl

Haben Sie ein Buch im Haus?

Es stehen schon Bücher in unserer Stadtamhofer Wohnung herum – Kochbücher (lacht). Zeitung lese ich, aber ein Bücherwurm bin ich nicht. Die Biografien von Zlatan Ibrahimovic und Bastian Schweinsteiger habe ich zuletzt gelesen.

Wie hat sich das Verhältnis zu den Fans entwickelt?

Mittlerweile ist es richtig gut. Die Jahn-Fans sind ein super zwölfter Mann. Als wir im Oktober beim DFB-Pokal gegen Heidenheim mit 5:2 ausgeschieden sind, sind wir zur Hans-Jakob-Tribüne gegangen, um uns für die Unterstützung zu bedanken. Wir haben damit gerechnet, dass wir ausgepfiffen werden. Die Fans haben uns aber gewaltig den Rücken gestärkt.

Seit April wohnen Sie in Stadtamhof. Gefällt es Ihnen?

Ja, super. Uns gefällt die Stadt richtig gut. Mit den Spielerkollegen trinke ich ab und zu einen Kaffee im Rinaldi. Mit Leo werden wir durch die Stadt schlendern. Es gibt schöne Fleckerl zum Spazierengehen, etwa an der Donau.

Ist das Feiern vorbei?

Während der Vorbereitung feiere ich nicht. Außerdem lasse ich Frau und Kind ungern allein.

Sie lieben Schlager.
Helene Fischer höre ich gerne, vor allem „Atemlos“. Ich liebe Austropop von Fendrich und S.T.S. Andreas Gabalier höre ich zurzeit oft. Mein aktuelles Lieblingslied ist „Engel“.




In der ersten Zeit beim Jahn haben sie nur mäßig gespielt, zu allem Überfluss riss das Kreuzband. Als der SSV 2015 in die Regionalliga abstieg, hatten Sie keinen Vertrag mehr.

Als Vierjähriger wollten Sie Profifußballer werden, mit elf sind Sie zu den Löwen gestoßen. Wie sehen Sie Ihre Zukunft?

Christian Keller hat zu mir gehalten und mir einen neuen Vertrag angeboten. Ich rechne ihm hoch an, dass ich nochmals die Chance bekommen habe, mein Können zu zeigen. Ansonsten wäre es schwierig für mich geworden, im Profigeschäft noch einmal Fuß zu fassen.

Profifußball ist mein Traum. Ich möchte so lange spielen, wie es der Körper mitmacht.

Weitere Interviews lesen Sie hier.

MZ-Serie: Alles ausser gewöhnlich

  • Die Serie:

    Es gibt Menschen, die einem auffallen: weil sie auf eine spezielle Weise leben oder die Dinge auf eine ganz eigene Art anpacken. Sie sind eben „alles außer gewöhnlich“.

  • Die Autorin:

    Marion Koller war überrascht, wie viel vormittags in der Continental Arena los ist. Schulungsteilnehmer diskutierten dort – und der Geschäftsführer Profifußball Dr. Christian Keller kam vorbei.

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