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Der Mann, der jeden Tag Märchen erzählt

Von seinem ältesten Sohn und einem Clown in-spiriert, wurde Oliver Machander aus Hainsacker zum professionellen Märchen-erzähler.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

Sein Sohn machte ihn zum Märchenerzähler: Oliver MachanderFoto: altrofoto.de

Hainsacker.. „Obwohl ich sogar lange Haare habe, findet mein ältester Sohn das, was ich mache, jetzt nur noch spießig.“ Wenn Spießer Geschichten von lila Wunderdrachen erfinden, Märchen von Herrschern mit Eselsohren erzählen und obendrein in einer Mischung aus Hexenhäuschen und Villa Kunterbunt leben, dann ist Oliver Machander der Spießer schlechthin. Der 37-Jährige aus Hainsacker ist hauptberuflicher Märchenerzähler.

Job als Pfleger aufgegeben

Vor vier Jahren hat er seinen Job als Pfleger aufgegeben und sich ganz in Olivier verwandelt. Olivier, der mit seinen ruhigen, hellblauen Augen und seiner festen, klaren Stimme Kinder und Erwachsene mitnimmt in die Welt der Brüder Grimm und aus 1001 Nacht. Oder eben in seine eigene Welt, in der der Drache Nanu Wolkengeistern und Regenbogenkindern begegnet. Mit Nanu hat alles angefangen.

Das war vor zehn Jahren, als Oliver Machander und seine Frau Regina beschlossen, sich mit dem gemeinsamen Sohn Felix, damals vier Jahre alt, eine einjährige Auszeit vom Alltag in Deutschland zu nehmen. In den französischen Pyrenäen lebte die kleine Familie in einem Tipi – ohne fließend Wasser und ohne Strom. Oft wanderten sie tagelang durch die Berge; „da mussten wir uns manchmal schon etwas einfallen lassen, um Felix bei der Stange zu halten“, erinnert sich Oliver Machander. Und so begann er zu erzählen. Zuerst die Märchen, die er selbst aus seiner Kindheit kannte, wie „Der Wolf und die sieben Geißlein“. Als ihm der Stoff ausging, schmückte er eigene Erlebnisse von früher aus und gab sie zum Besten. Doch auch dieses Material war irgendwann erschöpft. „Also habe ich Felix gefragt, was ich ihm denn noch erzählen soll“, sagt Oliver Machander. Der Vierjährige hatte davon eine ziemlich genaue Vorstellung: Er wollte Geschichten von einem Drachen und der sollte lilafarben sein. So wurde Nanu geboren. Was Felix heute also spießig findet, hat er im Prinzip selbst ins Rollen gebracht.

Vier kleine Büchlein im Pixie-Format mit selbst geschriebenen Geschichten hat Oliver Machander inzwischen produziert und Nanu gibt es auch als Hörbuch auf CD. In der Vorweihnachtszeit ist der Märchenerzähler regelmäßig ausgebucht und auch sonst hat er einiges zu tun: Für den Markt Beratzhausen zum Beispiel hat er auf der Grundlage alter Sagen das „Märchen vom Soldaten Humpelbein“ erfunden, in der Volkshochschule hält er Veranstaltungen und jedes Jahr im Herbst geht er mit dem befreundeten Clown Mausi Mausini auf Kindertheater-Tournee durch ganz Deutschland.

Nach Felix war es nämlich ebendieser Mausi Mausini, ein Künstler vom Bodensee, der Oliver Machanders Märchenerzähler-Karriere neuen Auftrieb gab. Den Winter ihrer Auszeit nämlich verbrachte Familie Machander nicht in Frankreich, sondern auf der spanischen Insel La Gomera, wo derzeit auch Mausi Mausini seine Zelte aufgeschlagen hatte. Für die deutsche Kolonie auf der Insel veranstalteten sie gemeinsam einen Kindernachmittag, bei dem Oliver Machander von Nanu erzählte, vom sagenhaften Bau der Steinernen Brücke zu Regensburg und von der Steinsuppe aus einem portugiesischen Märchen. „Da kamen so viele Leute und die waren so begeistert“, sagt Oliver Machander. Für ihn stand also fest: Zuhause in Deutschland mache ich weiter mit Märchen.

Zwei seiner Söhne sind große Fans

Einige Jahre hat es dann noch gedauert, bis er die Ausbildung als Märchenerzähler beim Verein Dornrosen in Henfenfeld bei Nürnberg absolviert hatte und er tatsächlich zum hauptberuflichen Märchenerzähler wurde. Ohne seine Frau, die Vollzeit außer Haus arbeiten geht, hätte er diesen Schritt allerdings nicht machen können. „Erst nach vier Jahren ist das Ganze jetzt auch finanziell ganz gut“, sagt Oliver Machander. Ganz abgesehen vom Geld hat Oliver Machander ihr auch seine zwei treuesten Fans zu verdanken: Die beiden Söhne Ole (8) und Jannik (7) sind, anders als der nun 14-jährige Felix, noch für Märchen zu haben. Für Kinder in deren Alter bereitet Oliver Machander derzeit auch ein neues Programm vor. Im Jubiläumsjahr des Oberpfälzer Märchensammlers Franz Xaver Schönwerth (siehe auch rechts) will er Grundschüler mit einem ganz besonderen Märchenreigen in die Welt der Fantasie entführen.

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