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Der moderne Zirkus der Zukunft

In München entsteht ein rund 50 000 Quadratmeter großer Pferde-Erlebnispark. Im Herzstück, dem Showpalast, läuft „Equila“.
Von Katia Meyer-Tien

In München entsteht ein rund 50 000 Quadratmeter großer Pferde-Erlebnispark. Im Herzstück, dem Showpalast, läuft „Equila“.

München.Luigi hat es den beiden Mädchen besonders angetan. Aus dunklen Augen blickt das gewaltige Shire Horse gelassen auf die Besuchergruppe, die sich im Pferdestall des neuen Münchner Showpalastes versammelt hat. Es ist eine große Gruppe, mit der die beiden Mädchen da gekommen sind, alles Presseleute: Das Interesse an Münchens neuer Attraktion ist enorm. Denn es strotzt nur so von Superlativen, wenn die Verantwortlichen der Apassionata Park München GmbH von ihrem Projekt erzählen. Von „Europas imposantesten Showportal“ ist da die Rede, von einer der „größten Bühnen Deutschlands“ mit „der größten LED-Wand Europas“ und, nicht zuletzt, von einem „der größten privaten Investitionsvorhaben im Entertainment-Segment“. Auf rund 50 000 Quadratmetern soll im Münchner Norden, direkt neben der Allianz Arena, eine gigantische Erlebniswelt rund um das Thema Pferde entstehen, die Eröffnung ist für diesen Sommer geplant. Das Herzstück, der Showpalast, ist bereits fertig. Seit November wird hier mehrmals pro Woche das Stück „Equila“ aufgeführt.

Sieben Reiterteams

Der noch junge Luigi ist nicht Teil der Show, aber im Mittelgang des Stalls steht bereits der vierbeinige Hauptdarsteller und lässt sich geduldig bürsten. Sieben Reiterteams treten bei Equila auf, es sind ihre Pferde, die hier in den 57 Boxen auf ihren Einsatz warten. Drei Stunden vor Beginn der Aufführung ist die Stimmung gelöst, Musik läuft im Hintergrund, ein babylonisches Sprachgewirr erfüllt den Raum: Aus Spanien, Italien, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich und Portugal kommen Pferde und Reiter, aber irgendwie scheinen sie sich alle zu verstehen. Überhaupt ist die Truppe bunt gemischt, Reiter, Tänzer, Akrobaten und Mitarbeiter kommen aus aller Welt, die unterschiedlichsten Typen treffen hier aufeinander. James zum Beispiel war mal Turmspringer und turnt nun auf galoppierenden Pferden. Svetlana steht heute ruhig inmitten der Vierbeiner und spielt Violine, dabei hatte sie eigentlich Angst vor Pferden. Und Pferderegisseurin Maike Árnason ist gelernte Bankkauffrau, seit 13 Jahren aber mit Apassionata unterwegs.

Pferde-Wellness im Stall nebenan Foto: Meyer-Tien
Pferde-Wellness im Stall nebenan Foto: Meyer-Tien

Die Pferde, das betonen alle, stehen im Mittelpunkt, ihre Ruhe und ihr Vertrauen in die Reiter sind der Garant für eine gelungene Show. Behutsam haben die Reiter sie an die Lichter, die Projektionen, das Publikum und die Musik gewöhnt, feste Routinen geben ihnen Sicherheit. „Keins der Pferde hat Stress hier drinnen“, sagt Regisseurin Árnason und fügt noch hinzu, dass das gesamte Soundsystem auf den Zuschauerraum ausgerichtet sei. Auf der Bühne höre man davon so wenig, dass sich sogar manchmal die Tänzer beschwerten.

Große Pläne

Equila und der Pferdepark sind ein ehrgeiziges Projekt, die Investitionssumme ist rund 55 Millionen Euro hoch. Dass eine Pferdeshow eine feste Spielstätte und ihren eigenen Themenpark bekommt, ist einzigartig. München soll, sagt Produzent Nikolaus Job, ein Kreativzentrum werden, mit einer eigenen Ausbildungs- und Trainingsstätte. Während im Showpalast Equila spielt – so lange wie möglich, die Macher vergleichen die Show mit Musicalerfolgen wie Cats oder König der Löwen – sollen hier neue Shows für die Europatourneen entwickelt werden. Momentan ist die Apassionata-Show „Gefährten des Lichts“ auf Tour, im Herbst soll „Welt der Fantasie“ starten. Themenpark, Showpalast und Tournee, so der Plan, sollen sich dabei gegenseitig befruchten.

Wie schwer es solch gigantische Shows haben können, ahnt man bei einem Blick in die Vergangenheit: Im Februar 2011 startete in München das von André Heller erdachte Pferdefantasiespektakel Magnifico. Trotz offiziell guter Verkaufszahlen kam die als Tournee geplante Show nie aus München heraus, nach nur fünf Monaten stellte die Geschäftsführung einen Insolvenzantrag. Auch die zwei Jahre zuvor pompös gestartete XL-Produktion Ben Hur Live endete statt in den Arenen der Welt in der Insolvenz.

Erbitterter Rechtsstreit

Die Pferdeshow Apassionata hingegen ist eine Erfolgsgeschichte und seit mehr als 15 Jahren in Europa unterwegs. Nur: Diesen Markennamen dürfen die Showpalast-Macher ab Juli 2018 nicht mehr nutzen, er geht an die SenseUp Entertainment GmbH um Holger Ehlers, den langjährigen Autor und Regisseur von Apassionata. Das ist das vorläufige Ende eines erbitterten Rechtsstreits, der begann, als die chinesische Investorengruppe Hongkun 2016 die Anteilsmehrheit an der Apassionata World GmbH übernahm und Apassionata-Gründer Peter Massine mit Holger Ehlers und anderen das Unternehmen verließen. Heute tourt Ehlers mit seiner eigenen Apassionata-Show „Der Traum“ durch Europa. In München gibt es zu dem Thema nicht viel zu erfahren: Man bereite sich auf die Zeit nach dem 1. Juli vor, heißt es.

Lamellen beleuchten in wechselnden Farben das Foyer. Foto: Meyer-Tien
Lamellen beleuchten in wechselnden Farben das Foyer. Foto: Meyer-Tien

Als am Abend im Showpalast die Deckenlichter ausgehen, ist der Saal zwar nicht ausverkauft, aber sehr gut besucht. Die Augen der beiden Mädchen leuchten um die Wette mit den zuvor im Publikum verteilten LED-„Herzsteinen“ auf ihrem Schoß. Es sind nicht nur die Pferde, die den Zuschauer in ihren Bann ziehen, nicht nur die Reiter, Tänzer und Akrobaten, deren Leistung über die recht dünne Story hinwegtröstet. Es ist die Kombination mit der gigantischen Technik, die Maßstäbe setzt: Auf der mit knapp 600 Quadratmeter riesigen LED-Wand laufen fantastische Videosequenzen, die nahtlos in die fast fotorealistischen Bodenprojektionen übergehen. Equila ist damit vor allem eines: Ein Blick in die Zukunft des modernen Zirkus.

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