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Bayern
Mittwoch, 20. Juni 2018 30° 3

Geburtstag

Der Tierpark Straubing wird 80

Im Jubiläumsjahr gibt es im einzigen Zoo Niederbayerns viele Attraktionen. Die neuen Stars sind drei junge Braunbären.
von Melanie Bäumel-Schachtner

Im Straubinger Tierpark können die Besucher nahe an den Gehegen sein. Foto: Bäumel-Schachtner
Im Straubinger Tierpark können die Besucher nahe an den Gehegen sein. Foto: Bäumel-Schachtner

Straubing.Es bewegt sich etwas im Straubinger Tierpark. Heuer kann der 80. Geburtstag des einzigen Zoos Niederbayern gefeiert werden – mit einem bunten Jubiläumsprogramm. Tiergartenleiter Wolfgang Peter und sein Team ruhen sich nicht auf den Erfolgen aus, sondern setzen laufend neue Projekte um. Gerade erst sind drei junge Braunbären aus der Schweiz an die Donau gezogen. Die drei Jungs sorgen für jede Menge Schwung und für einen bärigen Geburtstag.

Attraktion war in jüngster Zeit der Tigernachwuchs. Foto: Bäumel-Schachtner
Attraktion war in jüngster Zeit der Tigernachwuchs. Foto: Bäumel-Schachtner

Ein heftiger Gewitterregen hat sich gerade über dem Straubinger Tierpark entladen. Die Luft ist klar und rein. Von den Büschen und Bäumen tropft es. Nicht stören lassen von Blitz und Donner haben sich die drei neuesten Mitbewohner im Tiergarten. Die drei eineinhalb Jahre alten Braunbären Woiferl, Wiggerl und Pauli sind gut drauf – auch bei Regen. Woiferl und Wiggerl sind hoch hinauf in den Baum gekraxelt, der in der Mitte ihres Geheges aufgestellt ist. Ausgiebig chillen sie in den Ästen, die massigen Hinterteile hängen nach unten. Pauli ist auf dem Boden geblieben, streift durch das Gelände und schaut, was er anstellen könnte. Die Besucher können sich nicht sattsehen.

Mehr als 200 Tierarten

Auch Tiergartenleiter Wolfgang Peter und Zoopädagogin Michaela Gauderer sind hin und weg von den drei Neuen, die ordentlich für Stimmung im Tierpark sorgen. „Es sind richtige Halbstarke. Unser ehemals schönes Gelände sieht nach ein paar Wochen aus wie ein Truppenübungsplatz“, scherzt Peter mit einem fast väterlichen Lächeln. Die Bärin Elli, 37 Jahre alt, residiert nebenan und ist von den aktiven Jungs räumlich getrennt. Ursprünglich, damit sie ihre Ruhe hat. Doch die betagte Dame erlebt gerade ihren zweiten Frühling: „Sie läuft so viel herum wie schon lange nicht mehr, die jungen Bären tun ihr richtig gut.“

Vor zwei Jahren kamen in Straubing Tigerbabys zur Welt. In unserem Video erkunden sie ihr Gehege:

Tigerbabys im Tierpark in Straubing

Mehr als 200 Tierarten gibt es im Straubinger Tierpark. Hinzu kommen immer wieder neue Tiere. Die nächsten neuen Bewohner werden Weißgesichtssaki sein. Diese Affenart kommt aus Südamerika und die Männchen haben eine imposante weiße Gesichtsbehaarung. Umgezogen sind die Weißbüscheläffchen, deren Anlage im Dannerhaus gerade saniert und neugestaltet wird. Sie residieren nun in der Freiflughalle, wo sie sich frei bewegen können – „und das taugt ihnen sehr“, freut sich der Tiergartenleiter. Die größte Maßnahme ist aber derzeit die Neugestaltung des Luchsgeheges. Ende Juni soll es eingeweiht werden. Die Bauzeit betrug rund zwei Jahre. Laut Peter ist die Anlage natürlich gestaltet, mit Bachlauf, und sehr dreidimensional, so dass die Katzen auch nach oben können.

Zebras kamen in Straubing zur Welt

Die Luchse sind dämmerungsaktiv, schlafen also tagsüber viel, doch Aktionen wie ein Seilzug, mit dem Fleisch in den aufgestellten Baum gezogen wird, soll sie zu sportlicher Betätigung animieren. Der Baum war übrigens vorher der Christbaum auf dem Straubinger Ludwigsplatz, genauso wie der vom Vorjahr, in dem gerade die Braunbären so begeistert abhängen, wird er für die Tiere genutzt.

Hoch hinaus wollen die neuen, jungen Braunbären. Foto: Bäumel-Schachtner
Hoch hinaus wollen die neuen, jungen Braunbären. Foto: Bäumel-Schachtner

Nachwuchs gibt es heuer auch im Tiergarten, so sind zwei kleine Zebras zur Welt gekommen, es gibt junge Ziegen, zwei Rüsselspringer und junge Liszt-Äffchen. „Und: Die Störche brüten“, freut sich Zoopädagogin Michaela Gauderer. Nur kleine Tiger wird es nicht mehr geben. Weil der Genpool des Straubinger Tigerkaters für das internationale Zuchtprogramm nicht wertvoll war, musste der Kater kastriert werden. Sehr zum Leidwesen von Peter, denn der Kater ist sehr artig und konnte ohne Probleme mit Tigerin Suni und Tochter Aziza vergesellschaftet werden. Und: Sein Tigernachwuchs war eine Attraktion. Aber auch so stagnieren die Zahlen nicht: Vergangenes Jahr kamen 324 000 Besucher in den Zoo. „Die durchschnittliche Verweildauer beträgt bis zu drei Stunden, das zeigt uns, dass unser Konzept stimmt“, sagt Peter.

Spaziergänge mit Schimpansen

Der Straubinger Tiergarten entstand 1937/38 im Stadtpark am Rande Straubings. Die erste Sammlung der Familie Aschenbrenner beinhaltete Fasane, Wasservögel, Pfaue, eine Nutriazucht, Füchse und Damwild. Der damalige Straubinger Oberbürgermeister Joseph Reiter war ein großer Tierfreund und trieb den Ausbau des Parks zum Tiergarten voran. Bereits im September 1938 waren drei Affen zu sehen. Freundschaftliche Beziehungen Reiters zu einem Hagenbeck-Mitarbeiter führten dazu, dass ihm der Hamburger Zoo 1940 drei junge Löwen für den Tiergarten Straubing schenkte. Während der Kriegswirren ließ sich der Dompteur Hans Lange mit seinen vier Löwen in Straubing nieder. Oberbürgermeister Reiter gewann ihn als ersten Direktor des Tiergartens, der ihn bis zu seinem Tod im Jahr 1955 leitete.

Das Jubiläumsjahr

  • Veranstaltungen

    Viele Veranstaltungen begleiten das Jubiläum. Kostenlos sind die beiden Musikabende Karneval der Tiere am 20. Juli und das Konzert der Räthousebänd am 21. Juli.

  • Kinder- und Familientag

    Am 22. Juli ist großer Kinder- und Familientag, am 9. September Zootag mit Blick hinter die Kulissen. Am 6. und 7. Oktober wird ein tierischer Hobbykünstler-, Handwerker- und Künstlermarkt veranstaltet.

  • Film

    Am 10. November wird im Kino der Film „Gesprengte Gitter – die Elefanten sind los“ gezeigt.

Nach Langes Tod war der Fortbestand des Tiergartens aus finanziellen Gründen unsicher. Man erwog sogar, die Tiere der Stadt Regensburg zu verkaufen, die damals einen Tierpark plante. Die Krise war aber nach zwei Jahren überwunden. 1957 trat Hans Schäfer die Nachfolge Langes an, ein langjähriger Mitarbeiter Professor Grzimeks im Frankfurter Zoo. Legendär waren seine Spaziergänge und Besuche im „Mooshäusl“ mit dem Schimpansen Jimmy, mit dem er sogar das Café Krönner besuchte. Diplom-Biologe Wolfgang Peter leitet den Betrieb seit 1996. Abenteuerspielplatz, jungsteinzeitliches Bauernhaus, Dannerhaus, Exotarium und diverse neue sowie renovierte Tiergehege sind nur einige der unter seiner Leitung verwirklichten Projekte.

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