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Nostalgie

Der Weihnachtsmann lässt grüßen

Freunden und Verwandten schickt man zu Weihnachten schöne Karten. Ein Thüringer Sammler zeigt die schönsten historischen Motive aus Bayern.

  • Dieses Nikolausmotiv erreicht 1903 die Mitarbeiterin eines Münchner Modeateliers.
  • Agnes Unger freute sich im oberpfälzischen Steinfeld über den Weihnachtsgruß ihrer Cousine Frieda.
  • An das „liebe Gretchen“ in Burg bei Magdeburg ging diese weihnachtliche Postkarte aus Regensburg. Verschickt wurde sie von einem gewissen Anton.
  • Dieser Gruß vom Weihnachtsmann ging nach München. Die Absender wünschten der Familie „ein sehr viel besseres 1932“.Fotos: Reiner Schmalzl

REGENSBURG. Als eine junge Dame namens Marie wohl am Nachmittag des 23. Dezember 1903 im damaligen Wormser Mode-Salon in der Theatinerstraße 31 in München den Weihnachtsgruß ihrer Freundin Rosa in den Händen hielt, dürfte sie gestrahlt haben. Auf dem malerischen Motiv war ein Herr im weißen Rauschebart in seinem roten Mantel mit weißem Saum, einem Rucksack über der linken Schulter und einer Puppe in der rechten Hand zu sehen. Der Gabenbringer schien beim Blick durch das Fenster selbst hoch erfreut gewesen zu sein, über die Familie, die sich um den leuchtenden und geschmückten Christbaum versammelt hatte.

Der Dom in vielen Varianten

Früher war es eine Selbstverständlichkeit, Angehörigen und lieben Freunden Weihnachtsgrüße zu schicken. Der Thüringer Philatelist Reiner Schmalzl hat über 1000 originale Weihnachts- und Neujahrskarten zusammengetragen, die meisten davon 100 Jahre und älter. Darunter sind viele Karten, die von Bayern aus um die Welt gingen oder aus aller Welt nach Bayern kamen. Unter den Motiven finden sich weihnachtliche Ansichten vom Regensburger Dom, mal mit und mal ohne Neupfarrkirche, mal im Schneegewand oder vom Blickwinkel der Donau aus gemalt.

Auch über die Absender lässt sich bei der Durchsicht der Karten so einiges herauslesen. Manche Grüße sind recht formlos gehalten und beinhalten neben dem vorgedruckten Weihnachtsgruß nur die Adresse des Empfängers. Andere Karten erzählen kleine Geschichten. So wie jene Karte, die 1931 von Aachen nach München ging. Den Empfängern wurde ein „sehr viel besseres 1932“ gewünscht. Denn im Land herrschte damals eine hohe Arbeitslosigkeit. Die Karte sollte wohl Mut machen und sicherlich auch den Kindern gefallen, denn sie zeigte einen Weihnachtsmann, der mit einem kleinen Kind telefoniert. Apropos Weihnachtsmänner: Sie waren auch schon vor 100 Jahren ein beliebtes Motiv. Von Coburg aus ging bereits zu Weihnachten 1905 ein Weihnachtsmann-Motiv zu Fräulein Frieda Nagel in Ichtershausen (Thüringen) auf die Reise. Die Postkartensammlerin Christl Hütten aus Beuren im thüringischen Eichsfeld hatte in ihrer Sammlung Motive aus dem 19. Jahrhundert entdeckt, die den Weihnachtsmann mit rot-weißem Mantel zeigten. Die älteste Karte datiert vom 18. Dezember 1897. Damit ist belegt, sagt Schmalzl, dass der rot-weiße Geschenkebringer schon Jahrzehnte vor dem Coca-Cola-Weihnachtsmann in Bayern bekannt war.

Aber auch andere Motive ließen bei den Weihnachtskarten-Empfängern die Herzen höher schlagen. So beispielsweise das von Agnes Unger in Steinfeld/Oberpfalz, als sie von ihrer Cousine Frieda einen Weihnachtsgruß erhielt. Die Karte zeigte eine dörfliche Winteridylle mit ein paar Leuten, die wohl gerade zur Christmette in die schon beleuchtete Kirche gingen. Das zauberhafte Bild stammt aus der Postkarten-Prachtserie der Firma Winkler & Schorn aus Nürnberg.

Ähnlich malerisch war auch der Gruß, der Familie Fischer in Schwürbitz (Landkreis Lichtenfels) zu Weihnachten 1907 aus Hof zuging. Mit „Fröhliche Weihnachten!“ war eine Postkarte mit der Stiftskirche Aschaffenburg versehen, die vor genau 100 Jahren ihren Adressaten in München erreichte. Ein Gruß aus Regensburg mit der Neupfarrkirche und dem Dom im Schnee ging im Jahr 1902 nach Burg bei Magdeburg auf die Reise. Die Karte schrieb ein gewisser Anton an das „liebe Gretchen“.

Heute kommen E-Mails statt Karten

Erwartungsfroh strahlten zwei kleine Mädchen im Winterpelz von einer Weihnachtskarte, die Cornelie Packer in Bayreuth so um 1900 erreichte. Ein Weihnachtsengel war 1904 von München zu einer jungen Dame nach Pößneck (Thüringen) unterwegs. Die Palette weihnachtlicher Illustrationen aus der goldenen Zeit der Postkarte um 1900 ließe sich beliebig fortführen. Zunehmend finden sich die nostalgischen Motive auch heute wieder auf den Karten. Unter der Konkurrenz der elektronischen Medien hat es die gute alte Weihnachtskarte, die einst liebevoll mit unter den Tannenbaum gelegt wurde, allerdings schwer.

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