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Geschichte

Des Kaisers alte Kleider unter der Lupe

Ein Bamberger Forscherteam untersucht seit die ältesten erhaltenen Gewänder europäischer Herrscher. Jetzt gibt es Ergebnisse.
Von Julia Haase, kna

Die Untersuchung des Kunigundenmantels erfordert einen genauen Blick.
Die Untersuchung des Kunigundenmantels erfordert einen genauen Blick. Foto: Pressestelle Erzbistum Bamberg

Bamberg.Für fast tausend Jahre alte Kleider sind die Mäntel von Heinrich und Kunigunde erstaunlich gut in Schuss. Viel mehr sogar: Sie sind die ältesten erhaltenen Gewänder europäischer Herrscher überhaupt. Ein auf mehrere Jahre angelegtes Forschungsprojekt will grundlegende Fragen zur speziellen Kollektion des Bamberger Kaiserpaars klären: Was an den Textilien tatsächlich original ist, ob und zu welchem Anlass sie getragen und wo sie angefertigt wurden.

„Wir nehmen an, dass bewusste und tiefgreifende Veränderungen vorgenommen wurden, um einen Kaiser- und Heiligenkult zu befördern“, sagt die Kunsthistorikerin Tanja Kohwagner-Nikolai. Bereits im 15. Jahrhundert und zuletzt Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die kaiserliche Garderobe aufwändig restauriert. Grund genug, um am Originalzustand der Stickereien zu zweifeln. Die Forscher nutzten die Winterpause des Bamberger Diözesanmuseums, um die dort ausgestellten Stücke wie Sternenmantel, Rationale, Reitermantel, Tunika und Kunigundenmantel unter die Lupe zu nehmen – und zwar wortwörtlich.

Textilproben kommen ins Labor

Ein ganz neuer Forschungsansatz kombiniert unterschiedlichste Methoden. Seit dem Startschuss für das Langzeitprojekt im vergangenen Oktober arbeitet ein interdisziplinäres Team um Leiter Stephan Albrecht vom Lehrstuhl für Kunstgeschichte der Universität Bamberg zusammen. Textilrestauratorin Sibylle Ruß untersucht mit Kunsthistorikerin Kohwagner-Nikolai die Mäntel im Ausstellungsraum unter einem speziellen Mikroskop. Winzigste Textilproben, darunter einzelne Fäden, wertet die Biologin Ursula Drewello anschließend im Labor aus.

„Wir haben an verschiedenen Stellen unter der Stickerei originale Vorzeichnungen gefunden. Dass der Mantel im 15. Jahrhundert so wenig verändert wurde, überrascht uns wirklich.“

Kunsthistorikerin Tanja Kohwagner-Nikolai

Beim Kunigundenmantel hat sich die Forschungsthese einer stärkeren Überarbeitung nicht bestätigt. „Wir haben an verschiedenen Stellen unter der Stickerei originale Vorzeichnungen gefunden. Dass der Mantel im 15. Jahrhundert so wenig verändert wurde, überrascht uns wirklich“, so Kohwagner-Nikolai. An einer Stelle sei sogar zu sehen, welche unterschiedlichen Methoden dabei ausprobiert wurden. Allerdings sei der Mantel „gewachsen“.

Der Grund: Die Stickereien wurden kleinteilig übertragen und dabei Zwischenstücke eingefügt. Würde heute jemand den Mantel tragen wollen, müsste er über 1,90 Meter sein.

Die vermutete Originallänge deutet auf ein liturgisches Gewand hin, das nur im Stehen angezogen wurde. „Dafür spricht auch die Anordnung der Figuren und die unterschiedliche Sticktechnik an Front- und Rückseite“, erklärt die Wissenschaftlerin. Aus der Literatur weiß man, dass drei verschiedene und erfahrene Sticker, möglicherweise sogar eigene Hofsticker, am Mantel gearbeitet haben. Indizien dafür sind die hohe Qualität und die verschiedenen Einflüsse aus anderen Kulturen, wie zum Beispiel aus Italien.

Sonderausstellung geplant

Auch mit Blick auf die weiteren Kaisergewänder: Die Wissenschaftler haben noch viel zu tun. Zeit haben sie bis 2020. „Dann haben wir auch kein Geld mehr“, sagt die Historikerin und lacht. Die Erkenntnisse sollen dann in einer Sonderausstellung im Diözesanmuseum präsentiert werden.

Alle Fragen rund um die alten Klamotten werden auch dann noch nicht beantwortet sein. Aber die Forscher hoffen, dass ihr bei dem Projekt erprobtes „Handwerkszeug“ verlässlichere Ergebnisse als bisher liefert – und neue Diskussionen anregt.

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