MyMz

Frauengeschichten

Dichterin von biblischen Kinderliedern

Magdalena Heymair war im 16. Jahrhundert eine Pionierin auf dem Gebiet der Grundschulpädagogik: Mit Kinderliedern brachte sie Mädchen die Bibel näher.
Von Tanja Rexhepaj, MZ

  • Der Germanist Manfred Knedlik hat sich mit den pädagogischen Schriften von Magdalena Heymair befasst. Foto: Gabi Schönberger
  • Die Lehrerin Magdalena Heymair brachte Bibeltexte in Liedform, um sie im Unterricht anzuwenden. Foto: Gabi Schönberger

Regensburg.Eine Frau aus dem Volk, eine Bürgerliche, die viel herumgekommen ist: Stationen in Straubing, Cham, Regensburg, Niederösterreich und schließlich in der Slowakei sind für das Leben der Schulmeisterin Magdalena Heymair aus dem 16. Jahrhundert verbürgt. Ein wenig scherzend nennt das Manfred Knedlik „Armutsmigration“. Der Germanist aus Neumarkt, der sich seit etwa 15 Jahren speziell mit mittelalterlicher Literatur aus der Oberpfalz und Bayern beschäftigt, zitiert aus einer Vorrede, die die „Heymairin“ 1573 zu einem ihrer Liederbücher verfasste. „Ihr Mann verdiente als Schulmeister zu wenig, deshalb war sie gezwungen, ihn finanziell zu unterstützen“, erläutert Knedlik die Formulierungen in mittelbairischer Sprache.

Dass sie neben dem Unterrichten selbst biblische Liederbücher und christliche Lehrgedichte für die „liebe schul jugent“, insbesondere für die „Jungfrawen Schulen“, schrieb, ist für diese Zeit eine absolute Ausnahmeerscheinung: Magdalena Heymair ist die erste und einzige Frau, deren pädagogische Schriften vor dem 18. Jahrhundert veröffentlicht wurden.

Als gute Poetin gerühmt

Und mit diesen Unterrichtswerken hatte sie enormen Erfolg: In rascher Folge erfuhren ihre Liederbücher bis zu sieben Auflagen, wurden in Regensburg, Straßburg und Augsburg gedruckt. „Im süddeutschen Raum waren ihre Liederbücher sehr beliebt“, sagt Knedlik. Und das bis weit über ihren Tod hinaus – noch im 17. und 18. Jahrhundert wurde Magdalena Heymair in diversen „Frauenzimmerlexika“ als gute Poetin gerühmt. Doch dann verschwand sie aus der öffentlichen Wahrnehmung, in der sie bis heute fast überhaupt keine Rolle spielt. Selbst in speziellen Regensburg- Büchern, wie der jetzt im März bei Pustet erscheinenden „Kleinen Regensburger Literaturgeschichte“ kommt Magdalena Heymair nicht vor. Obwohl sie hier etwa zehn Jahre lang als Schulhalterin tätig war und hier ihre Werke gedruckt wurden.

Umso mehr überrascht war Manfred Knedlik, als er vom Verlag DeGruyter für eine erweiterte Version des Verfasserlexikons, dem Standardwerk für mittelalterliche deutsche Literatur, angefragt wurde, einen Beitrag zu Leben und Werk von Magdalena Heymair beizusteuern. Ob das der große Durchbruch für die „Heymairin“ werden wird? Noch ist das Lexikon nicht erschienen.

Kämpferische Lutheranerin

Biografisch überliefert ist, dass Magdalena Heymair immer wieder in Privathaushalten, vor allem in Adelsfamilien, als Hauslehrerin tätig war. Bei Katharina von Degenberg in Straubing wurde die Katholikin mit reformatorischem Gedankengut konfrontiert: Ihre lutherische Dienstherrin konnte sie von ihrem eigenen Glauben überzeugen, so dass Magdalena Heymair um 1550 „auß dem Bapstumb zu der rechten Kirchen Gottes geführet“ worden war. Als kämpferische Lutheranerin sah sich Magdalena Heymair fortan zeitweise verfolgt beziehungsweise unerwünscht. Aus Straubing musste sie fliehen; eine daraufhin angenommene Stelle in Cham verlor sie später ebenfalls aufgrund ihres lutherischen Glaubens.

Doch in Cham liegt der Ursprung ihrer dichterischen Tätigkeit: Hier beginnt sie nach dem Vorbild des zeitgenössischen Kinderliederdichters Nicolaus Herman, Bibeltexte in Liedform zu bringen, um diese im Unterricht anzuwenden. Damals betrieb sie mit ihrem Ehemann Wilhelm Heymair eine Winkelschule. Diese Art von Schulen war privat und wurde staatlicherseits nicht anerkannt, die Schülerinnen – vor allem unterrichtete Magdalena Heymair Mädchen – mussten Schulgeld zahlen. Aus protestantischen Kreisen fand Magdalena Heymair immer wieder Unterstützerinnen ihrer Arbeit. „Sie hatte Gönnerinnen, die ihr Druckzuschüsse und ähnliches gewährten“, sagt Manfred Knedlik. Nur so konnte Magdalena Heymair ihr Ziel, vor allem Mädchen im Sinne der protestantischen Pädagogik zu schulen, verwirklichen.

Ab 1580 verliert sich die Spur

Nach Cham, wo sie ihre Stelle durch die Konkurrenz eines calvinistischen Lehrers verlor, ging Magdalena Heymair im Frühjahr 1570 nach Regensburg. Von hier aus bewarb sie sich einige Jahre später auf eine Stelle in Amberg, die sie allerdings nicht bekam. Ab 1580 war sie auf den Besitzungen der Witwe Judith Rueber, geborene von Friedensheim, in Niederösterreich und der Slowakei als Erzieherin angestellt. Danach verliert sich ihre Spur. Ein Bildnis von Magdalena Heymair ist nicht überliefert. So wie sie gibt es unzählige Frauen ohne Gesicht und teilweise sogar ohne Namen, die sich eingesetzt haben für ihre Überzeugungen, die unbeirrt ihren Lebensweg gegangen sind, die Großes im Kleinen bewirkt haben. Sie alle haben ihre eigene Geschichte.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht