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Heiligsprechung

Die Glocken läuten für Anna Schäffer

Am Sonntag ernennt Papst Benedikt XVI. in Rom die erste weibliche Heilige im Bistum Regensburg – nach fast 40 Jahren der Prüfung.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

Anna Schäffer war nach einem Arbeitsunfall 25 Jahre lang bettlägerig.

Mindelstetten/Rom. Als Anna Schäffer am 5. Oktober 1925 starb, schrieb der Mindelstetter Pfarrer Carl Rieger ins Kirchenbuch neben ihrem Namen und ihrem Sterbedatum mit Bleistift das Wort „Sancta“ für „Heilige“. Der Geistliche hatte die nach einem schweren Arbeitsunfall bettlägrige Frau jahrelang durch ein körperliches Martyrium begleitet und war schon damals überzeugt, dass sie ein Vorbild für alle Christen sei. Am Sonntag wird nun Papst Benedikt XVI. Anna Schäffer in den Stand der Heiligen erheben. Rund 2000 Pilger allein aus dem Bistum Regensburg reisen nach Rom, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, so Bistumssprecher Jakob Schötz auf MZ-Nachfrage.

Rund 20.000 Gebetserhörungen

Anna Schäffer wird die fünfte Heilige im Bistum sein. Der letzte war bisher Albertus Magnus (Heiligsprechung 1931). Nun hat sie als erste Frau das langwierige Heiligsprechungsverfahren durchlaufen. Außerdem verehren die Gläubigen die Bistumspatrone Wolfgang, Emmeram und Erhard. Fast 40 Jahre prüfte die Kirche, ob Anna Schäffer der weltweiten Kirche zur Verehrung empfohlen werden soll. 1995 wurde ihr der heroische Tugendgrad verliehen, 1999 wurde sie von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen. Bei dieser Seligsprechungsfeier ereignete sich das zweite Wunder, das für eine Heiligsprechung benötigt wurde. Eine Frau, die an der Bauchwassersucht litt, verfolgte die TV-Übertragung und betete zu der Dienstmagd. Später führte die Frau ihre Heilung auf Anna Schäffer zurück. Beim Bistum Regensburg gibt es weitere rund 20.000 Gebetserhörungen, die Anna Schäffer zugeschrieben werden.

Für die Diözese ist die Heiligsprechung ein außergewöhnliches Ereignis. Zur Regensburger Delegation in Rom gehören Diözesanadministrator Wilhelm Gegenfurtner und das ganze Domkapitel. Der Freistaat Bayern wird vertreten durch Europaministerin Emilia Müller und Landtagspräsidentin Barbara Stamm (beide CSU), die Oberpfalz durch Regierungspräsidentin Brigitta Brunner. Auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch aus Freiburg, sowie der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke und Bischof Frantisek Radkovsky aus Pilsen, dem tschechischen Partnerbistum Regensburgs, feiern in Rom mit.

Mit Bussen, Zügen und per Flugzeug werden die Pilger am Freitag und Samstag in der heiligen Stadt eintreffen. Am Samstagabend empfängt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller die Gläubigen zu einem Pontifikalamt in der Kirche St. Paul vor den Mauern. Am Sonntag zelebriert Papst Benedikt die Heilige Messe auf dem Petersplatz. Das Bayerische Fernsehen überträgt die dreistündige Feier live ab 9.15 Uhr. Für die Regensburger Pilger endet die Glaubensfahrt nach Rom am Montag mit einem Dankgottesdienst mit Erzbischof Müller in der Petersbasilika.

Auch in Mindelstetten wird die Heiligsprechung gefeiert, berichtet Schötz. Weihbischof Reinhard Pappenberger wird bereits am Samstagabend bei einer Vorabendmesse den Reliquienschrein auf den Altar übertragen. Am Sonntag wird die Pfarrkirche, in der sich das Grab der Heiligen befindet, bereits ab 7 Uhr geöffnet. Die Heiligsprechungsfeier in Rom wird über Monitore in die Kirche übertragen. Um 15 Uhr wird Weihbischof Pappenberger die Reliquien zur Anbetung ans Grab bringen. Außerdem werden in allen Kirchen des Bistums Grußworte von Diözesanadministrator Dr. Wilhelm Gegenfurtner zu diesem besonderen Tag verlesen. Um 12 Uhr sollen alle Kirchenglocken zu Ehren der neuen Heiligen Anna Schäffer läuten.

Eine Woche später wird ein weiterer Dankgottesdienst von Weihbischof Pappenberger zelebriert – diesmal im Regensburger Dom. Anschließend findet vor dem Domplatz ein Fest der Begegnung statt, bei dem unter anderem Getränke in Gedenktassen mit Symbolen von Anna Schäffer, ausgeschenkt werden, so Schötz.

Sechs weitere Heiligsprechungen

Mit der Dienstmagd aus Mindelstetten werden am Sonntag noch sechs weitere Selige in den Heiligenstand erhoben, darunter auch eine gebürtige Deutsche. Marianna Cope (geb. 1838 als Maria Anna Barbara Koob im hessischen Heppenheim, gestorben 1918 in Hawaii) war eine deutsch-amerikanische Nonne. Maria del Monte Carmelo Sallés y Barangueras (1848-1911) gründete 1892 im spanischen Burgos die Kongregation der Missionarinnen der Unbefleckten Empfängnis Marias für den Unterricht, die sich vor allem um die Ausbildung von Frauen kümmert. Giacomo Berthieu (geb. 1838 in Polimhac, Frankreich, gestorben 1896) war ein Missionar des Jesuitenordens in Madagaskar. Pedro Calungsod (geb. um 1654 auf Visayas, Philippinen, gestorben auf Guam 1672) begleitete als Katechet Jesuiten auf einer Missionsreise, wo er von einem Häuptling der Chamorro auf der Insel getötet wurde, als er gegen dessen Willen seine Tochter taufte. Giovanni Battista Piamarta (1841-1913) war ein italienischer Priester und Gründer der Kongregation der Heiligen Familie von Nazareth. Mit der Kanadierin Caterina Tekakwitha wird auch die erste Indianerin von Papst Benedikt heiliggesprochen.

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