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Naturschutz

Die Jäger der Nacht leben gefährlich

Jährlich sollen etwa eine Viertelmillion Fledermäuse durch Windräder sterben. Die Fledermausnacht will aufklären.
Von Roland Beck, dpa

Mit der „Batnight“ am Wochenende wollen Naturschützer auf die Gefahren hinweisen, denen Fledermäuse ausgesetzt sind.
Mit der „Batnight“ am Wochenende wollen Naturschützer auf die Gefahren hinweisen, denen Fledermäuse ausgesetzt sind. Fotos: dpa

Nürnberg.Jedes Jahr sterben laut einer Studie schätzungsweise mindestens 250 000 Fledermäuse in Deutschland durch Windkraftanlagen. Darauf haben Vogelschützer aus Bayern und der Naturschutzbund (NABU) anlässlich der 20. Auflage des europäischen Fledermaus-Aktionstages „Batnight“ aufmerksam gemacht. Knapp 30 Veranstaltungen sind in den kommenden Tagen allein im Freistaat geplant – von nächtlichen Exkursionen mit Fledermaus-Detektoren über Infostände bis hin zu Bastelaktionen.

In einer Pilotstudie des Leibniz Instituts für Zoo- und Wildtierforschung wurden die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Fledermäuse untersucht. Betroffen von der Problematik ist demnach vor allem der Große Abendsegler. Diese Fledermausart absolviert ihre Flüge bis zu 145 Meter über dem Boden. „Die Rotorblätter der Windkraftanlagen reichen heute bis in ähnliche Höhen“, sagt NABU-Fledermausexperte Sebastian Kolberg.

Mehr Rücksicht auf Artenschutz

„Wir lehnen Windkraft nicht ab, es ist eine sehr saubere Form der Energieerzeugung, aber bei der Standortauswahl muss der Artenschutz noch viel stärker als bisher berücksichtigt werden“, betont Kolberg. So sollte seiner Meinung nach vor dem Bau von Anlagen sichergestellt werden, dass es in der Umgebung keine Fledermaus-Wohnstuben gibt.

Matthias Hammer, Leiter der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern, hält dagegen Untersuchungen nach der Errichtung der Anlagen für sinnvoller: „Es kann nämlich sehr gut sein, dass vor dem Bau einer Windkraftanlage gar keine Fledermaus-Aktivität feststellbar war und danach plötzlich schon.“

Die Berliner Studie bestätigt das: Besonders Weibchen werden offenbar nach der Aufzuchtzeit von Windkraftanlagen angezogen. Begründet wird dieses Phänomen mit der Suche nach neuen Quartieren: Die Tiere verwechseln die Anlagen mit großen abgestorbenen Bäumen.

Die Naturschutzbehörden in Bayern machen deshalb mittlerweile spezielle Untersuchungen nach dem Bau von Windkraftanlagen in der Regel zur Auflage. „Dabei wird zwei Jahre lang auf Gondelhöhe die Fledermaus-Aktivität mittels Ultraschall-Detektor aufgezeichnet“, erläutert Andreas Zahn von der Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern. Anschließend werde die Anlage so programmiert, dass sie sich in Nächten mit schwachem Wind und hoher Wahrscheinlichkeit von Fledermaus-Aktivität abschalte.

Abschalt-Algorithmus als Ausweg

Der Wunsch sei, dass mit diesem sogenannten Abschalt-Algorithmus im Schnitt maximal zwei Fledermäuse pro Jahr und Anlage zu Schaden kommen. Das sei natürlich letztlich sehr hypothetisch, meint Zahn. „Das Verhalten der Fledermäuse kann sich von Jahr zu Jahr ändern, da es sehr von Umwelteinflüssen abhängig ist.“

Mit der „Batnight“ wollen Landesbund für Vogelschutz (LBV) und NABU darauf aufmerksam machen, wie wichtig Fledermäuse für die Umwelt und wie harmlos sie für Menschen sind. „Es rufen bei mir immer noch regelmäßig Leute an, die tatsächlich glauben, Fledermäuse seien Blutsauger“, berichtet Hammer. Tatsächlich gebe es unter den weltweit 1000 Fledermausarten lediglich drei, die sich von Blut ernährten – allerdings von Tierblut. Diese Arten kommen nur in Süd- und Mittelamerika vor.

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