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Daten

Die Oberpfälzer und ihre Eigenheiten

Die Statistik verrät, dass es der Region auffallend gut geht. Der Arbeitsmarkt boomt, die Menschen denken fortschrittlich.
Von Marion Koller

Das alte Rathaus in Regensburg, eines der Machtzentren im Bezirk. Wichtige Weichen werden vom Emmeramsplatz aus gestellt, wo die Regierung der Oberpfalz residiert. Foto: altrofoto.de
Das alte Rathaus in Regensburg, eines der Machtzentren im Bezirk. Wichtige Weichen werden vom Emmeramsplatz aus gestellt, wo die Regierung der Oberpfalz residiert. Foto: altrofoto.de

Regensburg.Die Konjunktur in Ostbayern trübt sich zwar ein, doch viele Branchen florieren nach wie vor. Pessimistisch sind laut Industrie- und Handelskammer Regensburg nur Automobilindustrie und Handel. Mit einer Arbeitslosenquote von nur 3,3 Prozent herrscht in der Oberpfalz fast Vollbeschäftigung.

Die Menschen sind aufgeschlossen. Immerhin haben 21 männliche Liebespaare den Bund fürs Leben geschlossen und über 40 Lesbenpaare. Vor allem deutsche Touristen lieben die Region. Sie kommen im Schnitt für zweieinhalb Tage. Das alles verrät das neue Jahrbuch des Bayerischen Landesamtes für Statistik.

Der Arbeitsmarkt boomt nach wie vor

Zwei junge Industrieelektriker bei einem Autozulieferer Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa
Zwei junge Industrieelektriker bei einem Autozulieferer Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa

Die Arbeitslosenquote in der Oberpfalz für Januar 2019 liegt bei 3,3 Prozent, genauso niedrig wie in ganz Bayern. Von der ausgezeichneten Arbeitsmarktlage profitieren auch Ältere.

„Wir erwarten keine negativen Effekte auf dem Arbeitsmarkt.“

Dr. Jürgen Helmes

So ist der Beschäftigungsanstieg seit 2013 der über 55-jährigen mit 46,4 Prozent bayernweit am höchsten. Besonders stark ist der prozentuale Beschäftigungszuwachs der ausländischen Bevölkerung.

Regensburg verdient mehr als das Umland

Blick auf eine Baustelle: Zwei Drittel der Oberpfälzer Branche beurteilen die Geschäftslage laut IHK Regensburg bestens. Die Umsatzsteigerung beträgt 21 Prozent seit 2017. Foto: Arne Dedert/dpa
Blick auf eine Baustelle: Zwei Drittel der Oberpfälzer Branche beurteilen die Geschäftslage laut IHK Regensburg bestens. Die Umsatzsteigerung beträgt 21 Prozent seit 2017. Foto: Arne Dedert/dpa

Einkommen: Die Beschäftigung im Bezirk ist in den letzten fünf Jahren mit 14,3 Prozent stärker gestiegen als im Bayernschnitt (13 Prozent). 473 328 Oberpfälzer sind sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die Bruttomonatslöhne im Schnitt: Regensburg 3676 Euro (Landkreis 3111 Euro), Neumarkt 3182 Euro, Schwandorf 2965 Euro, Cham 2821 Euro, Kelheim (Niederbayern) 3094 Euro.

Rund um Regensburg boomt das Bauland

Chamer und Schwandorfer Bauplätze sind bezahlbar. rund um Regensburg wird es teuer – und in der Oberpfalzmetropole gibt es fast keine Bauplätze. Foto:Gina Sanders - stock.adobe.com
Chamer und Schwandorfer Bauplätze sind bezahlbar. rund um Regensburg wird es teuer – und in der Oberpfalzmetropole gibt es fast keine Bauplätze. Foto:Gina Sanders - stock.adobe.com

Bauland: 1,4 Millionen Quadratmeter Bauland wechselten in der Region Regensburg den Besitzer. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis lag bei 146 Euro. In der Nord-Oberpfalz wurden 1,2 Millionen Quadratmeter verkauft. 82 Euro verlangten die Besitzer im Schnitt pro Quadratmeter. Ein Blick ins Netz: In Wackersdorf wäre Bauland für 140 Euro/Quadratmeter zu haben, in Sinzing für 370.

Besonders attraktiv für deutsche Gäste

Deutsche Gäste lieben die Oberpfalz und kommen meist für zweieinhalb Tage. Das Bild zeigt Touristen auf der Walhalla bei Donaustauf. Foto: Armin Weigel/dpa
Deutsche Gäste lieben die Oberpfalz und kommen meist für zweieinhalb Tage. Das Bild zeigt Touristen auf der Walhalla bei Donaustauf. Foto: Armin Weigel/dpa

Tourismus: Die Region Regensburg freute sich über 1,8 Millionen Gästeankünfte. Die meisten Urlauber, die es an die Donau und in den Bayerwald zog, waren Deutsche (1,5 Millionen). Sie verweilten im Durchschnitt 2,7 Tage. In die nördliche Oberpfalz reisten 585 000 Urlauber, 510 000 kamen aus dem Inland. Zweieinhalb Tage verbrachten sie im Schnitt hier.

Die Geburtenzahl steigt auf 10 000

Fast 10 000 Babys erblicken im Bezirk pro Jahr das Licht der Welt. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa
Fast 10 000 Babys erblicken im Bezirk pro Jahr das Licht der Welt. Foto: Waltraud Grubitzsch/dpa

Einwohner: In der Oberpfalz leben 1,1 Millionen Menschen, 555 962 Frauen und 552 711 Männer (2007: 1,08 Millionen). Betrachtet man die sieben bayerischen Regierungsbezirke, hat nur Oberfranken weniger Einwohner. 2017 gab es beinahe 10 000 Geburten, darunter 5110 Buben und 4872 Mädchen (2007: 8 598 Geburten). 2017 sind fast 12 000 Menschen gestorben (2007: 10 700).

224 Unternehmen sind pleite gegangen

Eine der Insolvenzen im Jahr 2018: die Senioren-Residenz im Regensburger Schloss Thurn und Taxis gab auf. Foto: Haala
Eine der Insolvenzen im Jahr 2018: die Senioren-Residenz im Regensburger Schloss Thurn und Taxis gab auf. Foto: Haala

Insolvenzen: In der Region Regensburg sind 153 Unternehmen pleite gegangen – im August etwa die Senioren-Residenz Schloss Thurn und Taxis. 883 Arbeitnehmer waren von den Insolvenzen betroffen. Die geltend gemachten Forderungen: 104,1 Millionen Euro. Außerdem gab es 251 Verbraucherinsolvenzen. In der Nord-Oberpfalz waren es 71 Firmenpleiten. 346 Beschäftigte verloren den Job.

21 männliche Liebespaare heiraten

Auch in der konservativen Oberpfalz geben sich immer mehr Männer das Ja-Wort. Foto: Gerard Julien/AFP 
Auch in der konservativen Oberpfalz geben sich immer mehr Männer das Ja-Wort. Foto: Gerard Julien/AFP 

Partnerschaft: In der Oberpfalz wurden nahezu 6000 Ehen zwischen Frau und Mann geschlossen und 2000 Paare geschieden (2011 waren es 5310 Eheschließungen und 2018 Scheidungen). Auch der Bezirk gibt sich bei der Partnerschaft fortschrittlich: Immerhin 64 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften wurden geschlossen, 21 zwischen Männern und sogar 43 zwischen Frauen.

Rein rechnerisch reichen die Kitaplätze

Die Region ist sehr gut mit Kitaplätzen versorgt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa
Die Region ist sehr gut mit Kitaplätzen versorgt. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Kitaplätze: Die Oberpfalz bietet über 43 540 Plätze in Kitas. 41 475 Mädchen und Buben werden betreut. 6331 davon sind unter drei Jahre alt, 26 436 sind zwischen drei und sechs. Bei 9765 Kindern ist mindestens ein Elternteil ausländischer Herkunft. Rein rechnerisch reichen die Kitaplätze. Das heißt aber nicht, dass alle Kinder den Wunschplatz erhalten.

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Handel und Autoindustrie pessimistisch

  • Bevölkerung:

    Eine der größten Herausforderung für die Oberpfalz ist die demografische Entwicklung. Bis in 20 Jahren rechnet die Regierung der Oberpfalz mit einem leichten Rückgang der Bewohner von 0,8 Prozent. Doch während die unter 18-Jährigen (-0,7 Prozent), die 18- bis unter 40-Jährigen (-12,9 Prozent) und die 40- bis unter 65-Jährigen (-11,3 Prozent) immer weniger werden, wächst die Zahl der Senioren: 43 Prozent mehr Menschen mit 65 Jahren und darüber werden in zwei Jahrzehnten im Regierungsbezirk leben.

  • Gewinner:

    Stadt und Kreis Regensburg zählen zu den Gewinnern. Es werden weiterhin junge Leute zuziehen, die Einwohnerzahlen steigen.

  • Ausblick:

    Nach fünf Jahren Dauerhoch verliert die Konjunktur in der Oberpfalz zum Jahresbeginn an Dynamik. „Auch wenn sich die konjunkturelle Stimmung eintrübt, wartet auf die meisten ostbayerischen Unternehmen mit 2019 dennoch ein gutes Geschäftsjahr“, prognostiziert der Hauptgeschäftsführer der IHK Regensburg für Oberpfalz/Kelheim Dr. Jürgen Helmes.

  • Geschäftslage:

    57 Prozent der von der IHK befragten Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage. Der Tourismus ist optimistisch, ebenso der Bau. Den Dienstleistern geht es gut. Pessimistischer sehen Einzelhandel, Automobilindustrie und deren Zulieferer das neue Jahr.

Im Video sehen Sie die demographische Entwicklung.

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