MyMz

Bildung

Die Realschulen fordern mehr Lehrer

300 Delegierte des Landesverbands brlv tagen derzeit in Regensburg. Dabei wird auch ein Nachfolger für den Landesvorsitzenden Anton Huber gewählt.
Von Louisa Knobloch, MZ

Vertreter des Landes- und Bundesvorstands beim Realschullehrertag in Regensburg: Thomas Dachs, Anton Huber, Julia Jacob, Jürgen Böhm und Ulrich Babl (v.l.) Foto: Knobloch

Regensburg.Die Realschulen sieht Anton Huber als „starke Säule“ im differenzierten Schulwesen: Sie seien bei Eltern und Schülern beliebt, modern und zukunftsfähig. Anlässlich des 24. Landesrealschultages, der bis Samstag in Regensburg stattfindet, fordert der Landesvorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands (brlv) aber auch eine bessere Lehrerausstattung.

Mehr als 300 Delegierte aus ganz Bayern beraten bei der alle drei Jahre stattfindenden Veranstaltung über die weitere Entwicklung der Realschule. Am Freitag wird auch Bildungsminister Ludwig Spaenle (CSU) in Regensburg erwartet. An die Politik haben Huber und seine Kollegen klare Forderungen. Für den Ausbau der Ganztagsbetreuung und die Umsetzung der Inklusion bräuchten die Schulen mehr pädagogisches Personal, betont der Landesvorsitzende. „Die sogenannte demografische Rendite, also die durch den Schülerrückgang rechnerisch freiwerdenden Lehrerstellen, reichen nicht aus, um diese Aufgaben zu bewältigen.“ Gerade im Ganztagsbereich legten die Eltern viel Wert auf ein qualitativ hochwertiges, zeitlich flexibles Betreuungsangebot. Im Städten sei die Nachfrage nach Ganztagsbetreuung zudem viel höher als im ländlichen Raum.

Kleinere Klassen sind eine weitere Forderung. Derzeit gibt es Huber zufolge an den bayerischen Realschulen noch über 1000 Klassen mit mehr als 30 Schülern. Langfristiges Ziel sei eine Höchstgrenze von maximal 25 Schülern pro Klasse – um das zu erreichen, würden jedoch knapp 6000 zusätzliche Lehrer gebraucht, rechnet Huber vor. Dem gegenüber steht eine „verheerende Anstellungsquote“: In diesem Jahr hätten nur zehn Prozent der Junglehrer eine Anstellung an staatlichen Realschulen erhalten – also rund 230 von insgesamt 2300 Bewerbern.

Huber warnte auch davor, die gesellschaftliche Bildungsdiskussion nur auf das Gymnasium und die akademische Bildung zu fokussieren. „Nicht jeder muss Abitur oder ein Hochschulstudium haben“, sagte der Landesvorsitzende. Berufliche Bildung müsse als gleichwertig anerkannt werden. Die Realschulen würden den Fachkräftenachwuchs für die bayerische Wirtschaft ausbilden. „Mit Initiativen zur MINT-Förderung wollen wir die Jugendlichen zu den Zukunftsberufen hin orientieren“, so Huber. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik.

An den Realschulen würden auch viele Schüler lernen, die eigentlich die Voraussetzungen für das Gymnasium hätten. „Die Eltern entscheiden sich aber bewusst für die Realschule, weil diese ein lebenspraktisches Bildungsangebot hat und den Schülern nach dem Abschluss alle Optionen offenstehen“, sagt Huber. Rund ein Drittel der Schüler besuche nach dem Abschluss eine Fachoberschule (FOS).

Als „Schule der Aufsteiger“ bezeichnete der Bundesvorsitzende des Verbands Deutscher Realschullehrer, Jürgen Böhm, die Realschule. Bei den heute anstehenden Neuwahlen könnte Böhm zum Nachfolger von Anton Huber gewählt werden, der nach zehn Jahren als Landesvorsitzender nicht mehr antreten wird. Böhm würde in diesem Fall beide Ämter ausüben.

Knapp 236 000 Schüler besuchen derzeit die 368 Realschulen in Bayern. Dort unterrichten rund 15 000 Lehrkräfte. Etwa 80 Prozent der bayerischen Realschullehrer sind Huber zufolge im brlv organisiert.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht