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Montag, 16. Juli 2018 29° 8

Musik

Die Spatzen-Familie feierte

Die Freude der Fans über die Genesung von Norbert Rier war beim Konzert im Regensburger Audimax deutlich zu spüren.
Von Angelika Lukesch

Norbert Rier, der Frontmann der Kastelruther Spatzen, ist zurück auf der Bühne. Foto: Niering
Norbert Rier, der Frontmann der Kastelruther Spatzen, ist zurück auf der Bühne. Foto: Niering

Regensburg.Ganz am Ende des umjubelten Konzertes der Kastelruther Spatzen im mit mehr als 1000 Personen nahezu ausverkauften Regensburger Audimax wurde das formuliert, was einen Großteil des Erfolgs der Sänger und Musiker aus Südtirol ausmacht und wonach sich die Fans so sehnen. „Wir sind alle eine große Familie…“, sangen am Ende des Konzerts jeder Mann und jede Frau im Saal aus vollem Herzen. Das mag vielen Menschen merkwürdig, vorgeschoben oder unecht erscheinen, doch in diesem geschützten Raum des Audimax waren die Fans mit ihren Idolen unter sich und unzweifelhaft lag ein Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Luft. Genau dieses Gefühl zu erzeugen, ist fast mehr noch als die Musik der Kastelruther Spatzen, ein Phänomen, ein Ereignis, das einfach passiert und den Menschen, die daran beteiligt sind, ungeheuer wohl tut.

Raunen der Erleichterung

Die Fans feierten die Spatzen in Regensburg. Foto: Niering
Die Fans feierten die Spatzen in Regensburg. Foto: Niering

Das Konzert der Musiker aus Südtirol trug den Titel „Die Tränen der Dolomiten“ und es war in vielerlei Hinsicht ein bemerkenswertes Konzert. Frontmann und Gesicht der Kastelruther Spatzen, Norbert Rier, versetzte seiner Fangemeinde im vergangenen Jahr einen großen Schock. Wegen massiver Herzprobleme aufgrund einer verschleppten Lungenentzündung musste er sich einer Operation unterziehen. Es hieß in vielen Boulevardblättern „in letzter Minute“, „…sonst hätte Norbert Rier das Weihnachtsfest nicht mehr erlebt“ und „Notoperation“. Inwieweit dies stimmt, ist unklar. So oder so erfreulich und für die Fans eine große Erleichterung ist die Tatsache, dass sich Rier von der Herzoperation erholt hat. Zwar konnte er nicht gleich zum Tourneestart mit dabei sein, da er sich noch in Reha befand. In Altötting stand der Sänger jedoch schon wieder auf der Bühne. Deutlich schmaler zwar, doch guter Dinge und bei Stimme.

Wenige Tage später gastierten die Kastelruther Spatzen im Regensburger Audimax. Ein Raunen der Erleichterung ging durch die Reihen, als die Musiker in voller Besetzung und mit Frontmann Rier am Mikrofon ihre Hymnen auf die Südtiroler Heimat anstimmten. Viel sprach er ja nicht, der Norbert Rier, aber das hatte er vor seiner Herzoperation auch nicht getan. In Regensburg begrüßte er seine Nichte mit der Familie und einige ausgewählte Bekannte, die sich im Publikum befanden.

Die Kastelruther Spatzen

  • Die Kastelruther Spatzen

    wurden 1983 von Karl Schieder gegründet, die inoffizielle Gründung wird auf 1975 datiert. Kastelruth in Südtirol ist der Heimatort der Musiker.

  • Die aktuelle Besetzung:

    Norbert Rier (Gesang), Albin Gross (Keyboard, Akkordeon), Valentin Silbernagl (Saxophon, Klarinette), Walter Mauroner (Trompete Synthesizer), Karl Heufler (Bassgitarre, Bariton), Rüdiger Hemmelmann (Schlagzeug), Kurt Dassler (Gesang, Gitarre).

  • Bereits die erste CD

    „Das Mädchen mit den erloschenen Augen“ (1983) brachte eine Goldene Schallplatte. Nahezu jährlich erschien bisher eine neue CD, die fast alle ein großer Erfolg wurden. Beim Grand Prix der Volksmusik 1990 siegte die Gruppe mit „Tränen passen nicht zu dir“.

  • Große Berühmtheit

    erlangt hat das Kastelruther Spatzenfest. Ein großes Konzert, das seit 1984 alljährlich auf der Seiseralm in Südtirol veranstaltet wird.

Bei den Kastelruther Spatzen stand natürlich die Musik, die mit viel Gefühl von der Liebe zur Heimat, dem Unglück und dem Glück des Lebens und natürlich von der Liebe spricht, im Mittelpunkt eines Konzerts, bei dem jeder Fan wusste, was er hören würde und dessen scheinbar niemals müde wurde. „Südtirol, du bist so schön“, „Die Tränen der Dolomiten“ von der neuen CD, „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, „Der Planet der Lieder“ oder „Spiel mir ein Lied von den Bergen, von der Heimat“ – so oder ähnlich lauteten auch in Regensburg die Titel der Kastelruther-Songs, die sich in ihrer Machart und in ihren Harmonien und Melodien sehr ähnelten, sich jedoch so sehr ins Ohr schmeichelten, dass man sofort mitsingen konnte.

„Die Musik der Kastelruther Spatzen hat so etwas urtümliches, das einfach jeden anspricht. Deshalb sind sicher auch so viele Menschen mit Handicaps hier. Diese Lieder, die die Kastelruther Spatzen singen, erreichen einfach jeden Menschen, sei er nun Akademiker, ein Mensch mit Handicap oder sonst irgendjemand, denn sie sprechen einen auf einer innersten, archaischen Ebene an“, sagte in der Pause eine Dame aus Passau über den Erfolg der Kastelruther.

Unterstützung für Norbert Rier

Beim Konzert im Audimax war neben den sieben Kastelruther Spatzen auch Norbert Riers Sohn Alexander, selbst ein erfolgreicher Sänger, Teil des Ensembles. Er hatte seinen Vater während der Weihnachtstournee würdig vertreten, als jener aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten konnte. Auch wenn den Fans der Kastelruther Spatzen natürlich „ihr“ Norbert Rier gefehlt hatte, so hatte Alexander Rier ihnen einen wirklich fabelhaften Ersatz geboten. Nicht nur die frappierende äußerliche Ähnlichkeit ist hier zu bemerken, sondern auch eine große Ähnlichkeit der Stimme und der Gestik ließ die Zuschauer nahezu vergessen, dass hier Alexander und nicht Norbert Rier auf der Bühne stand.

Auch beim Konzert im Audimax trat Alexander Rier bei dem einen oder anderen Song auf, um seinem Vater hinter den Kulissen die Möglichkeit für eine Pause zu geben. Seine Auftritte fügten sich sehr harmonisch ins Gesamtbild des Konzerts ein. Jeder im Saal verstand diese Maßnahme und befürwortete sie aus tiefsten Herzen, denn die Fans ersehnen nichts mehr als die vollständige Gesundung von Norbert Rier. Und genau zu diesen fürsorglichen Gedanken, zur allgemeinen freudig-wohligen Stimmung im Saal nach einem nahezu dreistündigen Konzert passte das Abschiedslied der Südtiroler, denn in diesem Moment fühlten die Fans es in ihren Herzen: „Wir sind alle eine große Familie“.

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