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Die „Walküre“ im Land des Feuers

Im vierten Jahr ist die Inszenierung von Frank Castorf beim Publikum angekommen. Herausragend: Georg Zeppenfeld.
Von Claudia Böckel, MZ

Catherine Foster kommt als Brünnhilde gut beim Bayreuther Publikum an. Foto: Bayreuther Festspiele/Jörg Schulze
Catherine Foster kommt als Brünnhilde gut beim Bayreuther Publikum an. Foto: Bayreuther Festspiele/Jörg Schulze

Bayreuth.Im vierten Jahr gibt es nun den Castorf-Ring in Bayreuth. Gescholten, mit Häme bedacht, als Trash-Comedy verkannt. Im Laufe der Jahre werden die Buh-Rufe allerdings immer weniger. Gewöhnungsfaktor oder endlich einsetzendes Verständnis? Nach dem Rheingold an der Texaco-Tankstelle versetzt uns Castorf in der Walküre ins „Land des Feuers“, das Land der riesigen Ölseen in Aserbaidschan. Umso heller wird im Schlussbild der „Feuerzauber“ optisch leuchten, der sich auf einem riesigen Ölfass entzündet.

Man kann kaum hinsehen, so höllisch hell ist es da bei den Göttern. Beim Hinhören kommen Erinnerungen hoch an Kyrill Petrenkos Fassung dieser Schlussszene. Wie es funkelte, irisierende Klänge sich ineinanderfügten, und das alles ohne Pathos. Der neue Ring-Dirigent Marek Janowski, vom Publikum gefeiert und im Rheingold durchaus sehr gut gestartet, konnte die Spannung hier nicht halten, verlor sich in Kleinteiligkeiten, ließ Spannungsbögen abbröseln. Er verwendet flotte Tempi, aber das allein ist noch kein Garant dafür, dass auch wirklich Zug dahintersteckt.

Sehen Sie hier eine Bilderstrecke zur Eröffnung der Festspiele.

Eröffnung der Bayreuther Festspiele

Des öfteren gab es in der Walküre Augenblicke, in denen sich Sänger und Orchester voneinander entfernten, wo Sieglinde und Siegmund in ihrem Liebestaumel sich gern mehr Zeit gegönnt hätten, als Janowski ihnen zugestand. Heidi Melton scheint keine gute Besetzung für die Sieglinde zu sein, zu viel Vibrato und Kurzatmigkeit bestimmte ihre Partie. Ihr Partner Christopher Ventris als Siegmund agiert stimmlich geschickter, hatte aber auch mit Wacklern zu kämpfen. Die unsympathischste Figur der Oper, Hunding, der gehörnte Ehemann Sieglindes, kam dagegen stimmlich bestens rüber und könnte sich nach seinem höchst erfolgreichen Gurnemanz im Parsifal zum Bayreuth-Liebling entwickeln: Georg Zeppenfeld. Seine klare Diktion und schlackenlose Gesangstechnik waren die reinste Freude. Er kann ohne Einschränkungen über technische und künstlerische Mittel verfügen.

Buhrufe für die Regie: Die Neuinszenierung für die Bayreuther Festspiele beruht auf einer plumpen Grundidee.

Das Bühnenbild ist eine Kathedrale der frühen Technik, ein Bohrturm mit Maschinenhalle, die ganze Drehbühne besetzend, immer wieder anders aussehend, bespielbar bis in höchste Höhen, auf verschiedenen Ebenen, ein Objekt, das gestürmt werden kann von den Helden mit der roten Fahne und von den Walküren. Auch Hinterzimmer gibt es, in denen Leute zu Tode kommen. Das wird dann gefilmt für die Video-Leinwand von Andreas Deinert und Jens Crull. Die Holzkathedrale hat Aleksandar Denic ersonnen, Rainer Caspar setzt sie ins rechte Licht. Adriana Braga Peretzki sorgt für die höchst wandelbaren Kostüme und Kopfbedeckungen. Wotan, als Greis im grauen Gewand gekennzeichnet (wohl wegen Wagners Vorliebe für den Stabreim), kriegt einen unmäßig langen grauen Bart umgehängt, seine Gattin Fricka erscheint königlich gewandet. Die Walküren tragen verschiedenste Kleiderelemente von der weißen Unterhose mit Mieder bis zu mittelalterlichen Gewändern und mächtig viel Bling Bling.

Sehen Sie hier ein Video von der Eröffnung in Bayreuth.

Bayreuther Festspiele eröffnet

Der zweite Akt mit den langen Zwiegesprächen Wotan – Fricka und Wotan – Brünnhilde ist episodisch aufgebaut, gibt den Sängern viel Raum. Wotan John Lundgren zeigt Durchhaltevermögen und ist jederzeit präsent. Sarah Connolly als Fricka, auch schon im Rheingold besetzt, spielt die Hüterin der Ordnung mit Vehemenz, manchmal ein wenig spitz im Klang. Brünnhilde Cathrine Foster ist seit vier Jahren dabei, hat ihre Rolle aber anders angelegt, als in den letzten Jahren. Sie singt weniger zurückhaltend, weniger an Wagners piano-Dynamik orientiert als daran, wie man sich eine Brünnhilde eben vorstellt. Es könnte sein, dass diese Konzeption dazu geführt hat, dass der Feuerzauber so sehr seine Wirkung verfehlte.

Bei Rheingold zeigt die Leinwand all die Details – auch Dinge, die man eigentlich gar nicht sehen sollte.

Konnte man bei Petrenko ganz fein aufeinander abgestimmte dynamische Entwicklungen und Verhältnisse hören, so geht es jetzt bei Janowski handfester zu. Cathrine Foster hat die stimmliche Power dazu. Zusammen mit ihren Bühnen-Halbschwestern, den Walküren, allesamt bestens disponierte Stimmen, legte sie einen auch schauspielerisch und choreografisch beeindruckenden Auftritt hin. Brünnhilde ist aufmüpfig, ungehorsam, wird verbannt, wandelt sich von der Göttin zum Menschen. Wotans Utopie vom freien Menschen erfüllt sich am ehesten in ihr, dem „kühnen, herrlichen Kind“, der heimlichen Hauptfigur des ganzen Opernzyklus.

Die Bayreuther Festspiele im NewsBlog

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