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Bildung

Die wichtigsten Fragen zum Zentralabi

Die Bundesländer sticheln seit Jahren über „Billig“- und „Elite“-Abschlüsse. Nun kommt Bewegung in die Sache.
von Jörg Ratzsch

Gleiche Aufgaben für alle? Die Rufe nach einem Zentralabitur werden immer lauter. Foto: Jens Wolf/dpa
Gleiche Aufgaben für alle? Die Rufe nach einem Zentralabitur werden immer lauter. Foto: Jens Wolf/dpa

Regensburg. Was war zuletzt passiert?
Wie giftig über das Thema gestritten wird, zeigt eine Episode vor einer Woche: FDP-Chef Christian Lindner spricht sich für das Zentralabitur aus. Prompt schallt es ihm aus Bayern entgegen: Kein Wunder, dass Lindner das fordere, er selbst habe ja NRW-Abi. Für diese Spitze fängt sich CSU-Generalsekretär Markus Blume dann wiederum einen Konter von Nordrhein-Westfalens Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) ein: „Trotz eines bayerischen Abiturs scheint Herr Blume nicht vor Hochmut gefeit zu sein“.

Worum geht es im Kern beim Streit um das Zentralabitur?
Um Vergleichbarkeit und Chancengerechtigkeit, aber auch um Prestige. Die Befürworter sagen: Wenn alle die gleichen Prüfungsaufgaben lösen müssten, wären auch alle Schulen in der Pflicht, ihre Abiturienten auf ein einheitliches Abschlussniveau vorzubereiten. Die Abi-Note wäre dann von Hamburg bis München besser vergleichbar. Ein „gutes“ oder „schlechtes“ Abitur gäbe es nicht mehr und beim Zugang zur Hochschule, so das Argument, wäre Chancengerechtigkeit gewährleistet: Ein Einser-Abi, das die Tür zum Wunschstudienfach öffnet, wäre in Berlin ähnlich schwer zu erreichen wie in München. Bayern befürchtet mit dem Zentralabitur aber eine Entwertung des eigenen Abiturs und eine Angleichung der Anforderungen nach unten.

Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes Foto: Armin Weigel/dpa
Heinz-Peter Meidinger, Bundesvorsitzender des Deutschen Philologenverbandes Foto: Armin Weigel/dpa

Wie könnte so ein Zentralabitur aussehen?
Diskutiert wird unter anderem dieses Szenario: In den Kernfächern Deutsch, Mathe und Fremdsprache könnten deutschlandweit jeweils am selben Tag Prüfungen mit den gleichen Aufgaben stattfinden. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger, hält es für realistisch, dass so etwas in Deutschland zwischen 2025 und 2030 erreicht werden könnte. Völlige Vergleichbarkeit wäre damit aber auch nicht gegeben, denn die Gesamt-Abiturnote hängt ja nicht nur von den Prüfungen ab, sondern zu einem großen Teil auch von den Leistungen im Unterricht vor dem Abitur.

Gibt es nicht heute schon ein paar einheitliche Regeln?
Es gibt zumindest den Versuch. Die Länder haben seit 2017 einen gemeinsamen Aufgabenpool. Der wird mit einheitlichen Abituraufgaben für Mathe, Deutsch, Englisch und Französisch gefüttert. Darum kümmern sich Experten am Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Humboldt-Universität Berlin.

Lehrerpräsident Meidinger hält den Pool aber für gescheitert. Der Grund: Die Länder müssen keine Aufgaben daraus entnehmen und wenn, können sie diese auch verändern. Der Vorsitzende der Kultusministerkonferenz (KMK), Hessens CDU-Bildungsminister Alexander Lorz sagt dagegen, der Aufgabenpool habe sich bewährt und es brauche Zeit, bis er seine Wirkung entfalten könne.

Das sagt die Bundesbildungsministerin

  • Eine Frage der Gerechtigkeit:

    Die Bundesländer müssen nach Ansicht von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für eine bessere Vergleichbarkeit der Bildungsabschlüsse sorgen. „In Deutschland muss es beim Abitur überall vergleichbare Anforderungen geben“, sagte Karliczek der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. „Das ist auch in einem föderalen Staat eine Frage der Gerechtigkeit.“

  • Fahrplan bis Jahresende:

    Die Ministerin forderte, die gemeinsame Aufgabensammlung der Länder für die Kernfächer der Abiturienten zu erweitern. „Insbesondere müssen einheitliche Prüfungsbedingungen einschließlich der zugelassenen Hilfsmittel herrschen“, sagte Karliczek. „Ein Fahrplan sollte bis Ende des Jahres stehen.“ Das Niveau des Abiturs dürfe in diesem Prozess nicht sinken. (dpa)

Wieso kann jedes Bundesland beim Abi machen, was es will?
Weil Bildung in Deutschland laut Grundgesetz in der Hand der Länder liegt und nicht zentral gesteuert werden darf. Um das im Grundgesetz zu ändern, bräuchte es Zweidrittelmehrheiten in Bundestag und Bundesrat – die sind aber nicht in Sicht. Mehr Einheitlichkeit kann ansonsten über sogenannte Staatsverträge zwischen den Bundesländern hergestellt werden. Die Länder versuchen sich zudem bei regelmäßigen Konferenzen ihrer Bildungsminister (KMK) weitestmöglich abzustimmen.

Sind Abiturienten immer schlechter aufs Studium vorbereitet?
Bei solchen Debatten lohnt manchmal eine kleine Zeitreise. 1984 warnte der Präsident der Westdeutschen Rektorenkonferenz (Vorgänger der Hochschulrektorenkonferenz), Theodor Berchem: Die Mehrzahl der Studienanfänger sei nicht mehr studierfähig. 1997 schlug der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Klaus Landfried, Alarm: Viele Abiturienten seien nicht fit genug für die Uni. Im Juni dieses Jahres attestierte der jetzige Präsident der Hochschulrektorenkonferenz, Peter-André Alt, zahlreichen Abiturienten gravierende Mängel bei der Studierfähigkeit. Die Debatte ist also noch älter als die über das Zentralabitur.

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