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Bildung

Die Wortbilder des Franz Plötz

Der Pädagoge aus Bad Kötzting hat ein Rechtschreib-Lehrbuch veröffentlicht. So können Kinder spielerisch lernen.
Von Michael Scheiner

Tania Schnagl probiert mit ihrem Vater Franz Plötz eines der Rechtschreiblieder am Flügel aus. Foto: Scheiner
Tania Schnagl probiert mit ihrem Vater Franz Plötz eines der Rechtschreiblieder am Flügel aus. Foto: Scheiner

Bad Kötzting.Sie lässt Puppen tanzen, er Wörter. Zusammen können sie die Verhältnisse in den ersten Schuljahren zum Tanzen bringen. Ein wenig zumindest. Ihre Mittel dazu sind „Bildwörter“, eine CD und ein innovatives Lernkonzept. „Singend durch das Rechtschreibland“ nennen Franz Plötz und Tania Schnagl ihre Lernhilfe, bestehend aus Rechtschreibliedern und einem Arbeitsheft, die es Kindern spielerisch ermöglicht sich schwierige Wörter zu merken und diese auch noch richtig zu schreiben.

Der Bad Kötztinger Franz Plötz könnte es sich eigentlich bequem machen, Sonne und Leben genießen und im Garten seiner Frau zur Hand gehen. Als Grundschullehrer mit einem Zusatzstudium Sonderpädagogik hat sich der 78-Jährige nach Jahrzehnten aktiven Pädagogentums genügend Meriten für einen ruhigen Lebensabend verdient. Doch den scheint der agile Pensionär zu scheuen. Statt Blumen zu züchten ist er seit seiner Pensionierung vor knapp 14 Jahren als Legasthenielehrer aktiv.

Was frisst der Pa-pa-gei?

Im Kindergarten von Bad Kötzting hat er schon zweimal ein halbes Jahr lang mit den Kindern ein Projekt „Im Buchstabenland“ durchgeführt. In Donaustauf hat er zwei Jahre ehrenamtlich in einer Kombiklasse mitgearbeitet und in Mitterdorf sechs Monate in einer Diagnose- und Förderklasse Deutsch unterrichtet. Daneben hält er immer noch Vorträge zur Unterrichtsmethodik und -didaktik und er hat eine Reihe von Unterrichtsmaterialien veröffentlicht. Viele davon mit Tania Schnagl und Robert Plötz, zwei seiner Kinder, die als Pädagogen in die Fußstapfen des Vaters getreten sind. Ihr jüngstes Gemeinschaftswerk ist das Buch mit Rechtschreibliedern. Darin kombinieren sie erstmals Plötz‘ Konzept der Bildwörter mit lustigen Liedern, die sich Kinder leicht merken und jederzeit nachsingen können.

Eigentlich ist das Ganze sogar ein regelrechtes Multi-Unternehmen, in dessen Entstehung zwei Familien eingebunden sind. Neben den drei Hauptautoren sind noch zwei Enkel von Franz Plötz, Samuel und Jonathan, sowie Tonstudiobetreiber Horst Lustenberger aus Wörth und dessen zwei Töchter beteiligt. Die Kinder Lustenbergers haben die „Rechtschreiblieder“ für die CD gesungen, die dem Buch beigelegt ist. Lustenberger selbst hat neben der mit Feuereifer betriebenen Produktionsarbeit mehrere Instrumente gespielt und Freunde für die Aufnahmen akquiriert.

Katzen und Spatzen kalauern sich durch die Reime

Samuel und Jonathan wiederum, die kreativen Plötz-Enkel, haben am Computer einige animierte Videos erstellt, die als Rechtschreibspots frei zugänglich auf einem eigenen Youtube-Kanal laufen. Sie haben die lustigen Spots mit launigen Versen auch selbst eingesprochen. „Das scharfe ß schnalzt mit der Zunge/ Fleisch am Spieß mag auch der Junge…“ schüttelreimen die beiden Jungs mit pädagogischem Eifer zum Bild eines dickbäuchigen Spießers, der sich am Ende des Wortes „Spieß“ die Zunge nach einem Fleischspieß ableckt.

So sieht ein Bildwort aus. Foto: Scheiner
So sieht ein Bildwort aus. Foto: Scheiner

In gleicher Weise funktionieren auch die „Wortbilder“. Wörter, über die ungeübte Schulkinder ebenso oft stolpern, wie manchmal Erwachsene oder zugewanderte Menschen mit einer anderen Muttersprache, werden mit einer einprägsamen Zeichnung versehen. So wird das „scharfe ß“ im „Spaß“ als Clown dargestellt, aus dem man allerhand lustige Ideen entwickeln kann. Bei Wörtern mit „tz“ übernehmen Katzen und Spatzen die Aufgabe, sich durch Reime zu kalauern.

Tochter Tania, die neben ihrer Arbeit als Lehrerin und Uni-Dozentin an Wochenenden oft als Puppenspielerin unterwegs ist, hat während ihrer Ausbildung am Mozarteum auch gelernt, Musik zu schreiben. Mit ihrer „Swinging Puppets“-Show covert sie Pop- und Rocklegenden von Little Richard bis Tina Turner und Prince. Bei einer gemeinsamen Unterrichtsstunde fragte sie der Vater, ob sie eines der Reimgedichte vertonen könne, die er zu seinen Wortbildern geschrieben habe.

Reime helfen beim Lernen. Foto: Scheiner
Reime helfen beim Lernen. Foto: Scheiner

Die ließ sich nicht lange bitten, schaute sich die Wörter mit „ä“ an und schrieb ihren ersten Song: „Im Kä-fig sitzt mein Pa-pa-gei , frisst Kä-se, Kä-fer, eins, zwei drei.“ Der Gedanke daraus ein Buch zu machen, war da schon dabei, bestätigen Vater und Tochter. Sie hatten schon einige Lernbücher zusammen gemacht, zu denen Tanias Bruder, Robert Plötz, Zeichnungen beigesteuert hat. Dennoch dauerte es noch eine Weile, bis aus der Idee ein konkretes Vorhaben wurde. Nach und nach schrieb Schnagl vom „Katzen-Tatzen-Spatzen-Rap“ bis zu „Alles kalter Kaffee“ über zwanzig Lieder. Mal rockig, als Tango oder im Popgewand aufgenommen, ist jedes Lied einmal mit Text und einmal ohne als Karaoke-Version zum Mitsingen auf der CD enthalten.

Plötzlich war er Lehrer in Chile

Als Lehrer hat Franz Plötz solche Wortbilder schon früh entwickelt und eingesetzt. Leiten ließ er sich dabei von reformpädagogischen Ideen Erasmus von Rotterdams ebenso wie von Johann Bernhard Basedow, der im 18.Jahrhundert Buchstaben gebacken hat, um Kindern auf diese Weise das Rechtschreiben „schmackhaft“ zu machen. Nach sechs Jahren als Volksschullehrer in Neukirchen b. Hl. Blut ist Plötz in den 1960er Jahren eher zufällig nach Chile gekommen und hat sieben Jahre an der Deutschen Schule in Temuco unterrichtet.

Hier gibt es die Bildwörter

  • Verlag:

    Buch und Audio-CD „Singend durch das Rechtschreibland“ von Franz Plötz, Tania Schnagl und Robert Plötz sind im myrtel Verlag Hamburg erschienen. Das Paket kostet 22,90 Euro (ISBN: 978-3-95709-334-9).

  • Informationen:

    Weitere Informationen über Franz Plötz, seine Bildwörter, Arbeitsblätter und Materialen finden Sie unter www.franz-ploetz.de . Weitere Informationen über Tochter Tania Schnagl gibt es unter www.swinging-puppets.de-

Dabei hat er schon gelegentlich Bilder als „Eselsbrücken“ eingesetzt, die es Schülern erleichterten, sich Wörter einzuprägen. Auf das „singende Lernen“ als Methode ist er während seiner Referendariatszeit gestoßen. Sein Seminarleiter berichtete von China, wo Lerninhalte häufig singend vermittelt worden sind. Doch erst nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst kam Plötz während des Kindergarten-Projektes die Idee die beiden Konzepte zu verknüpfen.

Heute werden solche Methoden als Mnemotechnik überall in der Pädagogik eingesetzt. Auch Gedächtniskünstler wenden diese Technik an, um sich abstrakte Inhalte schnell und wirkungsvoll einzuprägen. Dadurch gelingt es leichter Erlerntes im Gehirn zu speichern. Auch aus der Hirnforschung ist schon länger bekannt, dass Inhalte besser behalten werden, wenn sie mit optischen oder akustischen Reizen verknüpft sind und auf diesem Weg gleichzeitig mehrere Gehirnareale als Merkhilfen einbezogen sind.

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