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Kabarett

Diese Frau entsaftet die Angst

Franziska Wanninger zeigt in der MZ-Kulturkanine, wie man Sorgen erfolgreich begegnet: Man macht sie einfach zu Smoothies.
Von Peter Geiger

Franziska Wanninger erkundet die weiten Landschaften der Seele – und dabei ist sie – wie ihr Programm lautet – „Furchtlos glücklich“. Fotos: Alois Braun
Franziska Wanninger erkundet die weiten Landschaften der Seele – und dabei ist sie – wie ihr Programm lautet – „Furchtlos glücklich“. Fotos: Alois Braun

Regensburg.Neulich im MZ-Porträt: Da bewies die echte, die diesseitige Franziska Wanninger, dass sie so ganz und gar nichts zu tun hat, mit diesem hochnervösen, von Unsicherheit und Ängsten geplagten Bühnenwesen, dem sie in ihrem Programm „Furchtlos glücklich“ Körper und Stimme leiht. Cool wie eine Volksfestbrezen beantwortete sie da die Frage nach etwaigen Zukunftsszenarien so: „Wenn als Künstlerin nichts mehr gehen sollte, dann werde ich trotzdem irgendwie durchkommen.“

Man darf solches geflissentlich ad acta legen, und zwar unter der Kategorie „Gerede einer heillos Überbegabten“: Denn wie kommt sie drauf, diese Franziska Wanninger, ein solches Scheitern überhaupt zu erwägen oder in Betracht zu ziehen? – An diesem Abend in der MZ-Kulturkantine, da gab es tatsächlich diese Augenblicke, in denen klar geworden ist, dass das, was sie macht, nicht nur mit einem „passt scho“ quittiert werden kann. Auch nicht mit einem „sauguad“ oder „spitze“ oder was der Südoberpfälzer sonst so an Lobeshymnen parat hält.

Fleischgewordene „Hantigkeit“

Nein: Das, was Franziska Wanninger da vorführt, ist selbst mit dem Begriff „magisch“ noch viel zu milde beschrieben. Weshalb auf religiöses Vokabular wie „Mirakel“ oder „Wunder“ zurückgegriffen werden muss. Denn ihr mimisches Talent befähigt Franziska Wanninger, quasi aus ihrem Körper herauszutreten und die Identität ganz anderer anzunehmen. Das ist zum einen die Oktoberfest-Bedienung Christa. Franziska Wanninger schiebt nur das Kinn in Richtung Hals. Schon verkörpert sie das Fleisch gewordene Synonym von „Hantigkeit“.

Die MZ-Kulturkantine

  • Konzerte:

    Künstler aus Bayern treten live im Verlagsgebäude des Mittelbayerischen Medienhauses auf. Freuen Sie sich auf weitere Auftritte in diesem Jahr. Die nächsten Konzerte sind bereits in Planung.

  • Clubcardbesitzer:

    Die MZ-Kantine ist ein Dankeschön an treue Leser, die im Besitz einer MZ-Clubcard sind. Sie können den Künstlern in den kleinen Rahmen ganz nah kommen.

  • Einladung:

    Jeweils 30 Leser, die in Begleitung einen besonderen Musikabend erleben dürfen, werden eingeladen. Die Karten werden ausschließlich ausgelost.

Noch eindrucksvoller aber ist es, wenn sie jenen ebenso namenlosen wie verzweifelten männlichen Landbewohner mimt, dem die Frau davon gelaufen ist. Obwohl er ihr – und das muss man sich ganz ehrlich und ernsthaft auf der Zunge zergehen lassen – obwohl er ihr einen Entsafter gekauft hatte, für 79 Euro! Nicht nur Bauknecht weiß, was Frauen sich wünschen! Plötzlich aber meint man: Das ist gar nicht mehr die Franziska Wanninger, die da auf der Bühne steht. Die hat sich zwischenzeitlich davongeschlichen. Und ihre langen blonden Engelslocken, die noch immer dieses verbitterte und verzweifelte Gesicht umspielen, sie wirken in diesem gänzlich in maskulinem Selbstmitleid ersaufenden Szenario perückenhaft und wie Staffage. Sie selbst: Wahrhaft entrückt! Und der Zuschauer? – gänzlich entzückt. So, wie der Brandner Kasper ins Paradies schauen darf (und so mit seinem diesseitigen Ende versöhnt wird), gewährt uns Franziska Wanninger mit diesem meisterhaften Porträt einen durchs Derblecken versöhnlichen Blick in den Abgrund einer Wirtshausseele.

Franziska Wanninger begeisterte die Zuschauer in der MZ-Kantine.
Franziska Wanninger begeisterte die Zuschauer in der MZ-Kantine.

Apropos Seele: Die Erkundung dieser weiten Landschaften, das ist in „Furchtlos glücklich“ sowieso zentrales Thema: Als ebenso angstgeplagte wie alleinstehende Franzi pilgert sie deshalb zur Therapeutin Melissa Schneebergen und erhofft sich dabei praxisorientierte Ratschläge, insbesondere, um ihren Dentisten Andy um den Finger wickeln zu können, als wär der ein Packerl Zahnseide. Ob das nun gelingt oder nicht, ist nach der einstündigen Kostprobe, die Franziska Wanninger da als Parforceritt durch ihr Programm den Zuschauern bietet, auch gar nicht so wichtig.

Das Richtige erkennen

Die Kernbotschaft lautet sowieso: Je ernster Du Dich selbst nimmst, um so mehr gibst Du Deinen Ängsten und anderen negativen Kräften die Chance, Dich dorthin zu ziehen, wo Du garantiert nicht sein möchtest. Was gleichzeitig bedeutet: Mach das, was Du für Dich für richtig erkannt hast.

Franziska Wanninger hat an der Universität Regensburg Germanistik und Englisch studiert, um Gymnasiallehrerin zu werden. Sie hat das Staatsexamen absolviert – und steht trotzdem auf der Bühne.

Kultur

Fade Ferien weckten Fantasie

Franziska Wanninger wuchs auf einem einsamen Hof in Simbach auf. Nun erobert sie als Kabarettistin die Bühnen.

Dass ein solcher Weg auch mal dornig sein kann und nicht durchweg von Jubelszenarien aus dem engsten familiären Umfeld begleitet wird, deutet sie mit einer wunderbaren Geschichte an, die sie ganz zum Schluss erzählt. Ihr erster Auftritt, ihre Premiere, habe bevorgestanden. Sie habe mit ihrer Mutter telefoniert. Und offenbar auf ein Quantum Trost gehofft. Als Therapeutikum gegen das grassierende Lampenfieber. Aber was sagte ihre Mutter in bestem Bayerisch? – „Ah geh, de moanan alle Wunder wos!“

Auf Hochdeutsch: Die Tochter solle sich nicht grämen. Denn die Erwartungen des Publikums, die seien doch sowieso alle viel zu hoch gespannt. Was Frau Wanninger sen. in diesem Augenblick nicht ahnte: Die Tochter, die vermag auf der Kabarettbühne noch viel mehr als in einem Klassenzimmer. Sie unterhält aufs Kurzweiligste. Verpasst diesem die notwendige Impfungen und entsaftet so allseits grassierende Ängste. Erledigt dies auf sympathischste Weise im Dialekt. Und weiß, Wunder zu wirken!

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