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Digital Native und Spießer

Der 18-jährige Philipp Riederle berät Unternehmen in Sachen Social Media, produziert Podcasts und hat ein Buch über „Digital Natives“ geschrieben.

Philipp Riederle aus Günzburg hält Vorträge vor Unternehmern. Foto: dpa

Günzburg. Philipp Riederle ist gerade einmal 18 Jahre alt und hat schon ungefähr 150 Vorträge vor bis zu 1000 Menschen gehalten. Meist vor Geschäftsleuten, denen er die sozialen Netzwerke erklärt. Der Abiturient mit den dunkelbraunen Haaren und dem jungenhaften Gesicht hat ein Buch über seine Generation der „digitalen Ureinwohner“ geschrieben, Unternehmen in Internetfragen beraten und haufenweise Podcasts produziert. Ein Nerd, aus dessen Hosentasche heraus die ganze Zeit das Smartphone klingelt, ist er aber nicht. Eigentlich ist er ein Spießer.

Philipp Riederle als „Digital Native“, der die Welt erklärt, das begann mit seinem ersten Smartphone: Im Podcast „Mein iPhone und ich“ zeigte er als 13-Jähriger, wie er sein Smartphone aus den USA, damals auf dem deutschen Markt noch nicht zu haben, hierzulande zum Laufen brachte. Riederle hatte prompt ein großes Publikum. Mit der Zahl der Podcasts wuchs auch das Interesse von Unternehmen an dem jungen Mann aus Burgau in Schwaben. Er hielt erste Vorträge. „Anfangs war es komisch, vor 400 verschiedenen Graustufen, also Anzügen, zu stehen“, erinnert er sich. „Wenn man die Leute dann aber noch mal in Kleingruppen trifft, merkt man, dass es eigentlich auch ganz normale Menschen sind.“

Buch erklärt seine Generation

Was er den „Anzügen“, wie er sagt, in seinen Vorträgen erklärt, hat er in seinem Buch „Wer wir sind und was wir wollen – Ein Digital Native erklärt seine Generation“ zusammengefasst. Dabei gibt er sich ziemlich flapsig, wirkt ein bisschen altklug. In bissigem Tonfall erklärt der 18-Jährige Geschäftsleuten und Eltern die Welt der digitalen Ureinwohner – seiner Generation. So schreibt Riederle zum Beispiel an die Zielgruppe der sogenannten digitalen Einwanderer: „Und ihr wollt mir erzählen, wir seien durch das Netz desozialisiert. Pah.“ Man sei quasi pausenlos miteinander verbunden, tausche sich aus und informiere sich.

„In echt“ macht Riederle nicht den Eindruck, pausenlos vernetzt zu sein. Frech oder altklug ist er auch nicht. Im Gegenteil: Er hält Türen auf, drückt sich äußerst gewählt aus und lässt das Smartphone während des Gesprächs in der Hosentasche. Er weiß wie viele andere Abiturienten noch nicht, was nach der Schule kommt. „Ich will mir jetzt ein Jahr nehmen, um mich in der Welt zu orientieren. Praktika machen, ein bisschen herumkommen“, sagt er. Riederle spricht schnell, rollt das „R“ noch ein bisschen mehr, als es in Bayern üblich ist. Nach dem Jahr will er studieren, vielleicht etwas Technisches, vielleicht auch eine Geisteswissenschaft. Auf jeden Fall ist er froh, dass er die Schule hinter sich hat. „Ich habe mich oft gefragt: Was mache ich hier eigentlich?“ In der Schule sollte jeder nach seinen Interessen lernen – auch mit Computern und Tablets, findet Riederle und gestikuliert.

Riederle genießt die Zeit zu Hause

Zu technisch und digitalisiert soll es in der Welt künftig aber nicht zugehen. Kühlschränke, die Lebensmittel bestellen, eine Toilette, die automatisch einen Gesundheitscheck macht, oder Mähdrescher, die selbst fahren, wären ihm unheimlich. „Da bin ich ein großer Spießer.“ Nicht nur da. Nach einer Reise könne er es oft nicht erwarten wieder nach Hause zu kommen. „Ich freue mich auf die idyllische Einöde, Freunde, das Heimatgefühl.“ Und in diesem Punkt sind sich der Buchschreiber und der „echte“ Philipp Riederle auch einig: Seine Generation wolle nicht Tag und Nacht Kontakten und Facebook ausgeliefert sein. Sie wolle abends nach Hause kommen, ein Haus einen Garten und einen Hund, schreibt Riederle. „Wir wollen Spießer sein.“ (dpa)

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