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Sensationsfund

Dino lässt die Telefone heiß laufen

Die Fachwelt ist begeistert. Ob die Öffentlichkeit den Saurier dauerhaft zu Gesicht bekommt, hängt vom Finder ab.
Von Martina Hutzler

  • In den Paintner Plattenkalken wurde der Dino gefunden.
  • Der Dino soll erstmals bei den Mineralientagen in München zu sehen sein.

Painten/München.Die gestrige Bekanntgabe des Dinosaurier-Fundes von Painten hat Öffentlichkeit und Fachwelt elektrisiert: Beim Veranstalter der Münchner Mineralientage, wo der Raubsaurier aus dem Kalkwerk Rygol demnächst erstmals öffentlich präsentiert wird, „laufen die Telefone heiß“, wie Geschäftsführer Christoph Keilmann im MZ-Gespräch verriet.

Denn in der Tat ist es Keilmann zusammen mit dem Finder bzw. Eigentümer – Profi-Fossiliensammlern, die sich bis zu den Mineralientagen nicht „outen“ wollen – und der Bayerischen Staatssammlung für Paläontologie geglückt, den rund 135 Millionen Jahre alten Fund auch vor der Fachwelt geheim zu halten. Obwohl der jung gestorbene Raubdinosaurier noch nicht wissenschaftlich untersucht und bestimmt ist, ist sein Wert unbestritten: Zu sehen ist er bei den Mineralientagen (28. bis 30. Oktober) hinter Panzerglas; die Versicherungssumme für den 72 Zentimeter großen Theropoden liegt laut Keilmann im siebenstelligen Bereich.

„Der Mann verliert richtig viel Kohle“

Für den Messe-Organisator ist das Relikt ein Highlight der Veranstaltung – das ihm viel Arbeit bescherte: Seit einem Jahr arbeitet Keilmann nach eigenen Worten auf die Präsentation des Dinos hin. Er hatte nach dem Fund auch zwischen dem Eigentümer und der Staatssammlung vermittelt, wo Konservator Oliver Rauhut die wissenschaftliche Bedeutung schnell erkannt hatte. Freilich war auch dem Eigentümer selbst „schon länger bekannt, dass es ein extrem gutes Objekt ist“, berichtet Keilmann. Umso größeren Respekt verdiene dessen Entschluss, den Fund zu melden: „Der Mann verliert ja dadurch richtig viel Kohle“ – weil der Paintner Dino als „Deutsches Kulturgut“ angemeldet wurde, darf er zum Beispiel nicht mehr außer Landes verkauft werden.

Freilich bleibt er weiterhin im Eigentum des Finders – dieser entscheidet, was mit dem Fossil passiert. Nach der Messe beginne die wissenschaftliche Untersuchung, so Keilmann – dazu müssten internationale Experten ’ran. Danach geht wohl das Ringen los, ob der Sensationsfund öffentlich gezeigt wird. Auch wenn das teure Sicherungsmaßnahmen erfordern würde: Eigentlich sei der Staat dazu fast verpflichtet, wenn er solch einen Schatz schon zur Verfügung gestellt bekommt, meint Keilmann. Andererseits würden viele Wissenschaftler das wertvolle Stück wohl lieber hinter verschlossenen Türen wissen.

Kelheim hätte Dino gern im Archäologischen Museum

Laut Kalkwerk-Besitzer Dr. Wolfgang Rygol will der Finder den Dino und weitere Stücke einem Münchner Museum zur Verfügung stellen. Aber auch die Leiterin des Archäologischen Museums Kelheim, Petra Neumann-Eisele, gibt gerne zu: „Selbstverständlich hätten wir Interesse“ – mit Bürgermeister Fritz Mathes hat sie darüber bereits gesprochen. „Das wäre eine große Bereicherung für unsere kleine, aber feine paläontologische Abteilung“, so Neumann-Eisele. Dort sind bislang kleine Fossilien zu sehen, außerdem Abgüsse etwa vom Archäopteryx aus Solnhofen.

Ein Abguss lässt sich vom Paintner Dino nicht erstellen, weiß Christoph Keilmann: Der Fund ist auch deshalb so sensationell, weil Haar- und Hautstücke mit mineralisiert wurden, die sonst fast immer verwesen. Ein Abguss würde diese Strukturen am Original zerstören.

Es gibt aber Alternativen: Per 3D-Scan in Zehntel-Millimeter-Schritten könnte das Fossil digital vermessen werden; aus den Daten lässt sich eine Replik fräsen. Die Kosten dafür liegen laut Keilmann im fünfstelligen Bereich. Auch eine derartige Nachbildung müsste der Finder als Eigentümer genehmigen.(hu)

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