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Kriminalität

Domspatzen: Ratzinger verneint Vorwürfe

Der ehemalige Leiter der Regensburger Domspatzen und Papst-Bruder bestreitet, etwas von Missbrauchsfällen gewusst zu haben.

Papst-Bruder Georg Ratzinger spricht 2013 in Regensburg zu Journalisten. Von Missbrauchsfällen bei Domspatzen „nichts gehört“
Papst-Bruder Georg Ratzinger spricht 2013 in Regensburg zu Journalisten. Von Missbrauchsfällen bei Domspatzen „nichts gehört“

Regensburg.Der ehemalige Leiter der Regensburger Domspatzen, Georg Ratzinger, hat bestritten, von den Missbrauchsfällen im Chor etwas gewusst zu haben. „Von sexuellen Missbräuchen habe ich überhaupt nichts gehört in meiner Zeit. Mir ist nicht bekannt geworden, dass sich damals ein sexueller Missbrauch ereignet hätte“, sagte der 91-Jährige der „Passauer Neuen Presse“.

Rechtsanwalt Ulrich Weber bei der Pressekonferenz vergangene Woche
Rechtsanwalt Ulrich Weber bei der Pressekonferenz vergangene Woche Foto: altrofoto.de

Von 1953 bis 1992 seien mindestens 231 Kinder von Priestern und Lehrern misshandelt worden, hatte der von Bistum und Chor mit der Klärung des Skandals beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber am Freitag gesagt. Zudem seien 50 Kinder in Regensburg auch Opfer sexueller Gewalt geworden. „Die sexuellen Übergriffe reichten von Streicheln bis zu Vergewaltigungen.“ Er gehe davon aus, dass der Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. – von den Vorgängen gewusst hatte. Ratzinger leitete das Ensemble von 1964 bis 1994.

Den Bericht von Opfer-Anwalt Ulrich Weber im Wortlaut lesen Sie hier und einen Kommentar zum Thema hier:

Kommentar

Aufklärung fängt erst an

Der vom Bistum Regensburg und den Regensburger Domspatzen eingesetzte Gutachter hat seine Arbeit gemacht. Rechtsanwalt Ulrich Weber hat bewiesen, dass...

Er hatte bereits in einem früheren Interview betont, nicht einmal gerüchteweise von Missbrauchsfällen gehört zu haben. Er hatte aber auch eingeräumt, bis Ende der 1970er Jahren hin und wieder Ohrfeigen gegeben zu haben. Nun sagte er: „Schläge, das heißt Ohrfeigen, waren nicht nur bei den Domspatzen, sondern in allen Erziehungsbereichen wie auch in den Familien üblich. Bei den Domspatzen hatten sie keine andere Bedeutung als in den genannten Bereichen auch.“

Ein Video zum Thema sehen Sie hier:

Georg Ratzinger müsse von den Vorfällen gewusst haben, heißt es in dem Bericht. Video: TVA

Ausführlich nahm laut PNP der frühere Domkapellmeister zu Aussagen von Rechtsanwalt Ulrich Weber Stellung, der im Auftrag des Bistums Regensburg Licht in den Missbrauchs- und Misshandlungsskandal bei dem berühmten Knabenchor bringen soll. Zu Webers Hinweis, der Stiftungsvorstand der Domspatzen habe 1975 dem Etterzhausener Internatsdirektor Johann Meier signalisiert, dass Prügel und übermäßige Gewalt gegen Schüler nicht mehr gebilligt würden, sagte Ratzinger, er habe weder von dem Vorstoß des Stiftungsvorstands noch von der Zurückweisung der Rüge durch Meier Kenntnis gehabt. Auf Vorhaltungen eines ehemaligen Domspatzen, der wiederholt in den Medien mit den Worten zitiert wurde, Ratzinger sei Anfang der 80er Jahre selbst anwesend gewesen, als Direktor Meier einen Schüler „unter den Tisch geprügelt“ habe, antwortete der frühere Domkapellmeister: „Ich wusste, dass Direktor Meier regelmäßig Ohrfeigen verteilte, aber ich habe niemals beobachtet, und mir wurde auch nie berichtet, dass Direktor Meier einen Buben ,unter den Tisch geprügelt‘ habe. Ich habe auch niemals Spuren von Verletzungen durch Direktor Meier an den Buben beobachtet.“ (mit Material von dpa)

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