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Bayern
Montag, 24. September 2018 15° 3

Knabenchor

Domspatzen singen in der Elbphilharmonie

Auf den berühmten Chor warten große Auftritte: Er reist nach Israel und konzertiert in Hamburg und bei der MZ-Benefizgala.
Von Katharina Kellner

Hier traf Chorgesang auf Jazz: Beim Mittelbayerischen Mitsingkonzert von Domspatzen und Lorenz-Kellhuber-Trio im Audimax Foto: altrofoto.de/Archiv
Hier traf Chorgesang auf Jazz: Beim Mittelbayerischen Mitsingkonzert von Domspatzen und Lorenz-Kellhuber-Trio im Audimax Foto: altrofoto.de/Archiv

Regensburg.Das Jahr 2018 nähert sich der zweiten Hälfte – da wird es bei den Regensburger Domspatzen erst richtig spannend. Über die außergewöhnlichen Gesangsauftritte des berühmten Chores, die bis Jahresende anstehen, informierten Domkapellmeister Roland Büchner, Chormanager Christoph Hartmann und Dieter Baumgartner, der Geschäftsführer von M-tours Live gestern bei einer Pressekonferenz im Wolfgangs-Saal.

Büchner sagte, traditionell sei das erste Halbjahr der Chorarbeit bei den Domspatzen geprägt von der Einstudierung der Gesänge für die Kar- und Osterliturgie im Dom, aber auch von der Vorbereitung für das Mitsingkonzert im Regensburger Audimax und von den Proben für ein großes Chorwerk mit Orchester – in diesem Jahr des „Lobgesang“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zur Eröffnung der Regensburger Tage Alter Musik am Freitag, 18. Mai, um 20 Uhr in der Dreieinigkeitskirche (mit Concerto Köln).

Verreisen mit dem Bischof

Im zweiten Halbjahr geht es für die Domspatzen in die weite Welt. Ein Höhepunkt in der über 1000-jährigen Geschichte des Regensburger Domchores ist dabei die Pilger- und Konzertreise von 5. bis 12. September ins Heilige Land. Büchner sagte: „Das war für mich von meinem ersten Tag hier bei den Domspatzen ein großer Wunsch, dass wir diese Gesänge, die wir immer aufführen, mal an Ort und Stelle singen, wo man den ,Genius loci‘ spürt.“ 85 Schüler besuchen die Wirkungsstätten Jesu – von Nazaret und dem See Gennesaret in Galiläa bis nach Jerusalem und Betlehem in Judäa. Die Domspatzen konzertieren und gestalten unter Büchners Leitung Gottesdienste musikalisch. Bischof Rudolf Voderholzer begleitet den Chor und übernimmt die Schirmherrschaft für diese Reise. Im Mittelpunkt steht der Austausch mit anderen Schülern und Chorsängern – zum Beispiel beim geplanten gemeinsamen Musizieren mit Schülern der Ironi Alef High School in Tel Aviv und dem Jerusalem Youth Chorus in Yad Vashem. Die Domspatzen besuchen auch die Schmidt-Schule, eine Deutsche Auslandsschule für christliche und muslimische Mädchen in Ostjerusalem in Trägerschaft der Maria-Ward-Schwestern und geben ein Konzert in der Dormitio-Abtei auf dem Zionsberg.

In Planung ist auch ein Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Reuven Rivlin. Ihm wollen die Regensburger anlässlich des Jubiläums der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren ihre Aufwartung machen. Bei einem Besuch in Yad Vashem werde der Chor „offen mit seiner Geschichte umgehen“, sagte Hartmann. Die Domspatzen hatten sich während der NS-Zeit unter ihrem Chorleiter Theobald Schrems zu Propagandazwecken des Regimes vereinnahmen lassen und traten mehrfach vor Hitler auf – unter anderem in dessen Residenz auf dem Obersalzberg und bei einem Reichsparteitag in Nürnberg.

Konzerte der Domspatzen 2018

  • Um Domspatzen-Fans

    aus der Region Regensburg anzuregen, dem Knabenchor an die Elbe hinterher zu reisen, haben sich die Domspatzen M-tours Live ins Boot geholt. Der Reiseveranstalter betreut das Leserreisenprogramm der Mittelbayerischen und organisiert Sonderfahrten nach Hamburg inklusive Übernachtung, Stadtführungen und Eintrittskarte zum Domspatzen-Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie. Die Reise (18. bis 21. Oktober) umfasst eine Stadtrundfahrt, das Domspatzen-Konzert im Großen Saal der Elbphilharmonie (19. Oktober, Beginn: 20 Uhr), eine Führung durch das alte und neues Hamburg und eine Flussfahrt auf der Elbe. Interessierte können zwischen Bus, Zug oder Flugzeug und verschiedenen Hotel-Kategorien wählen. Die Buchung ist online bei M-tours möglich: www.m-tours-live.de.

  • Der Erlös der 7. Mittelbayerischen

    Benefizgala mit den Domspatzen am Samstag, 23. Juni, 17 Uhr, in der Donau-Arena fließt in ein Projekt der Johanniter Ostbayern.

  • Im Sommer stehen

    Konzerte des Knabenchors mit geistlicher und weltlicher Literatur an: Am 14. Juli in der Konzertreihe der Dresdner Frauenkirche, am 15. Juli bei den Altmark-Festspielen in Tangermünde.

  • Auch in Bayern

    gibt es Auftritte: Am 15. Juni in Parsberg, am 6. Juli auf Schloss Tandern bei Dachau und am 13. Juli in Cham. (kk)

Vier Wochen nach der Israel-Reise trifft „der älteste Knabenchor der Welt auf das wohl derzeit spektakulärste Konzerthaus der Welt“, heißt es in einer Pressemitteilung der Domspatzen zum Auftritt in der Hamburger Elbphilharmonie. „Es ist wirklich ein Geschenk und eine Fügung, dass der Chor in diesem spektakulären Konzerthaus konzertieren darf“, sagte Hartmann. Zunächst hätten die Domspatzen die Auskunft bekommen, in der „Elphi“ sei auf drei Jahre alles ausgebucht. Dass es dann doch vergleichsweise schnell geklappt hat mit einem Auftrittstermin, verdanke der Chor einem Tipp von Dominik Winterling, dem Geschäftsführer der Stiftung Elbphilharmonie, der ein ehemaliger Domspatz ist. Auf seine Anregung hin schickte Hartmann eine Bewerbung nach Hamburg. A-capella-Musik stehe eher selten im Programm – Winterling sah eine Chance für die Regensburger, falls kurzfristig ein Termin frei würde. Das klappte.

Für das zeitnahe Gastspiel am 19. Oktober musste Hartmann eigene Reisepläne umschichten. Der Chor unternimmt traditionell eine Herbsttournee, die in diesem Jahr von 20. bis 29. Oktober von St. Blasien im Schwarzwald über Mainz, Lamspringe, Emsdetten und Lüdinghausen ins Saarland führt. Nun bildet der Termin in der „Elphi“ den Auftakt der Konzertreise. Hartmann sei „voll in die Kurve gegangen, um zu sehen, wie wir von Hamburg möglichst schnell in den Schwarzwald kommen“, sagte Büchner mit spürbarer Vorfreude auf das Abenteuer. Weil der Domkapellmeister allen seinen Sängern ermöglichen wolle „in diesem tollen Saal zu singen“, reist der Chor mit 85 Schülern an die Elbe. Veranstalter des Konzertes ist der Verein „Freunde des Regensburger Domchores“ der neben dem Domkapitel Träger der Stiftung Regensburger Domspatzen ist.

Zum Programm sagte Büchner, es spiegele die gesamte Bandbreite des Repertoires: „Chormusik auf ganz hohem Niveau – schwierige Sachen, ein bisschen geistliche Musik wie Palestrina, Rheinberger und Mendelssohn.“ Auch moderne zeitgenössische Chormusik, Madrigale von Orlando di Lasso und bekannte Volkslieder seien dabei.

Im Juni bebt die Donauarena

Daneben gebe es auch einen Ausflug in die Popmusik mit Songs von Beatles, Abba und Sting. Den unternehmen die Domspatzen auch bei einem weiteren großen Projekt – der MZ-Benefizgala am Samstag, 23. Juni in der Regensburger Donau-Arena. Unter dem Motto „Die Arena bebt“ stehen die Domspatzen mit dem Philharmonischen Orchester des Stadttheaters, der Big Band Convention Ostbayern und den Sängern Steffi Denk und Markus Engelstädter auf der Bühne. Insgesamt unterhalten rund 160 Musiker und Sänger aus der Region das Publikum.

Für das Event hat ein Komponist eigens für die große Besetzung ein Musikmedley aus James-Bond-Filmen arrangiert. Der Knabenchor trägt außerdem „Lux aurumque“ (Licht und Gold) des zeitgenössischen Komponisten Eric Whitacre a capella vor und präsentiert es in einem Arrangement mit Big Band und DJ.

Die Domspatzen eröffnen die Regensburger Tage Alter Musik am kommenden Wochenende.

Lesen Sie mehr zum Auftritt der Domspatzen in Cham.

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