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NS-Raubkunst

Druck auf Provenienzforscher steigt

Nichtstaatliche Museen in Bayern tun bisher wenig, um nach verdächtigen Werken zu fahnden. Das soll sich jetzt ändern.

  • Christopher Marinello vor „Sitzende Frau“ von Henri Matisse: Das Gemälde wurde als eines von bisher zwei aus der Gurlitt-Sammlung an die Erben zurückgegeben. Foto: Wolf Heider-Sawall/Art Recovery Group/dpa
  • Taskforce-Chefin Ingeborg Berggreen-Merkel muss bald im Landtag Rede und Antwort stehen, warum ihre Einheit so langsam vorankommt. Foto: dpa

MÜNCHEN. Bayerns kommunale und private Museen sollen verstärkt nach NS-Raubkunst in ihren Beständen forschen. Dabei geht es vor allem um 26 Kunstmuseen. Das sagte Astrid Pellengahr, die Chefin der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen, am Mittwoch in München. Viele der nichtstaatlichen Museen haben demnach bisher wenig getan, um aufzuklären, ob sie während oder nach der NS-Zeit Raubkunst erworben haben.

Pellengahr nannte vier Hauptgründe dafür: Neben dem Alltagsgeschäft könne die Provenienzforschung von den Museen nicht geleistet werden. „Oft vermuten die Museen auch keine Raubkunst in ihren Beständen.“ Die „moralisch-ethische Verpflichtung“ zur Provenienzforschung sei oft nicht bekannt. Und in manchen Häusern hapert es laut Bericht ohnehin an der Erfassung der Bestände.

Grüne fordern mehr Mittel

Die Landesstelle will ihrerseits zwei Provenienzforscher in die Museen schicken, die bei der Erfassung helfen. Sofern es einen „Anfangsverdacht“ gibt, dass ein Kunstwerk gestohlen sein könnte, sollen die Museen dem Fall genauer nachgehen.

Die Grünen fordern eine Meldepflicht für solche Verdachtsfälle. „In den meisten Museen ist es weder vom Wissensstand noch personell möglich, der Provenienzforschung so nachzugehen, wie es nötig wäre. Ich glaube, dass wir vonseiten des Freistaats wesentlich mehr Unterstützung bieten müssen“, sagte die Abgeordnete Verena Osgyan.

Auch die SPD plädiert dafür, mehr Geld und Personal für die Forschung zur Verfügung zu stellen: „Es geht darum, erhebliche Mittel zur Verfügung zu stellen“, sagte der frühere Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal. „Der Kunsthandel wusste sehr deutlich, die Spuren des Verbrechens nach 1945 zu vertuschen.“

Task Force arbeitet zu langsam

Abgesehen von Detailfragen sind sich die drei Landtagsfragen in diesem Punkt einig. Ausschusschef Oliver Jörg (CSU) betonte die „historische Verantwortung“ bei der Provenienzforschung.

Ärger gibt es über die von der Staatsregierung ins Leben gerufene Task Force, die in der Sammlung des 2014 gestorbenen Kunsterben Cornelius Gurlitt nach NS-Raubkunst suchen soll. Grund ist das langsame Tempo der Forscher. „Wir sind mit der Arbeit der Task Force extrem unzufrieden“, sagte die Grünen-Abgeordnete Osgyan. Zwei Kunstwerke seien den rechtmäßigen Erben zurückgegeben worden. „Bei über 500 Kunstwerken ist das ungeklärt.“

Die CSU stimmte den Berichtsanträgen der Opposition zu – in einigen Wochen muss nun die Task Force-Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel den Abgeordneten Rede und Antwort stehen. „Man muss wirklich über personelle Konsequenzen nachdenken“, sagte Osgyan. (dpa)

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