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Umwelt

E-Auto sucht Anschluss in der Oberpfalz

Die Köhlers aus Regensburg schätzen ihr Batterie-Mobil, kämpfen aber mit Ladeproblemen und geringer Reichweite.
Von Marion Koller, MZ

  • Trotz vieler Anfangsschwierigkeiten: Hans und Helene Köhler schwören auf ihren Elektro-BMW. Foto: Lex
  • Prof. Michael Sterner Foto: OTH

Regensburg.Seit einem Jahr fahren Hans und Helene Köhler ein Elektro-Auto. Das Regensburger Ehepaar hat zahlreiche Hürden überwunden, viel gelernt und sich oft geärgert in dieser Zeit. Die vom Hersteller angegebene Reichweite stimmt nicht, hat Hans Köhler festgestellt. Statt 330 Kilometer kann das Ehepaar mit einer vollen Batterie höchstens 260 zurücklegen. Ladesäulen in Pfreimd und Regensburg haben nicht funktioniert. Der Wirrwarr mit Ladekarten unterschiedlicher Anbieter, die nicht alle an jeder Stromtankstelle gültig sind, stört Hans Köhler. Trotzdem sagt er: „Wir sind weiterhin überzeugt vom E-Auto.“

Der 58-Jährige, der für die Stromversorgung seines Autos eine Photovoltaikanlage installierte, will das Klima schonen und nimmt Nachteile in Kauf. So geht es offenbar vielen anderen in der Region.

Hoher Zuwachs in der Region

Zwar befürchtet Fachmann Uwe Pfeil von der Regensburger Tech-Base, dass E-Autos das Straßenbild in der Oberpfalz noch lange nicht beherrschen werden, aber er sagt: „Der Trend entwickelt sich sehr positiv.“

Die Zahl der E-Fahrzeuge, die auf deutschen Straßen rollen, hat nach einer Studie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Regensburg zwischen 2015 und Anfang 2017 um 80 Prozent auf mehr als 34 000 zugelegt; in Bayern um 102 Prozent auf 8175 Autos. Noch besser schneidet der IHK-Bezirk Regensburg und Kelheim beim Zuwachs ab: Dort ist die Zahl um 136 Prozent auf 648 Autos geklettert. In seinem Neuzulassungsbarometer meldet das Kraftfahrt-Bundesamt im Januar 2018, dass im Vorjahr bundesweit 25 056 Elektro-Pkw zugelassen wurden, eine Steigerung um 120 Prozent. 29 436 Plug-in-Hybride (Batterie und Verbrennungsmotor) wurden neu angemeldet, das bedeutet ein Plus von 114 Prozent.

Die Kommunen treiben den Bau von Ladestationen voran, weil es noch viel zu wenige gibt. In der Region Regensburg haben der Energieversorger Rewag und die Stadtwerke seit 2015 rund 50 E-Tankstellen mit je zwei Anschlüssen errichtet. Insgesamt können die Autos in der Domstadt an 116 Ladepunkten Strom aufnehmen. „Wir sehen die Elektromobilität als Zukunftsthema“, sagt Stadtwerke-Sprecher Martin Gottschalk. Uwe Pfeil von der Tech-Base erwartet, dass mehr Säulen mit Schnelllademöglichkeit kommen werden. Ein Netzwerk von Regensburger E-Mobilitätsfachleuten und Unternehmen entwickelt eine leistungsfähige Technologie dafür. Derzeit dauert das Stromtanken noch zu lange.

In den kleineren Oberpfälzer Kommunen werden die Ladepunkte langsamer ausgebaut. Schlusslicht ist Weiden mit sieben „Auto-Steckdosen“, der Landkreis Kelheim und die Stadt Amberg verfügen über je 17. Der Kreis Cham hat 33. Die Chamer haben ihre Ladesäulen unter dem Dach des Gemeinschaftsprojekts „E-Wald“ errichtet, das von der Politik gefördert wurde und inzwischen als GmbH läuft.

Trotz vieler Ladestationen in der Domstadt kämpfen die Autofahrer auch hier mit Problemen. Mit den Ladekarten „New Motion“ und „Charge Now“ nutzt Hans Köhler aus Regensburg oft die E-Tankstellen der Rewag. Zum Jahreswechsel hat er sich geärgert, weil das drei Wochen lang nicht möglich war. Ob er seinen Wagen am Dachauplatz, beim Donau-Einkaufszentrum oder am Ernst-Reuterplatz anstöpselte, es hieß stets: „Autorisierung nicht erfolgreich“. Köhler probierte es mehrmals. „So viel verplemperte Zeit!“, stöhnt der kirchliche Umweltberater. Hans Köhler vermutete, der Energieversorger akzeptiere nur noch die Rewag-eigene Ladekarte. Unternehmenssprecher Martin Gottschalk winkt ab. „Der Fehler ist behoben. Es ist wieder jedem Fahrer von E-Autos möglich, an unseren Ladesäulen aufzuladen. Unabhängig davon, ob er Rewag-Kunde ist oder nicht.“ Zum Jahreswechsel seien Software-Updates eingespielt worden. Das führte dazu, dass Karten der Fremdanbieter nicht autorisiert wurden.

Hausbesitzer können selbst laden

Viele Autofahrer betrachten die Stromer wegen der kurzen Reichweite und des dichteren Ladesäulennetzes in der Stadt als City-Auto und ungeeignet für ländliche Gegenden. Doch Prof. Michael Sterner von der Ostbayerischen Technischen Hochschule kontert: „Es ist eher anders herum: Auf dem Land hat es die E-Mobilität leichter, weil jeder Hausbesitzer einen eigenen Ladepunkt installieren kann. In der Stadt, wo man zur Miete wohnt und das Auto an der Straße parkt, ist das deutlich schwieriger.“ Geschäftsführer Otto Loserth von der E-Wald GmbH pflichtet ihm bei. „Ländliche Gebiete sind der ideale Lebensraum fürs E-Auto.“ Viele Menschen könnten den Wagen zu Hause anstecken. Häufig handelt es sich nach Loserths Erfahrung um Ökostrom aus der eigenen Photovoltaikanlage. Auch die Reichweite sei kein Argument. Nur drei Prozent der Pendler aus dem Bayerwald müssten eine Arbeitsstrecke von über 50 Kilometern bewältigen.

Laut Prof. Sterner wird das Reichweitenproblem durch bessere Batterien gelöst. „Ab 2019 gibt es von fast allen Herstellern E-Autos mit bis zu 500 km Reichweite.“ Der Experte für Energiesysteme rät Verbrauchern, sich beim Autokauf zu fragen: Was brauchen wir wirklich? Schließlich seien 80 Prozent der Fahrten Kurzstrecken unter 100 Kilometern.

Otto Loserth von der E-Wald GmbH und Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität, plädieren für ein Batterie-Auto als Zweitwagen. Für die E-Pioniere Helene und Hans Köhler ist der BMWi3 das einzige Auto.

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  • FD
    Frank Dietzel
    18.01.2018 05:49

    Mittlerweile akzeptieren die REWAG-Säulen wieder meine New Motion Ladekarte. Hoffentlich bleibt das so.

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  • FD
    Frank Dietzel
    15.01.2018 22:09

    Gratulation, das E-Auto hat es am Freitag auf dieSeite 2 der MZ geschafft. Der Wermutstropfen dabei: Nach wie vor werden bisher problemlos akzeptierte Ladekarten von Drittanbietern von den Ladesäulen der REWAG nicht akzeptiert. Es liegt die Vermutung nahe, dass hierfür weniger ein Software-Update die Ursache ist - wie im Artikel geschrieben - als vielmehr ein Kräftemessen zwischen REWAG und Kartenanbieter bezüglich des "Roamings". Das ganze wird dann auf dem Rücken der E-Fahrer ausgetragen. Dass der Pressesprecher der REWAG, Herr Gottschalk, einfach behauptet: "Der Fehler ist behoben...." wirft kein gutes Licht auf deren Öffentlichkeitsarbeit. Frank Dietzel, Herrnwahlthann

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