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Vorbild

Edeka-Chef will weniger Essen wegwerfen

Im Kassenbereich zweier Märkte im Landkreis Regensburg stehen Foodsharing-Kisten. Am Vormittag sind sie bereits leer.
Von Susanne Wolf

Raphael Dirnberger ist der Geschäftsführer der Edeka-Märkte in Bernhardswald und Wenzenbach. Foto: Wolf
Raphael Dirnberger ist der Geschäftsführer der Edeka-Märkte in Bernhardswald und Wenzenbach. Foto: Wolf

Bernhardswald.Nicht nur jeder Einzelne kann etwas tun, damit weniger, noch genießbare Lebensmittel weggeworfen werden. Auch die Groß- und Einzelhändler sowie die Industrie müssen handeln. Im Landkreis Regensburg hat der 28-jährige Raphael Dirnberger in seinen Edeka-Märkten in Bernhardswald und Wenzenbach seine Idee, nicht mehr so viele Lebensmittel in den großen Tonnen hinter den beiden Märkten zu entsorgen, vor einem Monat in die Tat umgesetzt: Er hat im Kassenbereich Foodsharing-Kisten aufgestellt, die jeden Morgen beim Sortieren der Ware von seinen Mitarbeitern mit Nahrungsmitteln befüllt werden, die nicht mehr zum Verkauf geeignet sind oder deren Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten ist.

„Sie sind meist schon zwischen 10 und 11 Uhr wieder leer“, erzählt er. „Wir haben die Kisten aufgestellt, um die Lebensmittelverschwendung etwas zu reduzieren.“ Er finde es absurd, welche Fülle an Lebensmitteln heute sprichwörtlich in der Tonne lande. „Es ist alles produziert worden und kostet in der Herstellung eine Menge. Es tut weh, die Sachen wegzuwerfen, obwohl man sie noch essen könnte!“

Die Foodsharing-Kisten sind beliebt

Auf die Idee gebracht, Foodsharing-Kisten aufzustellen, hat den Jungunternehmer „ein Edekaner aus Baden-Württemberg, bei dem ich das gesehen habe“ gebracht. Dieser habe die Kisten aber bereits wieder entfernt. Der Grund: „Viele Leute haben das missbraucht“, weiß Dirnberger. „Bei uns hingegen funktioniert es problemlos. Wir haben den Vorteil, dass die Kisten nach der Kasse aufgestellt sind.“ Die Leute würden erst ganz normal ihre Einkäufe erledigen. „Die, die es brauchen oder verwenden können, nehmen sich dann noch Sachen aus der Foodsharing-Kiste mit“, erklärt er. Den Standort nach der Kasse habe er deswegen gewählt, „weil es sonst wieder Spezialisten gibt, die alles ausräumen und dann ist für niemand anderen mehr etwas da.“

Genau darum geht es ihm: Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können oder dürfen, aber zu schade sind, um sie wegzuwerfen, jemandem zu schenken, der Verwendung dafür hat. An seinen Foodsharing-Boxen kann sich bedienen, wer mag. „Ich habe das Gefühl, dass viele Leute sich Sachen aus den Kisten mitnehmen“, erzählt der 28-Jährige. Grundsätzlich sollten aber vor allem bedürftige Menschen von dem Angebot profitieren.

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Er habe schon die Erfahrung gemacht, dass Leute sich an den Lebensmitteln in den Mülltonnen des Unternehmens bedient haben, die es allem Anschein nach nicht nötig haben: Ab und zu seien Leute in hochwertigen Autos vorgefahren und hätten sich Sachen aus der Tonne geholt. Doch auch Bedürftige hätten die Tonnen durchwühlt. „Wir fanden das unwürdig und haben uns entschlossen, dass wir die Lebensmittel vorne im Verkaufsraum herschenken.“

Die Deutschen sind im Lebensmittelbereich verschwenderisch. Das müsste nicht sein. In Regensburg gibt es einen Fair-Teiler.

Dirnbergers Mülltonnen müssen seltener geleert werden

Schade findet Dirnberger, dass andere Supermärkte und Discounter nicht auch Foodsharing-Kisten aufstellen und „die Sachen lieber wegschmeißen.“ Als Grund vermutet er die Angst vor Umsatzeinbußen. „Vielleicht denken sie, dass die Leute dann weniger einkaufen.“ Obwohl das mit den Kisten ja ein Pokerspiel ist. Denn erst im Kassenbereich sieht man, was – und ob überhaupt etwas – in den Boxen liegt...

Seit Beginn der Aktion müssen zumindest die Mülltonnen hinter Dirnbergers Läden viel seltener geleert werden. Denn jetzt werden die genießbaren Lebensmittel nicht mehr einfach weggeworfen, sondern hergeschenkt.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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