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Musik

Egli sorgt für den „Kick im Augenblick“

Sängerin Beatrice Egli entpuppte sich in Regensburg als Schlagerwirbelwind. 2500 Zuschauer kamen in die Donau-Arena.
Von Angelika Lukesch, MZ

Das letzte Lied beim Konzert in Regensburg beschrieb das Programm von Beatrice Eglis Leben am besten: „Ich liebe die Musik“.
Das letzte Lied beim Konzert in Regensburg beschrieb das Programm von Beatrice Eglis Leben am besten: „Ich liebe die Musik“. Fotos: Jens Niering

Regensburg.Es dauert keine Minute, dann ist klar: Beatrice Egli ist ein extrem gut gelaunter, sehr quirliger Mensch, der alles ist, nur nicht gelassen. Damit widerspricht die Schweizerin all den Vorurteilen, die man dem Alpenvolk entgegenbringt, etwa dass die Menschen für Ruhe, Bedächtigkeit und Zurückhaltung stünden. Es muss Ausnahmen von der Regel geben – und Beatrice Egli ist hier immerhin in der guten Gesellschaft von TV-Moderatorin Michelle Hunziger.

Egli, die 2013 die Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ gewonnen hat, wird am Samstagabend in der Regensburger Donau-Arena schon ungeduldig erwartet. „Die Beatrice Egli, die mag ich, weil sie immer so gut drauf ist. Wenn ich sie höre, dann färbt ihr Schwung auch immer ein bisschen auf mich ab“, sagt Johanna Wiesbeck (26), die mit Freundin Tanja aus dem Landkreis Straubing zum Konzert gekommen ist. „Ich finde vor allem auch gut, dass die Beatrice Egli nicht so wahnsinnig schlank ist wie zum Beispiel die Helene Fischer. Sie steht zu ihren Kurven und das find ich super! Die meisten Frauen haben schließlich auch keine perfekte Figur!“, sagt Begleiterin Tanja.

Das Konzert der 28-jährigen Schlagersängerin ist in ein fiktives Flugerlebnis eingebettet. Beatrice Egli übernimmt den Part der Stewardess und lädt ihr Publikum auf eine Weltreise ein. Egli beginnt ihre Show furios. Mit vier Tänzern und Tänzerinnen des Deutschen Fernsehballetts und ihrer Band steigt sie stimmgewaltig mit ihrem aktuellen Hit „Kick im Augenblick“ in den nahezu dreistündigen Abend ein und wärmt ihr Publikum damit schon einmal auf.

Kleiner Fauxpas: In der Stadt geirrt

Der Beginn der Show hätte nicht besser sein können, wenn Egli bei der Begrüßung nicht ein Lapsus passiert wäre, vor dem sich jeder Star fürchtet: Statt „Regensburg“ sagt sie „Kempten“. Dieser Fauxpas begleitet Egli und das Publikum bis zum Ende der Show. Krampfhaft versucht die Schlagersängerin, den Fehler wiedergutzumachen, indem sie Regensburg bei fast jeder Moderation erwähnt. Sie bittet mehrfach um Vergebung – und die wird ihr natürlich gewährt, spätestens im zweiten Teil der Show, als das Publikum vollends in Partystimmung gerät.

Sehen Sie in unserer Bildergalerie Eindrücke des Abends:

Beatrice Egli in der Donau-Arena

Beatrice Egli punktet mit rhythmischen, eingängigen Liedern. Die Songtexte sind mal kämpferisch – „Jetzt erst recht“ oder „Komm, hör auf mit mir zu spielen“ – und mal romantisch: „ Jetzt und hier für immer“. Der Kunstgriff, erfolgreiche Hits anderer Interpreten ins eigene Programm aufzunehmen und neu zu interpretieren, funktioniert auch bei Beatrice Egli. Klaus Lages „1000 und 1 Nacht“ (1984) kann fast jeder mitsingen, bei „Über den Wolken“ von Reinhard Mey (1974) kennt jeder die Melodie, und spätestens bei Nenas „99 Luftballons“ (1983) stimmt die gesamte Donau-Arena ein.

Zwischen den Songs wendet sich die Schlagersängerin aufgedreht und etwas atemlos an ihr Publikum. Da fehlt es noch an Authentizität und einer gewissen Portion Gelassenheit, um auf diese Weise Kontakt zu den Fans herzustellen. Zwischen von Adrenalin getragener Quirligkeit auf der Bühne und ruhiger Zuhörerschaft vor der Bühne eine Brücke zu schlagen, ist schwierig. Die Liebe zu ihren Fans beweist Egli jedoch, als sie zu ihrem Publikum hinuntersteigt und ihre Zuhörer ohne Berührungsängste umarmt.

Gute-Laune-Hits und ruhige Stücke

Egli bemüht sich in Regensburg nach Kräften, mit ihrer geschulten Stimme und vollem Körpereinsatz ihr Publikum zu unterhalten. Ihre Show-Weltreise gibt ihr die Möglichkeit, stimmlich mit spanischen Rhythmen zu spielen, orientalische Harmonien anklingen zu lassen und in den brasilianischen Samba ihre ganze lebhafte Persönlichkeit einzubringen.

Doch auch wenn Egli hauptsächlich ihre Gute-Laune-Hits und Temperament-Songs intoniert, wird bei einem der ganz wenigen leisen Titel „Nichts als die Wahrheit“ die Bandbreite, über die die Schlagersängerin eigentlich verfügt, am deutlichsten. Zwar stehen Egli die fröhlichen, heiteren und explosiven Lieder sehr gut zu Gesicht und passen auch zu ihrer Körpersprache, doch kommt ihr Talent bei diesem traurigen Lied am besten zur Geltung. Hier scheint sie wirklich bei sich und authentisch zu sein.

So klingt Beatrice Egli:

Ist das Publikum in der ersten Hälfte der Show noch etwas verhalten, so gewinnt die Sängerin im zweiten Teil ihre Fans mit Leib und Seele für sich. Die Stimmungslieder kommen im letzten Viertel Schlag auf Schlag. „Verrückt nach dir“, „Irgendwann“, „Himmelbett“ – die Fans laufen vor die Bühne, tanzen, alle Hände sind oben und ein gewaltiger Publikumschor erhebt sich, wann immer man sich textsicher fühlt. Beatrice Eglis Show endet spektakulär – mit Konfettiregen und einer im Rhythmus zu „Ob du’s glaubst oder nicht“ bebenden Donau-Arena.

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Beatrice Egli

  • Die Sängerin

    wurde am 21. Juni 1988 in Lachen (Kanton Schwyz) in der Schweiz geboren. Sie singt seit ihrem neunten Lebensjahr. Mit 14 Jahren erhielt sie Gesangsunterricht und hatte erste öffentliche Auftritte.

  • Die gelernte Friseurin

    schloss eine Schauspielausbildung in Hamburg ab.

  • Beatrice Egli hatte

    Auftritte im Musikantenstadl (2009) und in Florian Silbereisens „Herbstfest der Volksmusik“(2007).

  • 2013 gewann sie

    bei „Deutschland sucht den Superstar“. Danach folgten mehrere Studioalben und Singles, für die sie Auszeichnungen erhielt.

  • Ihre Tour

    „Kick im Augenblick“ führt sie derzeit durch 31 Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz. (lla)

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