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Ehemalige Domspatzen nehmen Georg Ratzinger in Schutz

„Er hat keinem weh getan“: Ex-Schüler stärken dem Papstbruder nach einem Bericht im Magazin „Der Spiegel“ den Rücken.
Von Frank Betthausen, MZ

Bekommt Rückendeckung: Papstbruder Georg Ratzinger. Foto: altrofoto.de

Regensburg. Seit 23 Jahren kennt Paul Peters (Name geändert) seine Frau. Die beiden haben viel gesprochen in all der Zeit. Ein Thema hat er ihr allerdings immer nur angedeutet – seine Erlebnisse an der einstigen Vorschule der Regensburger Domspatzen in Etterzhausen (Lkr. Regensburg). Darüber konnte und wollte der 41-Jährige nicht wirklich reden. Erst als er von anderen Ex-Schülern las, die berichteten, wie sie unter dem ehemaligen sadistischen Direktor Johann M. und einem gefürchteten Präfekten an seiner Seite litten, erst als er merkte, dass er nicht allein ist mit seinen Erinnerungen, öffnete er sich seiner Partnerin. Und: Er wandte sich, wie es täglich Betroffene tun, an die MZ. Um sich von der Last seiner Gedanken zu befreien.

„Druck, Angst, Kasernierung“ – diese drei Wörter kommen Peters in den Sinn, wenn er an die Jahre 1976 bis 1978 zurückdenkt, die er in der später nach Pielenhofen (Lkr. Regensburg) verlegten Vorschule des berühmten Knabenchors verbrachte. Kopfnüsse, willkürliche Prügeleien und Demütigungen: „Es hat viele kleine Opfer gegeben“, sagt der Regensburger über das Regiment des Ex-Internatsleiters.

Zwei Mitschüler, die nachts regelmäßig ihre Betten eingenässt hätten, berichtet er, hätten ihre Sachen selber auswaschen müssen und seien dabei von M. und seinem Präfekten gehänselt worden. „Immer wieder wurden sie als Hosenscheißer tituliert“, sagt der 41-Jährige. Seinen Eltern vermochte sich der damals Achtjährige nicht anzuvertrauen. Die Domspatzen hätten als Elite gegolten, M. sei eine Respektsperson gewesen, der Einfluss der Kirche groß... „Wer hätte damals einem Kind geglaubt?“, fragt Peters.

Nach seinem Wechsel ans Internat und Musikgymnasium der Domspatzen in Regensburg, wo er 1988 Abitur machte, hatte die Leidenszeit ein Ende. Dabei bricht der frühere Domspatz für einen Mann im Nachhinein eine Lanze: den Ex-Domkapellmeister und Papstbruder Georg Ratzinger, der von 1964 bis 1994 den Chor in der Bezirkshauptstadt leitete. Bei den Proben habe er jähzornig und cholerisch sein können, der „Scheeef“, wie die Schüler Ratzinger nannten. „Aber er hat nie einen Stuhl auf Kinder geworfen. Er hat keinem weh getan“, sagt Peters und widerspricht einem Bericht des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, in dem von solchen Aktionen Ratzingers die Rede war. Der Papstbruder habe allenfalls einmal einen Notenordner in die Reihen der Jungen „gepfeffert“.

Sexuelle Übergriffe, das betont der 41-Jährige, habe er nirgends erlebt – weder in Etterzhausen noch in Regensburg. Ähnliche Eindrücke gibt ein heute 49 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Kelheim wieder. Allerdings spricht der 49-Jährige davon, dass die größeren Schüler zu seiner Zeit Gerüchte über Jahrzehnte zurückliegende Vorfälle gehört hätten. Der Niederbayer erlebte wie Paul Peters an der Vorschule Misshandlungen durch den Etterzhausener Direktor Johann M. – lernte Georg Ratzinger in seiner Regensburger Zeit bis zum Abitur 1980/81 jedoch ebenfalls als „freundlich im Umgang“ kennen – auch wenn der Domkapellmeister vor der Abschaffung der Prügelstrafe im Chor Watschen verteilt habe. „Nur: Ratzinger hat nie einen misshandelt“, sagt er.

Verärgert verfolgt der Regensburger Peter Kreilinger, der von 1986 bis 1995 bei den Domspatzen zur Schule ging, die Berichterstattung mancher Medien, wenn es darum geht, den Papstbruder als Mitwisser sexueller Übergriffe in den 50er Jahren hinzustellen. „Dass man darüber Jahre später nicht gerne geredet hat, leuchtet ein“, sagt er. Gleichzeitig sei aber nicht ersichtlich, welche Bedeutung die Frage haben solle, ob Ratzinger etwas von den Vorfällen vor seiner Zeit gewusst habe. „Hätte er sein Amt wieder abgeben sollen, weil ein ehemaliger Internatsdirektor ein Schwein war?“, fragt er.

Ohrfeigen habe der frühere Domkapellmeister wie viele andere damals für ein notwendiges Erziehungsmittel gehalten. „Ich weiß aber aus vielen persönlichen Gesprächen lange vor der aktuellen Diskussion, dass ihm jede Ohrfeige selbst weh getan hat“, sagt Kreilinger. Körperliche Züchtigung und sexuelle Übergriffe von Erziehern oder Mitschülern habe er nicht erlebt. „Mir hat sich niemand aufgedrängt – von allgegenwärtigen Vorkommnissen kann keine Rede sein.“ Anfang der Woche im „Spiegel“ getroffene Äußerungen dieser Art seien unhaltbar.

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