MyMz

Tierpark

Ein Architekt plant „Geozoo Hellabrunn“

Rasem Baban will als Leiter des Tierparks die Vision vom „Geozoo der Biodiversität“ umsetzen. Tiere sollen Bauherren sein.
Von Ute Wessels, dpa

  • Der Direktor des Tierparks Hellabrunn, Rasem Baban, will seine Vision vom „Geozoo der Biodiversität“ umsetzen. Foto: dpa
  • Im Tierpark Hellabrunn gibt es immer etwas zu Staunen. Foto: dpa

MÜNCHEN.Für Rasem Baban ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Der 48-Jährige leitet seit dem Sommer den Tierpark Hellabrunn und ist begeistert von seinem neuen Arbeitsplatz. Zum 1. August ist Baban angetreten – mit einer Vision vom „Geozoo der Biodiversität“. Diese will er Schritt für Schritt in die Praxis umsetzen.

Der Tierpark Hellabrunn ist für Baban ein ganz besonderer Arbeitsplatz: Die Lage sei sehr exklusiv: an den Isarauen und dennoch zentral. Das unterscheide ihn von anderen Zoos. „Die Besucher finden hier ein ungestörtes Naturerlebnis mit einem herrlichen Altbaumbestand und viel Wasser. 24 Brücken machen Hellabrunn zum Venedig unter den Tierparks.“

München ist seine Wunsch-Stadt

Der gebürtige Mannheimer ist Nachfolger von Andreas Knieriem, der am 1. April nach Berlin wechselte. Zuletzt war Baban Prokurist und somit stellvertretender Direktor des Leipziger Zoos. München, so sagt er, sei schon immer seine Wunsch-Stadt gewesen. Nun ist er mit seiner Frau und seinen drei Kindern nach Bayern gezogen und fühlt sich in der Landeshauptstadt schon heimisch.

Baban hat Architektur studiert und nach eigener Aussage dadurch eine andere Herangehensweise an seine neue Aufgabe als vielleicht ein Biologe oder ein Veterinär. Ein Architekt müsse die Fähigkeit haben, seinen Bauherrn und dessen Bedürfnisse exakt zu verstehen, sagt er. „Meine Bauherren sind quasi die Tiere. Ich bin zwar kein Biologe, weiß aber viel über Tierhaltung. Das habe ich mir angeeignet.“ Eine wichtige Baustelle des Tierparks ist der Neubau der Elefantenanlage. „Ein Meilenstein“, sagt Baban. Fertigstellung ist für 2016 geplant.

Tiere müssen umziehen

Ziel Babans ist es, Hellabrunn zu einem „Geozoo der Biodiversität“ weiterzuentwickeln. Früher seien in Zoos die Tiere nach Gattungen eingeteilt worden. Hellabrunn habe schon in den 1920er Jahren begonnen, die Tiere nach Kontinenten zu ordnen. „Das war eine Sensation für die damalige Zeit.“ Mit den Jahren sei diese Einteilung verwässert worden. Das soll korrigiert und um das Thema Biodiversität erweitert werden. Der Lebensraum lasse sich so besser zeigen. „Wir wollen die biologische Vielfalt und Variabilität darstellen und zeigen, welche Auswirkungen unser Eingreifen in die Natur hat.“

Das bedeute, dass manche Tiere umgesiedelt werden müssen. Für einen „Geozoo“ müssten zum Beispiel die Kontinente Amerika und Europa wieder besser voneinander getrennt werden. „Wenn Braunbärin Olga stirbt, wird das die neue Löwenanlage werden. Momentan sind die Löwen noch in Asien angesiedelt.“ Eventuell werde man sich von der ein oder anderen Tierart trennen. Qualität statt Quantität lautet das Motto. „Wir wollen Tiere nicht wie Briefmarken sammeln.“

Teil des Projektes „Geozoo der Biodiversität“ wird der Mühlenbauernhof, in dem Biodiversität am Beispiel der heimischen Fauna gezeigt werden soll. „Nicht nur der Amazonas oder das Great Barrier Reef sind Biodiversitäts-Hotspots, sondern auch der Alpenraum.“ Die Besucher bekommen hier Handlungsempfehlungen, wie sie einen Beitrag leisten können. Das fängt im Alltag an: Fährt man mit dem Rad oder dem Auto, fliegt man im Urlaub in die Ferne oder bleibt man in der Heimat? Auch Geothermie, Solar-, Wasser- und Windkraft werden erklärt. „Und wir zeigen, wie man einen Gartenteich oder einen Komposthaufen anlegt. Ein Gemischtwarenladen der Möglichkeiten.“

In der Obhut der Menschen

Nicht nur im Bildungsauftrag, sondern auch im Erhalt der Arten sieht Baban die Aufgabe der Zoos. „Viele Zootiere befinden sich in menschlicher Obhut – ich sage bewusst nicht: Gefangenschaft -, weil ihr natürlicher Lebensraum zerstört, eingeschränkt oder unbewohnbar gemacht wurde.“ Zoos nähmen sich ihrer an und bildeten somit einen Genpool. Zwar ist Baban optimistisch, dass viele Zerstörungen in der Natur rückgängig gemacht werden können. Dennoch: „Manche Tiere gibt es nur noch in Zoos, die wären sonst schon ausgestorben. Es gibt keine Alternative zu Tierparks.“

Der Tierpark Hellabrunn

  • Die Öffnungszeiten

    Der Tierpark hat an 365 Tagen im Jahr geöffnet. Vom 3. November 2014 bis 27. März 2015 jeweils von 9–17 Uhr, vom 28. März 2015 bis 24. Oktober 2015 von 9–18 Uhr und am 31. Dezember 2014 von 9–16 Uhr. Die Tierhäuser schließen jeweils eine halbe Stunde vor Ende der Öffnungszeit. Bei den regelmäßig stattfindenden Tiershows zeigen die Tiere ihre faszinierenden Fähigkeiten. Gleichzeitig erzählen die Tierpfleger Wissenswertes über ihre Schützlinge.

  • Die Tierpark-Führungen

    Ein Zoo-Guide führt die Besucher auf Wunsch anderthalb Stunden durch die Hellabrunner Tierwelt. Bei spannenden Geschichten rund um die 19 000 bepelzten, beschuppten und gefiederten Bewohner kann man den Tierpark von einer ganz anderen Seite erleben. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten für Führungen: Als eigene Gruppe kann man einen Guide für sich allein haben. Man kann sich aber auch als Einzelpersonen einer offenen Führung an schließen.

  • Service-Informationen

    Der Münchner Tierpark verfügt über je ein Service-Center an den beiden Eingängen mit einem kompetenten und service-orientierten Mitarbeiterteam. Hier erhält man allgemeine Informationen rund um den Tierpark, zu Gutscheinen und Jahreskarten oder zum Thema „Tierpatenschaften”. Das Hellabrunner Service-Team hilft gerne weiter: sieben Tage in der Woche, 365 Tage im Jahr. Öffnungszeiten Service-Center Bis 27.03.2015: 10–17 Uhr, ab 28.03.2015 von 10–18 Uhr.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht