MyMz

Mission

Ein Bettelmönch mit Herz

Pater Gerhard Lagleder kämpft in Südafrika erfolgreich gegen die Seuche Aids. Um den Menschen zu helfen, sammelt er Spenden aus seiner Heimat.
Von Reinhold Willfurth, MZ

Pater Gerhard Lagleder betreut ein Gebiet mit 250000 Menschen in der Diözese Eshowe im südafrikanischen Zululand.Foto: altrofoto.de

REGENSBURG.Warum sie eigentlich ungeschützten Verkehr gehabt habe, fragte Pater Gerhard. Die junge Frau lieferte eine entwaffnende Antwort: „Damit ich jetzt überlebe. Wenn ich davon Aids bekommen habe, sterbe ich ja erst später“. Pater Gerhard erzählt die Episode, um zu zeigen, dass die Seuche Aids sich in Südafrika weniger wegen des unsteten Lebenswandels der jungen Leute dort verbreitet, sondern die oft tödliche Folge eines verzweifelten Überlebenskampfs ist.

Seit Ende April ist Pater Gerhard in ganz Deutschland unterwegs, „zum Betteln“, wie der Benediktinermönch sagt. Er wirbt um Verständnis für seine Schützlinge in der Pfarrgemeinde Mandini 100 Kilometer nördlich von der Millionenstadt Durban im südafrikanischen Zululand. Und er bittet um Geld bei seinen Besuchen in Kirchengemeinden, in Schulen, Hochschulen und bei Vorträgen. Der Kampf gegen Aids ist zu seiner Lebensaufgabe geworden. Der Priester hat immens viel zu tun, denn Südafrika gehört zu den Ländern auf der Welt, die am stärksten von der Seuche heimgesucht werden.

Priesterweihe vor 30 Jahren

Auf die Menschen in seiner ersten Heimat kann Pater Gerhard bei seinen Besuchen in Deutschland besonders zählen. Der Mönch wurde am 2. Juli vor 57 Jahren als Clemens Lagleder in Regensburg geboren. Sein Vater war Studiendirektor am Gymnasium. „Mein Bruder ist in die Fußstapfen meines Vaters getreten, sogar mit den selben Fächern“, erzählt Lagleder beim Redaktionsbesuch in der Mittelbayerischen Zeitung. Er aber hat eine andere Berufung in sich gespürt. Vor genau 30 Jahren wurde Lagleder im Regensburger Dom zum Priester geweiht.

Heute ist Pater Gerhard Diözesan-Caritasdirektor von Eshowe, dem Zentrum einer dicht besiedelten Region nahe dem Indischen Ozean mit vielen Elendsvierteln. Er ist immer noch Ortspfarrer von Mandini mit rund 250.000 Einwohnern, die wenigsten davon sind katholisch. Er ist Gründer der südafrikanischen Malteser-Bruderschaft: Und er ist sehr erfolgreich im Kampf gegen die Seuche. Obwohl er Tausende, für die eine Behandlung zu spät kam, beim Sterben die Hand hielt. Obwohl in den ersten Monaten dieses Jahres die Zahl seiner Patienten um fünfundzwanzig Prozent angestiegen ist. Denn Pater Gerhard misst seine Arbeit an den vielen Einzelschicksalen, denen er und sein Team die Katastrophe, das Dahinvegetieren und Sterben im Elend, erspart hat.

„Da würde ich explodieren“

Ein Kinderheim, ein Hospiz und ein Krankenhaus hat Lagleder seit 2003 in seiner neuen Heimat aufgebaut. Seitdem haben die Menschen in der Region wieder Hoffnung. Ein Medikament kann die Vermehrung der HI-Viren im Körper aufhalten und Abwehrkräfte aufbauen.

Was der Pater und seine Mitarbeiter auf Visite im Busch zu sehen bekommen, ist nichts für zarte Gemüter. „Die Patienten sind öft völlig verwahrlost. Wunden sind bis auf die Knochen durchgescheuert und voller Maden und Würmer“. In der Klinik erlebten die Frauen und Männer dann einen doppelten Kulturschock: „Sie kommen raus aus einer gewaltbereiten Umgebung, und sie merken, dass sie angenommen werden“. Kranke werden in der Zulu-Kultur gemieden, weil sie als verhext gelten.

in Aberglaube, der Pater Gerhard ebenso wütend macht wie die manchmal noch in konservativen Kreisen anzutreffende Meinung, Aids sei so etwas wie eine Strafe Gottes. „Da würde ich explodieren, wenn ich so was zu hören bekäme“, sagt der Mönch und erinnert an das Wort Jesu, nachdem nicht die Gesunden das Erbarmen Gottes brauchen, sondern die Kranken.

Der größte Wunsch?

Was empfindet der Pater, wenn er erlebt, dass ein Mensch durch die Hilfe seines Teams wieder aufblüht? „Da muss ich erst einmal nachdenken“, antwortet der Mönch in einer Weise, die nahelegt, dass er sich vor lauter Pflichtgefühl über seine Gefühle beim Helfen wenig Gedanken gemacht hat. Natürlich sei er „froh und dankbar, wenn man helfen kann“, antwortet der Geistliche, der seine Mission in der „Leib- und Seelsorge“ für seine Schützlinge sieht. Für den laufenden Betrieb braucht die Bruderschaft des Seligen Gerhard rund eine Million Euro im Jahr. Die Südafrikanische Bischofskonferenz und die USA als Großspender können aber nur einen Teil davon finanzieren.

Ebenfalls sehr dankbar wäre Pater Gerhard, wenn eines Tages sein größter Wunsch in Erfüllung ginge: Die Erfindung eines Medikaments, dass Aids vollständig heilt. Ein paar realistischere Wünsche hat er natürlich auch: ein Bolzplatz für sein Kinderheim, den Anbau für den Kindergarten und den Ersatz für den klapprigen Kleinbus, mit dem der Pater und seine Mitarbeiter in den Busch fahren, um den Menschen zu helfen.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht