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Kirche

Ein Bischof – nah an den Menschen

Stefan Oster war Journalist und fand dann zur Kirche. Nun wird er Passauer Bischof. Seine Weggefährten erinnern sich und erzählen von seiner Karriere.
Von Isolde Stöcker-Gietl, MZ

  • Mit strahlendem Lächeln präsentierte sich der neue Bischof am Freitag der Presse. Foto: dpa
  • Stefan Oster mit seinen Eltern und seiner Schwester.

Regensburg/Passau.Es ist sein strahlendes Lächeln, das Menschen von Stefan Oster in Erinnerung bleibt. Wer dem neuen Bischof von Passau begegnet, der trifft auf einen Menschen voller Lebensfreude, sagt sein Weggefährte Harry Landauer vom Funkhaus Regensburg. Einen Menschen, der die Menschen liebt und ihnen auch sehr nahe ist.

Er selbst hat eine einschneidende Wende durchlebt. Die Suche nach dem Sinn im Leben hat aus dem Journalisten einen Ordensbruder werden lassen. „Wenn man zurückblickt, dann kann man seinen Weg nachvollziehen“, sagt Heinz Oster, der Vater des 48-Jährigen. Er habe bereits als Jugendlicher Dinge hinterfragt und nach Wahrheit, Freiheit und Liebe gesucht. In einem Interview mit der Mittelbayerischen Zeitung hat Oster einmal erklärt: „Gott bietet jeden Tag die Chance, ein neues, sinnvolles Leben zu beginnen“.

Er war die Stimme 0 bei Charivari

Nach einem Zeitungsvolontariat hatte der gebürtige Amberger bei Radio Charivari seine berufliche Karriere begonnen. „Er war die Stimme 0, die erste Stimme, die am 9. Mai 1987 auf Sendung ging“, erinnert sich MZ-Geschäftsführer Martin Wunnike, der mit Stefan Oster bei dem Lokalsender zusammengearbeitet hat. Gemeinsam mit Tilmann Schöberl (heute Bayern 1) moderierte Oster die Morningshow. Und die allererste Sendung begann um 5 Uhr morgens mit gefühlten 20 Sekunden Verspätung, erzählt Schöberl im MZ-Gespräch. „Weil wir unsicher waren, wann die Musik endet und wir mit dem reden anfangen.“ Die zwei waren wie Jauch und Gottschalk, sagt Wunnike. Und auch nach den Sendungen stets zu Späßen aufgelegt. Dem pflichtet Schöberl bei: „Es war eine schöne Zeit, wir haben uns über die Arbeit kennen- und dabei auch privat schätzen gelernt.“

Die Karriere von Oster schien vorgezeichnet. Mit 22 Jahren war er stellvertretender Programmleiter und Nachrichtenchef. „Er war ein sehr guter Moderator und ein sorgfältiger Journalist“, sagt der heutige Programmleiter Landauer. Wunnike ergänzt, dass Oster aufgrund seiner Kompetenz und seiner Menschlichkeit ein hoch geschätzter Kollege war. Schon damals habe er etwas ganz Besonderes ausgestrahlt. Oster spürte bereits, dass der Journalismus sein Beruf, aber nicht seine Berufung war. Als ihn der neugegründete Radiosender Antenne Bayern fragte, ob er dort zu den ersten Stimmen „on air“ gehören wolle, schlug er das Angebot aus. Stattdessen begann er mit dem Studium der Philosophie, Geschichte und Religionswissenschaften. „Er war auf der Suche“, das merkte sein Freundeskreis bei „Charivari“.

Oster wuchs mit „Sonntagschristen“ auf

Dabei war Oster nicht in einer besonders religiösen Familie aufgewachsen. „Wir waren Sonntagschristen“, sagt sein Vater, der nach Jahren bei der Bundeswehr als Pressesprecher der Regensburger Vielberth-Gruppe arbeitete. Er führt den Werdegang seines Sohnes vielmehr auf die liebevolle Erziehung und den Rückhalt in der Familie zurück. „Meine Frau gab den Kindern sehr viel Nestwärme.“ Sohn Stefan machte in seiner Kindheit viel Sport. Auch Zirkustalente entwickelte er, die er noch während seiner Zeit als Salesianerpater pflegte. „Er kann mit Bällen jonglieren und dabei Geschichten erzählen, sagt Wunnike. Nach der Erstkommunion wurde Stefan Oster Ministrant der Amberger Dreifaltigkeitskirche. „Das hat ihn sicherlich geprägt“, sagt sein Vater. Denn es ist dieser Kinderglaube aus Ministrantentagen, der bei Stefan Oster während seines Studiums in Oxford wieder aufflammt. „Er suchte zunehmend Antworten auf existenzielle Fragen im Leben. In dem Regensburger Philosophen Ferdinand Ulrich fand er dann seinen Lehrer“, erzählt Heinz Oster.

Eltern rechneten mit einer Hochzeit

Dennoch ahnte die Familie damals nicht, dass es Stefan Oster zum kirchlichen Leben hinzog. Denn der 30-Jährige war seit sieben Jahre mit seiner Lebensgefährtin zusammen. Die beiden galten als Traumpaar. Die Eltern rechneten mit einer baldigen Hochzeit und Enkelkindern. Maria Oster war geschockt, als ihr ihr Sohn 1995 eröffnete, dass er sich für ein Leben im Zölibat entschieden habe und dem Salesianer-Orden beitreten werde. „Sie hat ein Jahr gebraucht, um seine Entscheidung verstehen und akzeptieren zu können“, sagt Heinz Oster. Ein schwerer Schlag war es auch für die Freundin, denn die gemeinsamen Zukunftspläne platzten. „Ja, es war tränenreich“, resümiert der Vater des neuen Bischofs. Doch Stefan Oster ließ sich nicht auf seinem Weg beirren. „Das war für ihn die Konsequenz, der Preis, den er zahlen musste, um diese Beziehung mit der katholischen Kirche eingehen zu können“, sagt Landauer. In seiner Doktorarbeit mit dem Titel „Mit-Mensch-sein“ dankte Stefan Oster Jahre später seinen Eltern und seiner früheren Lebensgefährtin für ihre Unterstützung auf diesem Weg. 1999 legte Stefan Oster sein ewiges Gelübde ab. Er sei an diesem Tag symbolhaft gestorben und wiederauferstanden, schrieb er in einem Brief an seine Mutter.

„Er wird ein toller Bischof“

Nun wird Stefan Oster, der als Salesianer den Armutsgedanken lebt, den Bischofsstuhl des Heiligen Stephan in Passau übernehmen. Der jugendlich wirkende Pater verkörpert den neuen Geist, den der jesuitische Papst Franziskus der Kirche verordnet hat. „Es erfüllt meine Frau und mich mit tiefer Dankbarkeit“, sagt Heinz Oster und man sieht ihm an, wie sehr ihn die Nachricht berührt hat. „Auf Stefan kommen große Aufgaben zu, aber wir sind sicher, dass er sie gut meistern wird.“ MZ-Geschäftsführer Wunnike beglückwünscht die Passauer zu ihrem neuen Kirchenoberhaupt. „Er steht mit beiden Beinen im Leben. Die Passauer dürfen sich auf einen menschennahen Bischof freuen.“ Das sieht auch Tilmann Schöberl so, für den Stefan Oster vor zehn Jahren die Hochzeitsmesse gehalten hat. „Er ist wahnsinnig offen. Man kann wirklich mit jedem Anliegen zu ihm kommen, er wird ein toller Bischof sein.“ Und Funkhaus-Programmchef Landauer wünscht Oster in seinem neuen Amt vor allem eins: „Dass er auch mit dieser Aufgabe sein strahlendes Lachen nicht verliert.“

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