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Institution

Ein Domspatz wird neuer Domkapellmeister

Christian Heiß wird im September die Nachfolge von Roland Büchner antreten. Bisher war er Domkapellmeister in Eichstätt.
von Isolde Stöcker-Gietl

Christian Heiß wird neuer Domkapellmeister in Regensburg. Foto: Klenk
Christian Heiß wird neuer Domkapellmeister in Regensburg. Foto: Klenk

Regensburg.Wenige Stunden nach dem vom Publikum hochgelobten Mitsingkonzert der Regensburger Domspatzen im Audimax hat am Montag das Bistum den Nachfolger von Domkapellmeister Roland Büchner bekanntgegeben. Ein ehemaliger Domspatz wird künftig die Leitung des international renommierten Regensburger Knabenchores übernehmen. Christian Heiß, 51 Jahre alt und geboren im mittelfränkischen Greding, besuchte das Domspatzengymnasium und durchlief dort seine erste musikalische Ausbildung bevor er bei Professor Franz Lehrndorfer an der Musikhochschule München Kirchenmusik und Orgel studierte. . Derzeit ist er Domkapellmeister in Eichstätt und dort auch Diözesanmusikdirektor. „Er gehörte zu den acht ausgewählten Top-Kandidaten und beeindruckte beim Vordirigieren das Expertengremium und die Sänger gleichermaßen“, sagt Domprobst Dr. Franz Frühmorgen nach dem monatelangen Auswahlverfahren. Auch die Meinung der Domspatzen sei gehört worden. Sie durften anhand von Fragebögen ihre Wertung abgeben.

„Ein großes Geschenk“

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich abgezeichnet, dass das Domkapitel aus den rund 40 Bewerbern eine Entscheidung getroffen hatte. Die Bischöfliche Pressestelle wollte sich zunächst aber nicht äußern bis, wie Pressesprecher Clemens Neck sagte, „die Tinte trocken ist“.

Reaktionen unserer Kultur-Kritiker

  • Andreas Meixner:

    Christian Heiß ist hinsichtlich seiner hervorragenden Expertise als Musiker und Pädagoge, aber auch als freundliche und fürsorgliche Persönlichkeit die Idealbesetzung für die Position des neuen Domkapellmeisters. Künstlerisch erhoffe ich mir von ihm neben der Pflege der Regensburger Musiktradition auch eine behutsame Erneuerung des Repertoires. Vor allem im Oratorienfach sollten die Domspatzen mehr an Profil gewinnen.

  • Claudia Böckel:

    Ich begrüße die Entscheidung sehr, Herr Heiß hat in Eichstätt Jugendarbeit auf sehr hohem Niveau gemacht. Er scheint umgänglich und freundlich zu sein. Für die Zukunft der Domspatzen wünsche ich mir ein neues Format für die Weihnachtskonzerte. Und ich halte eine Öffnung für Mädchen für überfällig, in welcher Weise auch immer, ob in der Schule oder in der Form einer Mädchenkantorei.

  • Juan Martin Koch:

    Dass man – typisch für die hiesige Kirchenmusikszene – jemanden mit „Stallgeruch“ gewählt hat, kann von Vorteil sein, muss es aber nicht. Der Chor braucht in für die Institution schweren Zeiten eine Weiterentwicklung in der Expertise für Alte und zeitgenössische Musik, ohne die spezifische Klangtradition und die Kernaufgabe Liturgie zu vernachlässigen.

  • Gerhard Held:

    Ich kenne Christian Heiß noch nicht, bin aber froh, dass die Domspatzen einen Kapellmeister gefunden haben und hoffe, dass er im Sinne von Herrn Roland Büchner weiterarbeiten wird.

  • Gerhard Dietel:

    Wenn auch Vergleiche mit anderen Kandidaten fehlen: Die bisherige Vita von Herrn Heiß spricht dafür, dass man mit ihm einen kompetenten Amtsnachfolger von Roland Büchner gefunden hat. Nicht so sehr zu „erwarten“ als zu wünschen und zu hoffen ist, dass er schnell in sein neues Amt hineinwächst. Wichtiger ist erst einmal, dass der neue Domkapellmeister an die Domspatzen-Tradition anknüpft, was Repertoire und Chorklang betrifft, bevor er seine eigenen Akzente setzt.

Heiß sagte in einer ersten Reaktion, dass er sich sehr freue, dass Bischof und Domkapitel sich für ihn als Nachfolger von Roland Büchner entschieden hätten. Er empfinde es als ein großes Geschenk, nun als Domkapellmeister an den Ort zurückkehren zu dürfen, der ihn als Menschen und Musiker entscheidend geprägt habe. Er habe nun die Chance, etwa zurückzugeben, was „mir in meiner Domspatzenzeit für mein Leben geschenkt wurde“. Heiß ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern und einem Sohn.

Domspatz unter Ratzinger

Der bisherige Leiter wird im September in den Ruhestand gehen. Er hatte das Amt 1994 von Papstbruder Georg Ratzinger übernommen. Unter Domkapellmeister Ratzinger hatte auch Heiß bei den Domspatzen gesungen. Als die Missbrauchsvorwürfe in der Einrichtung in der Öffentlichkeit bekannt wurden, hatte Heiß sich distanziert. Damals sagte er dem „Eichstätter Kurier“, es habe zu seiner Zeit bei dem Regensburger Chor „keine größeren Misshandlungen“ gegeben.

Musik

Kanon mit den Regensburger Domspatzen

Beim Mitsingkonzert war die Atmosphäre in diesem Jahr ganz besonders. Vielleicht auch deswegen, weil ein Abschied naht.

Heiß ist nicht nur Organist, Chorleiter und Sänger, sondern auch Komponist. Chorwerke von ihm erscheinen in renommierten Musikverlagen. Ein Höhepunkt seines Schaffens war ein Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz. Er durfte zum Besuch von Papst Benedikt XVI. 2011 in Deutschland das offizielles Geschenk vertonen: dessen Primizspruch des deutschen Papstes.

Die Regensburger Domspatzen

  • Geschichte:

    Die weltbekannten Regensburger Domspatzen sind der wahrscheinlich älteste Knabenchor überhaupt. Vor über 1000 Jahren, im Jahr 975, gründete Bischof Wolfgang eine eigene Domschule, die neben dem allgemeinbildenden Unterricht besonderen Wert auf die musikalische Ausbildung legte. Den Schülern wurde der liturgische Gesang in der Bischofskirche übertragen.

  • Kapellmeister:

    Domkapellmeister Dr. Theobald Schrems machte in der Nachfolge von Domkapellmeister Franz Xaver Engelhart die Regensburger Domspatzen seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts weltberühmt. Sein Nachfolger Georg Ratzinger übernahm mit dem Chor weiterhin Tourneen durch ganz Deutschland und in alle Welt. Seit September 1994 steht Roland Büchner an der Spitze. Unter ihm reiste der Chor im vergangenen Jahr erstmals ins Heilige Land. Die Domspatzen waren auch der erste Chor mit einem reinen A-Cappella-Programm in der Elbphilharmonie in Hamburg.

Nun freue er sich am meisten auf die Jungs, die ihn schon beim Vordirigieren begeistert hätten, sagte der neue Domkapellmeister und versprach: „Gemeinsam mit tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern werde ich daran arbeiten, dass die Domspatzen auch künftig einer der berühmtesten und besten Knabenchöre der Welt sind.“

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