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Ein Gotteshaus ganz aus Schnee und Eis

Ein kleines Dorf im Bayerwald plant den Bau einer spektakulären Kirche. Sie soll 190 Menschen Platz bieten und 17 Meter hoch werden.

Ein Gotteshaus ganz in Weiß: So wird die Schneekirche in Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald voraussichtlich aussehen. (Grafik: Förderverein Schneekirche)

Mitterfirmiansreut. In Mitterfirmiansreut fehlt nur noch der erste Schnee. Dann könnten in dem kleinen Bergdorf im Bayerischen Wald die Bauarbeiten für das spektakulärste Bauprojekt im Ort seit 100 Jahren beginnen: Die Bewohner des kleinen Dorfes im Landkreis Freyung-Grafenau planen die Errichtung einer begehbaren Kirche ganz aus Schnee.

190 Menschen soll das Gotteshaus nach seiner Fertigstellung fassen. Die Pläne sehen einen geschwungenen, 26Meter langen und bis zu sechseinhalb Meter hohen Kirchenbau vor. Im Inneren wird es Skulpturen, einen Altar und Kniebänke geben – alles aus Eis. Auch ein rund 17 Meter hoher Kirchturm soll entstehen.

Noch ist von all dem nichts zu sehen. Und dennoch stapeln sich bei Bernd Stiefvater bereits die Anfragen für Trauungen und Taufen in der Schneekirche. Der Gastronom nahm vor zwei Jahren mit Freunden die Planungen in Angriff. „Ursprünglich ist das alles gar nicht so groß vorgesehen gewesen“, sagt der 45-Jährige. Aber dann habe sich das Projekt verselbstständigt. Mittlerweile engagierten sich 200 Menschen in einem Förderverein.

Erinnerung an 1911

Nach dem Willen von Initiator Stiefvater soll mit dem Bau der Schneekirche in Mitterfirmiansreut an ein außergewöhnliches Ereignis der Ortsgeschichte erinnert werden. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war der Besuch des Sonntagsgottesdienstes für die Bewohner des damals noch sehr abgeschiedenen Bergdorfs mit einem beschwerlichen, eineinhalbstündigen Fußmarsch in die Nachbarortschaft Mauth, ebenfalls im Landkreis Freyung-Grafenau gelegen, verbunden. Als die Mitterfirmiansreuter deshalb jahrelang um eine eigene Kirche gebeten hatten, diese Bitten aber erfolglos verhallt waren, entschlossen sie sich in der Weihnachtszeit 1911 zu einer ungewöhnlichen Protestaktion: Sie errichteten sich ihr eigenes Gotteshaus – aus Schnee.

„Für mich ist das wirklich eine ergreifende Geschichte, was die Menschen aus dem Glauben heraus alles bewegen können“, sagt Stiefvater. Dieses Engagement wolle man mit der Neuauflage der Schneekirche nach 100 Jahren würdigen.

Rund 100000 Euro verschlingen nach Angaben des Fördervereins Planung und Bau der neuen Schneekirche. Das Geld kommt in erster Linie von Sponsoren. Außerdem erhoffen sich die Organisatoren finanzielle Förderung aus einem Programm der Europäischen Union.

Die Pläne für den spektakulären Kirchenbau stammen von dem Passauer Architekten Alfons Doeringer. „Nichts an diesem Projekt ist normal und einfach. Es gab keine Maßstäbe und keine Normen“, umschreibt der Architekt die Herausforderung. In Zusammenarbeit mit Statikern sei die jetzt geplante Gewölbeform für die Kirche entstanden. Doeringer weiß um das Risiko des Bauwerks: „Das sind tonnenschwere Schneemassen und darunter werden sich Menschen aufhalten.“

20 Zentimeter Neuschnee erhofft sich der Architekt, dann könnten die Bauarbeiten beginnen. Geplant ist, eine Holzverschalung mit insgesamt 1400 Kubikmeter Schnee zu verkleiden. Wenn die Schalung nach drei bis vier Wochen Bauzeit demontiert wird, soll das Kirchengewölbe aus Eis und Schnee eigenständig stehen. Temperatur und Dichte des Schnees müssten aber exakt stimmen, ansonsten sei die Tragfähigkeit der Konstruktion nicht gewährleistet, sagt der Architekt.

Wenn es nicht schneit...

Am 17. Dezember ist die feierliche Eröffnung des neuen, kurzlebigen Gotteshauses geplant. In den Wochen darauf werden in der Schneekirche Konzerte und Andachten stattfinden. An Heiligabend sollen Kinder eine Krippe aus Schnee bauen.

Das Interesse an dem Projekt ist groß. Bei Organisator Stiefvater haben sich schon zahlreiche Reisegruppen für einen Besuch in der Schneekirche angemeldet.

Und wenn in diesem Jahr nicht genügend Schnee fällt in Mitterfirmiansreut? „Das ist sehr unwahrscheinlich“, sagt Bernd Stiefvater. „Aber dann bauen wir die Kirche eben im nächsten Winter.“

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