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Kino

Ein Hauch von Hollywood in der Oberpfalz

Regisseure aus aller Welt suchten in der Region nach geeigneten Filmkulissen. Dabei wurden sie mehrfach fündig.
Von Kristina Stein

Klaus Hager (Volker Lechtenbrink, l.) und Karl Horber (Karl-Michael Balzer) in einer Szene des Antikriegsfilms „Die Brücke“ von 1959. Foto: dpa
Klaus Hager (Volker Lechtenbrink, l.) und Karl Horber (Karl-Michael Balzer) in einer Szene des Antikriegsfilms „Die Brücke“ von 1959. Foto: dpa

Regensburg.Dass „Kommissarin Lucas“, die beliebte Kriminalserie des ZDF, seit 2003 in Regensburg spielt, ist vielen bekannt. Doch die Oberpfalz wurde schon vor 60 Jahren als perfekter Drehort entdeckt – auch für große Kinoproduktionen.

Bereits in den späten 1950er-Jahren schrieb Regisseur Bernhard Wicki mit seinem Antikriegsfilm „Die Brücke“ aus dem Jahre 1959 in der Oberpfalz Filmgeschichte. Der Film wurde 1960 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet. Das Drehteam war lange auf der Suche nach einer geeigneten Filmkulisse. Dabei besichtigten sie viele Brücken in ganz Bayern, die der literarischen Vorlage entsprachen, aber in der Praxis zu Drehschwierigkeiten führten. Auf die besten Bedingungen stießen sie in Cham. Dort gab es eine große und stabile Brücke mit geringem Durchgangsverkehr. Somit diente die alte Florian-Geyer-Brücke als Hauptdrehort für den gesamten Film.

Star-Regisseur in der Oberpfalz

Das Erdgeschoß des historischen Cordonhauses wurde zum Postamt umfunktioniert. Im Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium entstanden viele Kasernenszenen. Fritz Wepper, der damals einen der Soldaten spielte, berichtet: „Wir waren mitten im Krieg. In Cham herrschte Krieg.“ Wepper spielte an der Seite von Volker Lechtenbrink, Michael Hinz, Frank Glaubrecht, Folker Bohnet, Günther Hoffmann und Karl Michael Balzer einen der sieben Freunde, die in den Krieg einberufen wurden und dabei gezwungen waren, eine strategisch unbedeutende Brücke zu verteidigen.

Joseph Gordon-Levitt (l.) spielte den Whistleblower Edward Snowden. Foto: Universum Film/dpa
Joseph Gordon-Levitt (l.) spielte den Whistleblower Edward Snowden. Foto: Universum Film/dpa

Auch eines der prägendsten Ereignisse der jungen deutschen Demokratie fand mitten in der Oberpfalz statt, nämlich im Landkreis Schwandorf. Genau dort wurde 2018 das Politdrama „Wackersdorf“ von Oliver Haffner gedreht. Im Mittelpunkt steht der Landrat Hans Schuierer, der sich in den 1980er-Jahren der Protestbewegung gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage anschloss.

Hier sehen Sie ein Video über die Dreharbeiten zu „Wackersdorf“:

Dreharbeiten für "Wackersdorf"-Film

Für den Spielfilm wurde möglichst auf Originalschauplätze zurückgegriffen, wie die Kantine des Landratsamtes oder das Stadion des FC Schwandorf. Für die Szene der Demonstrationen am Bauzaun musste dieser allerdings an einem anderen gerodeten Waldstück bei Roding nachgebaut werden. Insgesamt wurden etwa 80 bis 90 Prozent des Films im Landkreis Schwandorf gedreht.

Anna Maria Sturm (l.) als Monika Gegenfurtner im Film „Wackersdorf“ Foto: Erik Mosoni/Alamode Film/dpa
Anna Maria Sturm (l.) als Monika Gegenfurtner im Film „Wackersdorf“ Foto: Erik Mosoni/Alamode Film/dpa

Sogar Hollywood-Stars haben schon in der Oberpfalz gefilmt. Dass der Oscar-prämierte Regisseur Oliver Stone in der Gegend von Bruck und Bodenwöhr einen Kinofilm dreht, hielten viele im Februar 2015 zunächst für einen Faschingsscherz. Das Staunen war groß, als der Blockbuster „Snowden“ am 22. September 2016 in die deutschen Kinos kam.

Kino

Oliver Stone: Viel von Snowden gelernt

Am Donnerstag kommt „Snowden“ in die Kinos. Im Exklusiv-Interview spricht der Regisseur über die Drehtage in der Oberpfalz.

Stones Film über den Whistleblower Edward Snowden gibt den Zuschauern einen Einblick in die Welt der Überwachung. Dabei gestaltete sich die Produktion des Filmes für den bekannten Regisseur nicht ganz einfach: Das Drehbuch, das Stone abgesegnet hatte, wurde von allen amerikanischen Filmstudios abgelehnt. Stone benötigte daher Produktionsgelder aus Europa, vor allem aus Deutschland.

„Wir machen Regensburg zu Paris.“

Alfred Hümer, Produzent von „Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen“

Bereits im Herbst 2014 hatte die Produktionsfirma über einen Locationscout in Bayern nachgefragt, ob sie einen passenden Drehort zur Verfügung stellen könnten. Gesucht wurde eine abgelegene Fläche mit vielen Trockenkiefern. Dort sollten Szenen aus der militärischen Ausbildung Snowdens gedreht werden. Fündig wurden sie in einem Waldstück nahe der Gemeinde Bodenwöhr.

Regensburger Schloss als beliebter Drehort

Auch das Schloss Thurn und Taxis blieb von der Filmindustrie nicht unentdeckt. Die Produzenten des französischen Dramas „Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen“ aus dem Jahre 2012 griffen für einen Teil der Szenen auf die Oberpfalz, genauer gesagt auf die Domstadt Regensburg zurück. Skandal-Rocker Pete Doherty spielte an der Seite von Lily Cole, August Diehl und Charlotte Gainsbourg eine der Hauptrollen in dem Film von Regisseurin Sylvie Verhyde. Die Dreharbeiten fanden im Schloss St. Emmeran und in der Regensburger Altstadt statt. Auch das Stadttheater diente als historische Kulisse für eine Konzertszene.

Ein Skandal am Rande

  • Vorfall:

    Während der Dreharbeiten in Regensburg soll Pete Doherty in volltrunkenem Zustand mit seinem Begleiter August Diehl die Scheibe eines Plattenladens eingeschlagen und eine Gitarre sowie eine Schallplatte mitgenommen haben.

  • Justiz:

    Das Amtsgericht lehnte jedoch den Antrag auf Erlass eines Strafbefehls gegen den Musiker ab.

In Sünching wurde die Filmcrew ebenfalls fündig und nutzte das Rokoko-Schloss als Schauplatz für eine Jagdszene. Alfred Hümer, der den Film gemeinsam mit Bruno Berthemy produzierte, hatte für Regensburg von Beginn an eine bestimmte Vision: „Das Kopfsteinpflaster dort passt ideal für unsere Zwecke“, begeistert sich Produzent Hürmer. „Wir machen Regensburg zu Paris.“ Regisseur Mike Marzuk drehte Szenen für „Fünf Freunde 2“ in der Gruftkapelle, dort wird in der Handlung der größte Smaragd der Welt, das „Grüne Auge“, gefunden. Auch David Garrett drehte schon in den prächtigen Räumen des Schlosses, als er im Film „Der Teufelsgeiger“ unter der Regie von Bernard Rose in die Rolle Niccolò Paganinis schlüpfte.

Der britische Sänger Pete Doherty (r.) drehte in und um Regensburg „Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen“. Foto: Armin Weigel dpa/lby
Der britische Sänger Pete Doherty (r.) drehte in und um Regensburg „Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen“. Foto: Armin Weigel dpa/lby

Einen besonderen Streich erlaubten sich die Macher der Komödie „Wer’s glaubt, wird selig“ von Marcus H. Rosenmüller: Sie kombinierten für das fiktive Dorf Hollerbach Aufnahmen aus der Oberpfalz und Oberbayern. Die beiden Dörfer Kastl und Hohenburg im Lauterachtal sollten sich von der „Geranienidylle“ abheben und stellten so gemeinsam mit Bayrischzell einen Skiort mit Schneemangel dar.

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