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Hobby

Ein junger Komponist räumt ab

Lukas aus Regensburg hat den bayernweiten Wettbewerb „Jugend komponiert“ gewonnen. Sein Stück heißt „Sternenhimmel“.
Von Angelika Lukesch

Der zwölf Jahre alte Lukas Zigldrum spielt nicht nur gern Fußball, sondern denkt sich auch richtig gute Melodien aus. Fotos: Lukesch
Der zwölf Jahre alte Lukas Zigldrum spielt nicht nur gern Fußball, sondern denkt sich auch richtig gute Melodien aus. Fotos: Lukesch

Regensburg.Lukas Zigldrum ist zwölf Jahre alt und ein echter Regensburger. Er besucht das Albrecht-Altdorfer-Gymnasium und spielt in seiner Freizeit Klavier und Fußball. Außerdem liest Lukas sehr gerne. Jetzt hat er den ersten Preis des bayernweiten Wettbewerbs „Jugend komponiert“ der „Jeunesses Musicales Bayern“ gewonnen. Sein größtes Hobby ist nämlich das Komponieren.

Früher spielte Lukas Flöte und beim Flötespielen, erzählt er, habe ihn das Gefühl überkommen, dass er die Noten aufschreiben könnte, denn der Gymnasiast hat immer Melodien im Kopf. Die Melodien und Harmonien entstehen aus seinen Gefühlen und aus dem, was er erlebt hat. Manche Melodien komponiert er aber einfach auch aus Launen heraus, wie er selbst grinsend zugibt. Lukas komponiert eigentlich immer, seine Musik ist im Kopf und die Melodien treiben ihn um.

„Ich denke mir, welche Töne passen zusammen und schreibe sie auf. Ich schreibe einfach die Stücke auf, die ich mir vorstelle.“

Lukas Zigldrum, junger Komponist

Auf die Frage, wie er komponiere, sagt Lukas ganz einfach: „Ich denke mir, welche Töne passen zusammen und schreibe sie auf. Ich schreibe einfach die Stücke auf, die ich mir vorstelle.“

So einfach, wie das für ihn klingt, so schwierig ist dies für nahezu alle Menschen. Da am Haus der Musik in Regensburg im September 2015 eine Kompositionsklasse mit dem Lehrer Josef Ramsauer ins Leben gerufen wurde, war für Lukas Zigldrum klar, dass er diese Klasse besuchen will. Seit zwei Jahren ist er nun Schüler bei Josef Ramsauer. Der Kompositionslehrer lässt seinen Schülern viel Raum für ihre Kreativität. Da und dort hilft er mit Musiktheorie und Musikhandwerk, doch der Kreativität setzt er keine Grenzen.

Mit Bewertungen vorsichtig

„Es ist mir sehr wichtig, dass meine Schüler ihren persönlichen Weg gehen. Nie versuche ich, einen Schüler in eine ästhetische Ecke zu drängen. Angereichert wird die Betreuung durch möglichst vielfältige inner- und außermusikalische Anregungen. In diesem Zusammenhang finde ich es wichtig, meine Schüler genau einzuschätzen, welche Inhalte förderlich oder Bewusstseinserweiterung für sie sein könnten“, erklärt Ramsauer. Auch mit Bewertungen ist er sehr vorsichtig „Ich bin kein Freund von Wertungen. Jeder ist anders und das ist das Schöne daran. Ich schaue nur, dass meine Schüler ihre Stücke fertig kriegen.“

Josef Ramsauer ist Lehrer der Kompositionsklasse von Lukas. Foto: Lukesch
Josef Ramsauer ist Lehrer der Kompositionsklasse von Lukas. Foto: Lukesch

Das Stück „Sternenhimmel“ in C-Dur, mit dem Lukas Zigldrum im bayernweiten Wettbewerb „Jugend komponiert“ den ersten Preis gewonnen hat, ist ein dreieinhalb minütiges Stück für das Klavier. Es ist langsam und gefühlvoll. Josef Ramsauer hatte Lukas die Aufgabe gestellt, sich einen Sternenhimmel vorzustellen. „Meine Bitte war, dass er seinen persönlichen Eindruck in einer kleinen Improvisation musikalisch ausdrücken sollte. Am Ergebnis hatte er schließlich strukturell noch etwas gearbeitet und zur nächsten Stunde hatte er das fertige Stück dabei“, berichtet Ramsauer. Nie hätte Lukas gedacht, dass er hierfür einen Preis gewinnen würde. Natürlich ist die Freude groß, denn der ausgelobte Preis ist etwas ganz Besonderes.

„Jugend komponiert“ setzt den zehn Preisträgern (es gab drei Alterskategorien in den Bereichen Kammermusik, Solostück, Freie Besetzung) die Teilnahme an einer einwöchigen Kompositionswerkstatt in den Pfingstferien in München an der Hochschule für Musik und Theater aus.

Brücken schlagen

  • Der Wettbewerb:

    Der Verband der „Jeunesses Musicales in Bayern“ richtet den Kompositionswettbewerb aus. Teilnehmen können Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren, die in Bayern wohnen.

  • Das Ziel:

    „Jeunesses Musicales Bayern“ hat das Ziel, mit Musik Brücken zu schlagen und einen interkulturellen Dialog zu schaffen. Die Unterstützung eines internationalen Austauschs auf der Ebene der Musik ist der Schwerpunkt der Arbeit des Verbandes. Bereits jetzt musizieren auf Betreiben des Verbandes bayerische Kinder mit Kindern aus Palästina und aus der Demokratischen Republik Kongo sowie mit Kindern aus Australien, Polen, den Niederlanden und Tschechien.

  • Die Jury:

    Der künstlerische Leiter des Wettbewerbs „Jugend komponiert“ ist der vielfach ausgezeichnete Komponist und Pianist Borboudakis. Die Jury bestand aus Borboudakis, dem Hochschuldozenten Henrik Ajax und der Komponistin Milica Djordjevic.

Lukas war der zweitjüngste Teilnehmer am Wettbewerb. Lukas Kompositionslehrer freut sich darüber mindestens genauso wie der junge Komponist selber. „Lukas wird in den Pfingstferien von international anerkannten Komponisten in Einzelgesprächen eine Woche lang betreut. Darüber hinaus wird sein Stück vom Pianisten des Ensembles Blauer Reiter aufgenommen, es wird also eine CD-Produktion des Siegerstücks geben“, sagt Ramsauer. Er will Lukas Zigldrum und sein Kompositionstalent weiter nach Kräften fördern. Die beste Förderung, meint Ramsauer, sei für jeden Komponisten die „wiederkehrende Begegnung mit der Aufführungssituation“. „Deshalb denke ich, dass es wichtig sein wird, dass Lukas seine Musik nun immer öfter hören kann und somit seinen Horizont und seine Ziele erweitern darf“, sagt der Lehrer.

Klassisch orientiert

Am 26. Mai findet in München an der Hochschule für Musik und Theater ein Abschlusskonzert mit den Werken der Preisträger statt. Hier wird dann auch die CD mit den preisgekrönten Werken erstellt.

Einmal im Monat kommt die Regensburger Kompositionsklasse, acht Komponisten und Komponistinnen – Lukas ist der jüngste – im Haus der Musik zusammen, um zu komponieren. Doch Lukas Zigldrum erhält auch noch, wie alle anderen Schüler auch, Einzelunterricht bei Josef Ramsauer.

„Vom Gefühl her bin ich eher klassisch orientiert“, sagt Lukas über seine musikalische Richtung. Dabei hat der Gymnasiast keine speziellen Vorlieben. Er hört jede Musik. Er konsumiert sie, rezipiert sie und zieht für sich daraus ein Gefühl für das, was er selbst schreiben will. „Ich interessiere mich nicht dafür, wer was geschrieben hat“, sagt Lukas.

Kompositionslehrer Josef Ramsauer mag an Lukas, dass er „kein großes Gewese“ um sich selbst mache. „Lukas ist völlig unprätentiös, er macht es einfach. Ich freue mich über den Preis, den er gewonnen hat, mehr als er.“

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