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Ein Kabarettist, viele Politiker

Keiner kann Stoiber, Söder oder Seehofer besser imitieren als Wolfgang Krebs. Er sagt über sich: „Ich bin viele.“
Von Isolde Stöcker-Gietl

Vier Jahre lang spielte Wolfgang Krebs (l.) beim Singspiel auf dem Nockherberg die Rolle von Landesvater Seehofer.Foto: dpa
Vier Jahre lang spielte Wolfgang Krebs (l.) beim Singspiel auf dem Nockherberg die Rolle von Landesvater Seehofer.Foto: dpa

München.Kaum, dass die Medien am vergangenen Montag von Markus Söders neuem Amt als bayerischer Ministerpräsident berichteten, da stand er auch schon vor seinen 800 000 Facebook-Freunden und stellte seine weiteren Karrierepläne vor. Parteivorsitzender, dann Bundeskanzler, EU-Ratspräsident und gleich darauf noch amerikanischer Obermufti. „Und wenn ich Lust hab, werde ich Vorsitzender im Nürnberger Tierschutzverein, weil des immer so schöne Bilder gibt mit den armen Hunden.“ Würde die Perücke nicht so arg schief sitzen, dann könnte man fast glauben, was man da hört, so perfekt beherrscht der Kabarettist Wolfgang Krebs inzwischen den Söderschen Tonfall. Zeit zum Üben hatte er ja ein paar Jahre.

Mit Schlagersängern fing es an

Unter den deutschen Kabarettisten hat Wolfgang Krebs ein Alleinstellungsmerkmal. Ingo Appelt konnte wunderbar den Rudolf Scharping, Matthias Richling den Kohl, auch Kanzlerin Angela Merkel hat einige Nachahmer, aber die CSU-Spitze seit Anfang der 90er Jahre – das hat allein der ehemalige Postbedienstete aus Oberbayern drauf. Er habe früh gemerkt, dass er Menschen gut imitieren könne, sagt Krebs. Schon als Kind trat er im Schülertheater auf, ebenso wie auf kleinen Theaterbühnen. Zuhause habe er Schlagersänger parodiert, die er bei Dieter Thomas Heck in der Hitparade gesehen hatte. Doch danach wählte er einen sicheren Beruf und liebäugelte mit dem Beamtentum. Aber im Keller der Post, so erzählte er in einem Interview beim „Gipfeltreffen“ mit Werner Schmidbauer, habe ihm ein rumänischer Arbeiter immer wieder gesagt, dass dieser Beruf nichts für ihn sei. So besuchte Krebs wieder die Schule und wechselte zunächst bei einem Allgäuer Radiosender ans Mikrofon und später für mehrere Fernsehsender ins Marketing. 1993 trat er erstmals bei den Marktfestspielen Kaltental-Blonhofen als Edmund Stoiber auf. Zunächst war sein Talent noch ein Freizeitspaß. Auch noch 2006, als er erstmals beim Gillamoos in Abensberg beim politischen Schlagabtausch dabei war.

Doch es war wohl sogar das bedeutende niederbayerische Volksfest, bei dem Krebs endgültig klar wurde, dass das, was er da machte, ein großes Publikum begeisterte und auch eine Familie ernährte. In Abensberg hatten der Festwirt und die Brauerei Ottenbräu zuvor lange überlegt, wie sie am Montagvormittag mehr Gäste ins Festzelt holen könnten. Es musste politisch sein, aber den kleinen Parteien, die die Jahre zuvor ihre Redner aus Bundes- und Landespolitik präsentierten hatten, fehlte die Zugkraft. Die leeren Bankreihen wollte man so nicht mehr akzeptieren.

Eine neue Idee musste her und die fand sich im Bayerischen Fernsehen, wo Krebs in der Sendung „quer“ am Donnerstagabend als „schwarze Null aus München“ über die Politik philosophierte. Es wurde eine Erfolgsgeschichte: Das Ottenbräu-Zelt ist seitdem beim politischen Gillamoos-Montag voll bis auf den letzten Platz, Krebs war in diesem Jahr zum elften Mal als „Retter von Bayern“ beim Schlagabtausch mit dabei.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich mit diesem Gesicht mal Geld verdienen könnte“, scherzt Krebs über seine zweite Karriere. „Der bessere Stoiber“, jubeln die Medien wenn Krebs die verbalen Fettnäpfchen des ehemaligen Landesvaters genussvoll auf der Bühne zelebriert. Der Stoiber, so sagt Krebs, ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Wenn er sich die schlohweiße Perücke über die Haare stülpt, den Trachtenanzug anlegt und die randlose Brille aufsetzt, dann ist er nicht mehr Kabarettist, sondern Politiker. Ja selbst unkostümiert erkennt man sofort, wenn aus Krebs Stoiber wird. Erst wird der Hals lang, dann dreht sich der Kopf zur Seite und ein selbstgefälliges Lächeln umspielt den Mund. Und dann geht es sozusagen „in zehn Minuten“ verbal drunter und drüber.

Söder war besonders schwierig

„Wenn ich in der Rolle bin, dann bin ich wesentlich interessanter als wenn ich ich selbst bin“, sagte der Vater zweier erwachsener Söhne beim Interview mit Schmidbauer. Er selbst sei ein eher zurückhaltender Mensch, das forsche Wesen mancher Politiker musste er sich in mühevoller Detailarbeit antrainieren. Besonders lange habe er für Markus Söder gebraucht, sagt Krebs. Was wohl auch daran liege, dass dessen Stimme seiner eigenen sehr ähnlich sei. „Nur ein bisschen tiefer.“ Das Fränkische hatte Krebs dagegen schon vorher drauf, sein Vater kommt aus dem Norden Bayerns.

Als Seehofer war Krebs, der aktuell mit seinem Programm „Die Watschenbaum-Gala“ tourt, auch beim Singspiel auf dem Nockherberg dabei. Er gockelte den Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden so unnachahmlich, dass es lange Gesichter gab, als nach vier Jahren Schluss war. Als kopfloser Seehofer ist Krebs aber weiterhin der Rausschmeißer bei „quer“. Und demnächst wird er wohl auch die Rolle der Handpuppe übernehmen müssen. Noch hat Söder ja einen Holzkopf. Aber Wolfgang Krebs ist bereit für die neue Rolle. Nur die Perücke könnte noch etwas besser sitzen.

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