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Ausbildung

Ein Mann will Hebamme werden

Konstantin Wroblewski erlernt den Beruf des Entbindungspflegers. Anfangs sorgte er für Aufruhr – jetzt hat er viele Fans.
Von Diane Mayer

Konstantin Wroblewski an einem Knochen-Modell eines weiblichen Beckens, um zu lernen, wie sich das Baby-Köpfchen bei der Entbindung positionieren muss. Foto: Daniel Karmann/dpa
Konstantin Wroblewski an einem Knochen-Modell eines weiblichen Beckens, um zu lernen, wie sich das Baby-Köpfchen bei der Entbindung positionieren muss. Foto: Daniel Karmann/dpa

Ansbach.Ein Praktikum brachte den Stein ins Rollen. Konstantin Wroblewski machte es in der Praxis jener Hebamme, die ihn einst selbst entbunden hatte. Das überzeugte ihn: „Das Interesse war einfach da, weil der Beruf sehr facettenreif ist. Und die Zusammenarbeit mit Mutter und Kind macht sehr viel Spaß“, erklärt der 21-Jährige.

Seit Oktober 2017 ist er auf dem Weg, selbst Hebamme zu werden – genauer: Entbindungspfleger, wie die Berufsbezeichnung für männliche Vertreter des Berufs lautet, Eine Ausbildungsmöglichkeit zu finden, sei nicht einfach gewesen, berichtet Konstantin Wroblewski.

Auf die ersten Bewerbungen habe es nur Absagen gehagelt. „Gefühlte 100“, erzählt der blonde junge Mann in einem kleinen Büro der Berufsfachschule, die nur einen Steinwurf vom Ansbacher Klinikum entfernt liegt. Doch in Ansbach klappte es dann schließlich.

Ältere hatten Probleme

„Am Anfang hat er schon für Aufruhr gesorgt. Was will der Mann im Hebammenberuf?“, beschreibt die leitende Lehrhebamme Jasmin Treiber-Meier die Reaktionen mancher Kolleginnen. „Vor allem die älteren Schwestern hatten ein Problem mit mir“, ergänzt der 21-Jährige. Mittlerweile hätten sich aber alle an den Mann in der Frauendomäne gewöhnt: Schwestern, Mütter und Mitschülerinnen. „Sie sind Fans von Konstantin“, sagt Treiber-Meier. Die Lehrhebamme wünscht sich für die Zukunft, dass Männer in dem Beruf immer mehr zur Selbstverständlichkeit werden.

Jasmin Treiber-Meyer, Lehrhebamme am Klinikum Ansbach, erklärt Konstantin Wroblewski an einem Modell aus Kunststoff anhand eines Querschnitts mit Baby im Bauch die Anatomie der Frau. Foto: Daniel Karmann/dpa
Jasmin Treiber-Meyer, Lehrhebamme am Klinikum Ansbach, erklärt Konstantin Wroblewski an einem Modell aus Kunststoff anhand eines Querschnitts mit Baby im Bauch die Anatomie der Frau. Foto: Daniel Karmann/dpa

An einem Modell im Klassenzimmer mit quietschend-grünen Wänden und bunten Stühlen zeigt Jasmin Treiber-Meier den Auszubildenden beispielsweise wie das Baby-Köpfchen zu halten ist, damit es zu keinem Dammriss kommt. An einem anderen Modell aus Plastik erklärt die Lehr-Hebamme den Auszubildenden anhand eines Querschnitts mit Baby im Bauch die Anatomie der Frau.

Doch Konstantin Wroblewski ist lieber auf Station, dort arbeitet er im Dreischichtbetrieb. „Ich lerne jeden Tag etwas Neues“, sagt er. In den Kreißsaal darf er allerdings erst am Ende des ersten Ausbildungsjahrs. Bevor es für den jungen Mann aus Sachsen-Anhalt mit dem Aufzug in den zweiten Stock des Klinikums geht, zieht er sich im Keller des Krankenhauses die passende weiße Kleidung an.

Fotos von Neugeborenen

Konstantin Wroblewski bereitet in einem Stillzimmer auf der Geburtshilfe-Station einen Wickeltisch für die Baby-Visite vor. Foto: Daniel Karmann/dpa
Konstantin Wroblewski bereitet in einem Stillzimmer auf der Geburtshilfe-Station einen Wickeltisch für die Baby-Visite vor. Foto: Daniel Karmann/dpa

Bunte Fähnchen hängen an der Glastür der Geburtshilfe-Station. Die Wände auf dem Gang der Station sind hellgelb, großformatige Schwarz-Weiß-Fotos von Babys hängen im Flur. Aber natürlich sind das nur Bilder der ganz süßen Neugeborenen. Viel ist los an diesem Tag auf der Station, alleine bis mittags waren es schon vier Geburten. Hektisch schieben die Krankenschwestern leere Betten durch den Flur. Dazwischen trägt ein stolzer Vater seinen neugeborenen Buben in einer Babyschale zum Aufzug.

Jasmin Treiber-Meier begleitet Konstantin Wroblewski in das Stillzimmer. „Hebammerich“ nenne sie den Auszubildenden manchmal im Scherz, da es ja keine Bezeichnung im Deutschen für den Beruf gebe, sagt sie lachend. Der 21-Jährige legt ein hellblaues Handtuch auf einen Wickeltisch und holt Baby-Klamotten aus einer Schublade. Damit ist alles bereit für die Baby-Visite in dem Raum.

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Ein Mann will Hebamme werden

  • Beruf:

    Entbindungspfleger lautet die Berufsbezeichnung für männliche Vertreter des Berufs, der sonst fest in Frauenhand liegt. Konstantin Wroblewski ist einer von drei männlichen Pionieren in Deutschland, die den Hebammenberuf erlernen. Seine Ausbildung absolviert er auf einer Berufsfachschule für Hebammen und Entbindungspfleger in Ansbach, der Akademie ANregiomed.

  • Ausbildung:

    Das Klinikum Ansbach, mit anderen Krankenhäusern in der Region Teil des westmittelfränkischen Klinikverbundes ANregiomed, hatte vor zwei Jahren den Schulbetrieb für Entbindungspfleger in Ansbach gestartet, um dem akuten Hebammenmangel den Kampf anzusagen. Die Hälfte der Ausbildung ist Theorie, der Rest Praxis auf der Geburtshilfe-Station.

  • 2200 Babys

    : Im vergangenen Jahr kamen an den Krankenhäusern des Klinikverbunds ANregiomed über 2200 Babys zur Welt. „Manche sind so süß, die würde ich gerne mit nach Hause nehmen“, sagt der angehende Entbindungspfleger. Der 21-Jährige träumt davon, später selbst einmal Kinder zu haben.

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