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Gesellschaft

Ein Preuße wird zum Königstreuen

Der gebürtige Hamburger Anton Steinböck ist Fahrlehrer in Augsburg und kämpft für eine Wiedereinführung der Monarchie.
Von Ulf Vogler

Königstreues Nordlicht: Anton Steinböck Foto: Matthias Balk/dpa
Königstreues Nordlicht: Anton Steinböck Foto: Matthias Balk/dpa

Augsburg.Wenn man ihn in seiner Tracht mit gezwirbeltem Schnurrbart sieht, geht er als lupenreiner Bayer durch. Erst wenn er etwas sagt, stimmt etwas nicht. Für einen Fan von Ludwig II. passt die Sprache irgendwie nicht – zu wenig Dialekt, zu viel Hochdeutsch.

Kein Wunder, denn Anton Steinböck ist gebürtiger Hamburger. Vor Jahrzehnten hat es ihn nach Bayern verschlagen. Den Freistaat betrachten er und seine Frau längst als Heimat, auch wenn sich Steinböck beim Dialekt nicht anbiedert. „Bayer zu sein beginnt im Herzen“, sagt er. Und Bayern trägt er längst so sehr im Herzen, dass er ein überzeugter und überregional bekannter Königstreuer ist. Die Abspaltung des Freistaats von der Bundesrepublik ist für ihn ebenso ein Ziel wie die Wiedereinführung der Monarchie in Bayern.

Fahrlehrerausbildung im Saarland

Dabei hätte der Lebensweg des 75-Jährigen ein anderer werden sollen: „Ursprünglich war die Richtung, dass ich zur See fahren würde.“ Doch für den Dienst bei der Bundeswehr verschlug es ihn in den Süden, er ging ins Saarland. Dort wurde er heimisch, lernte seine spätere Ehefrau kennen und ließ sich bei der Truppe zum Fahrlehrer ausbilden. Nach der Bundeswehrzeit blieb er in dem kleinen Bundesland, arbeitete dort als Fahrlehrer.

Doch in den 80er Jahren stand für das Ehepaar Steinböck der nächste Ortswechsel an. Die schwierige wirtschaftliche Situation im Saarland ließ das Paar nach Bayern schielen. Steinböck hatte mehrere Angebote von Fahrschulen. Die Wahl fiel auf das bayerische Schwabenland – die Eheleute zogen nach Augsburg. „Wir sind als Fremde gekommen, und Augsburg ist für meine Frau und mich Heimatstadt geworden“, betont er. „Anders kann man das nicht sagen.“

Schnell kam Steinböck damals mit dem bayerischen Brauchtum in Kontakt. Zunächst machte er beim Schützenverein mit, obwohl er selbst gar nicht schießen wollte. „Ich habe noch keinen Schuss abgegeben.“ Dann kam er zu den Augsburger Königstreuen, wo er mittlerweile zum 2. Vorstand aufgestiegen ist. Seine Herkunft verleugnet er nicht. „Ich könnte auch den Bayern mimen, aber das wäre unehrlich mir selbst gegenüber und es wäre unehrlich den Bayern gegenüber.“

Steinböck ist Bayernpartei-Mitglied

Für den Vorsitzenden des Verbands der Königstreuen in Bayern, Stefan Jetz, ist solch eine Biografie gar nicht so ungewöhnlich. Aussehen, Abstammung und Sprache seien nicht wichtig bei den „Kini“-Fans. „Der Toni ist einer, der sich voll identifiziert mit seinem Bayern“, sagt der Verbandschef über Steinböck. Dieser kämpft für seine Ziele auch politisch. Früher war er im Stadtrat für die Republikaner, später hat er die stark rechtsgerichtete Partei verlassen. „Parteien entwickeln sich, und Personen entwickeln sich“, sagt er dazu. Heute ist er bei der Bayernpartei aktiv, die für eine Eigenstaatlichkeit des Freistaats eintritt. Steinböck kann sich gut ein selbstständiges Bayern in einem vereinten Europa vorstellen, Bayern sei ja größer als etliche EU-Staaten.

Dann sollte es im Rahmen eines demokratischen Freistaats eine Rückkehr der Wittelsbacher auf den bayerischen Thron geben, findet Steinböck. Für ihn hätte das auch unter dem touristischen und wirtschaftlichen Aspekt Vorteile. Die Menschen müssten nicht mehr nach Schweden, in die Niederlande oder England fahren, um royales Treiben zu erleben, wirbt er. „Ob es besser wird, das weiß ich nicht. Aber schöner wird es allemal, das kann ich jedem garantieren“, sagt er über die erwünschte Monarchie.

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