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Entgeldgleichheit

Ein Tag, den es nicht geben sollte

Frauen haben weniger in der Tasche als Männer. Zum Equal Pay Day gibt es ein Podium im Verlagshaus der Mittelbayerischen.
Von Angelika Sauerer

Bis zum 18. März arbeiten Frauen, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden. Bild: Lissi Knipl-Zörkler, MZ-Infografik
Bis zum 18. März arbeiten Frauen, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden. Bild: Lissi Knipl-Zörkler, MZ-Infografik

Regensburg.Gleicher Lohn für gleiche Arbeit – eine Selbstverständlichkeit, und mittlerweile fast überall Realität. Geht man ein Stück weiter und fordert gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, sieht es etwas anders aus: Frauendominierte Arbeit wird unterm Strich schlechter bezahlt als männerdominierte. Sie scheint damit – zumindest auf dem Gehaltszettel – weniger wert zu sein. „Wertsache Arbeit“ – unter dieses Motto haben die Organisatorinnen den Equal Pay Day dieses Jahr in Deutschland gestellt. Sie fragen: Was ist gleichwertige Arbeit? Wie kann Arbeit branchenübergreifend verglichen werden?

Die Suche nach Vergleichbarkeit

Mögliche Antworten liefert eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung. Ute Klammer, Christina Klenner und Sarah Lillemeier untersuchten, wie geschlechtsspezifische Bewertungen von Arbeit in unterschiedlichen Berufen zur Verdienstlücke zwischen Männern und Frauen beitragen. Dafür kreierten sie einen Index, durch den Jobs quer durch den Arbeitsmarkt in Bezug auf „Wissen und Können“, „psychosoziale“ und „physische Aspekte“ sowie „Verantwortung“ beschrieben werden. Je höher der Punktwert des sogenannten „Comparable Worth“- oder kurz CW-Index, desto höher das Anforderungsniveau. Ihr Ergebnis: „Gleiche und gleichwertige berufliche Anforderungen und Belastungen gehen mit hoher statistischer Signifikanz mit niedrigeren Entgelten von Frauen im Vergleich zu Männern einher. Die gleiche Beobachtung zeigt sich auch für frauendominierte gegenüber männerdominierten und gemischtgeschlechtlichen Berufen.“ Und: Machen Frauen Karriere, zahlt sich auch das für sie weniger aus.

Verdienstunterschiede zwischen Frauen und Männern

So lange das so sei, folgert Uta Zech, „bleibt das im Grundgesetz verankerte Recht auf Gleichberechtigung ein frommer Wunsch“. Sie ist die Präsidentin der Business and Professional Women Germany (BPW). Der Verein ist ein Netzwerk von Frauen für Chancengleichheit und organisiert den jährlichen Aktionstag zur Entgeltgleichheit. Den ersten Equal Pay Day gab es 1966 in den USA. Auslöser war die Lohnkluft von bis zu 40 Prozent zwischen Männern und Frauen, insbesondere afroamerikanischer Herkunft. In Deutschland fand der erste Equal Pay Day 2008 statt. Das Bundesfamilienministerium unterstützt und fördert die Aktion. Terminiert ist sie auf den Tag, „bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1.1. für ihre Arbeit bezahlt werden“. Er fällt in diesem Jahr auf Montag, den 18. März.

Gründe für die Lohnlücke

In Regensburg müsste der Equal Pay Day eigentlich noch später stattfinden. Denn hier klafft die Lohnlücke mit 23 Prozent weiter auseinander als im Bundesdurchschnitt (21 Prozent), wie die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) unter Berufung auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Danach kommen Männer mit einer Vollzeitstelle in Regensburg auf ein durchschnittliches Bruttoeinkommen von 4121 Euro pro Monat – Frauen hingegen nur auf 3153 Euro.

Equal Pay Lounge im Medienhaus

Equal Pay Day

Woher kommen die Unterschiede? Und wo muss man ansetzen, um die Lücke zu schließen? Darüber diskutieren in der „Equal Pay Lounge“ am Montag, 18. März, ab 17.30 Uhr im Verlagshaus der Mittelbayerischen die Soziologieprofessorin Katrin Auspurg aus München, Martina Müller-Schilling von der Uniklinik Regensburg und erste Frau auf einem Lehrstuhl für Gastroenterologie in Deutschland sowie Rico Irmischer, Geschäftsführer der IG Metall Regensburg, und Uwe Lübbermann, Gründer des Kollektivs Premium-Cola. Die Veranstaltung des Regensburger BPW Clubs ist bereits ausgebucht; Anmeldung für die Warteliste bei heike.benedikt@mittelbayerische.de.

Gender Pay Gap

  • Unbereinigte Lohnlücke:

    Hier werden die absoluten Bruttostundenverdienste von Frauen und Männern miteinander verglichen. Dabei werden keine Faktoren berücksichtigt, die den sogenannten „Gender Pay Gap“ oder „Gender Wage Gap“ erklären könnten. Der auf diese Weise ermittelte geschlechtsspezifische Lohnunterschied bewegt sich in Deutschland seit Mitte der 90er Jahre zwischen 21 und 23 Prozent.

  • Bereinigte Lohnlücke:

    Die Gründe für geschlechtsspezifische Lohndifferenzen sind vielschichtig: Berufswahl, Beschäftigungsumfang (Teilzeit), Bildungsstand, Berufserfahrung, weniger Führungspositionen zählen zu den wichtigsten. Rechnet man diese strukturellen Gründe heraus, bleibt dennoch ein unerklärbarer Restunterschied in Höhe von etwa sechs Prozent. Das ist der bereinigte Gender Wage Gap.

  • Vergleich:

    Im EU-Mittel liegt der Gender Pay Gap bei 16 Prozent. Nur in Estland und in der Tschechischen Republik klafft die Lohnlücke weiter auseinander als in Deutschland. In Frankreich beträgt sie 15, in Schweden 13 und in Belgien sechs Prozent. Auffällig ist die kleine Lücke von 6-7 Prozent in den ostdeutschen Ländern. Hauptgrund: Dort verdienen Männer im Schnitt weniger, weil es weniger hoch bezahlte Jobs gibt.

  • Entgelttransparenzgesetz:

    Seit Januar 2018 besteht in Deutschland in Betrieben mit über 200 Beschäftigten ein Auskunftsrecht über Löhne in vergleichbaren Positionen. Eine Blitzumfrage bei großen Arbeitgebern in der Region zeigte: Es wird kaum genutzt. Bei Continental und Infineon gingen um die 20 Anfragen ein, bei der Maschinenfabrik Reinhausen eine, bei Krones vier, bei Osram und der Uni Regensburg keine. (asa)

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