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Kommentar

Eine Justizoper

Ein Kommentar von Pascal Durain, MZ

Es kam, wie es kommen musste in einem Prozess, in dem der Angeklagte mehr will, als nur freigesprochen zu werden. Gustl Mollath will die Verhandlung um jeden Preis selbst steuern. Mollath will Wiedergutmachung, seine Rehabilitation dadurch erlangen, dass sämtliche Verwicklungen und Intrigen, die gegen ihn gesponnen worden seien, aufgedeckt werden.

Aber in einem Strafprozess geht es darum, über das zu entscheiden, was in der Anklageschrift steht. Und dort steht: Freiheitsberaubung, gefährliche Körperverletzung, Sachbeschädigung. Dazu gehört natürlich auch die Überprüfung, welche Motive die Ex-Frau des Angeklagten gehabt haben könnte, ihn falsch zu belasten. Die Hauptbelastungszeugin schweigt – Mollath tut dies ebenso. Nun kam es wieder zum Bruch zwischen Verteidigern und Mandant – der Prozess platzte nur nicht, weil die beiden Verteidiger bisher einen so hervorragenden Job gemacht haben. Davon sind Richterin und Staatsanwalt überzeugt.

Dumm nur, dass Mollath nicht mehr daran glaubt. Egal, zu welcher Überzeugung das Gericht am Ende gelangt, das Vertrauen in die Justiz wird er nicht wieder erlangen. Dabei steht zweifelsfrei fest: Das Gericht will die Sache akribischst aufklären und ihm eine zweite Chance geben – dafür sprechen 17 Verhandlungstage und 44 Zeugen bei vergleichsweise minderschweren Vorwürfen.

Mollath hat andere Ziele – nun droht, dass er, das vermeintliche Justizopfer, das Verfahren zur Farce herabwürdigt. Das hat er selbst zu verantworten. Sein Verteidiger Strate, der ihn eineinhalb Jahre lang ehrenamtlich vertrat, drückte das vor wenigen Tagen so aus. „Herr Mollath kann nicht mehr zwischen Freund und Feind unterscheiden.“

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