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Eine Mischung aus Otto und Polt

Matthias Meier von „Da Huawa, da Meier und I“ spricht über Kabarett, Cleopatra, Bud Spencer und … Familienzeit.
von Kerstin Hafner, MZ

Matthias Meier im Interview Foto: Blende80
Matthias Meier im Interview Foto: Blende80 Foto: BLENDE80

Die Intelligenz eines Menschen kann man an seinen Zähnen abzählen. Alles unter drei sammelt sich bei RTL“ – davon ist Matthias Meier felsenfest überzeugt. Manchmal hat man es als Kabarettist halt auch nicht leicht, da gehört TV-Kost wie „Adam sucht Eva“ einfach zum kulturellen Background. Aus allen Abgründen, in die das Abendland so driftet, lässt sich schließlich Munition für die Bühne gießen. „Da Huawa, da Meier und I“ sind mit ihrer Mischung aus Sozialkritik, Komik und Heimatverbundenheit längst über die Bezirksgrenzen hinaus bekannt; seit heuer ist Matthias Meier (da Meier) auch solo unterwegs. „Ausgewogen“ heißt sein neues Programm. Im Trio spielt er den Part des Showmakers, solo ist er sogar Showmaster – natürlich wieder mit unzähligen Verkleidungen und Instrumenten. Sogar einen Thermomix bringt da Meier zum Singen.

Mensch Meier, sag mal, wie viele Instrumente spielst Du eigentlich?

Richtig gelernt hab’ ich eigentlich nur Trompete und ein bisserl Schlagzeug. Den Siegi (Nachname: Mühlbauer, Bühnenname: da I, Anm. d. Red.) kenn’ ich vom Jugend-Blasorchester Furth. Den Rest der Instrumente hab’ ich mir selbst beigebracht: E-Bass, Klavier, Tuba, Tenorhorn, Pustekeyboard ... die Teile standen bei uns daheim rum, mein Vater ist ein absoluter Vollblutmusiker. So hab’ ich von klein auf nix anderes getan, als alle möglichen Instrumente zu spielen.

...und wie kommt man auf so schräge Gerätschaften wie den Mörtelkübelbass oder das Klorophon, die bei Euch schon Verwendung gefunden haben?

Mei, ich hab’ vor meiner Musikerlaufbahn zehn Jahre lang Badkeramik verkauft. Eines schönen Tages war mir dabei so fad, dass ich aus einer Kloschüssel ein Instrument gebastelt hab.

Christian Maier, da Huawa, ist gelernter Landmaschinenmechaniker und der Siegi Schreiner. Zwei von Euch stammen aus der Chamer Ecke, einer aus der Landshuter Gegend. Wie habt Ihr denn überhaupt als Band zusammengefunden?

Der Siegi und ich hatten zuerst einen anderen Huawa, der wirklich Huber hieß, daher auch der Bandname, der uns bei einer kurzfristigen Begebenheit mal spontan eingefallen ist. Der erste Huber war ein echter Speedmetal-Freak, dem waren wir zu g’miatlich. Der Siegi ist in Plattling auf die Musikfachschule gegangen und hat dort den Maier Christian kennengelernt. Als er bei uns eingestiegen ist, musste der Maier dann eben der Huawa sein.

Stimmt es, dass Ihr alle drei aus Bauernhöfen stammt oder erzählt Ihr das auf der Bühne bloß, weils gut zum Image passt?

Also, meine Eltern hatten früher ganze drei Kühe (lacht) und der Siegi betreibt heute hobbymäßig eine kleine Rinderzucht mit Bio-Zertifikat. Christians Eltern hatten wirklich einen großen Bauernhof und der Nachbar tatsächlich einen doppelstöckigen Saustall, über den wir im ‚Bauernblues‘ auch singen.

Wie funktioniert eigentlich ein Kabarett-Programm? Hat das Struktur oder spielt man einfach drauflos?

Man braucht auf der Bühne verschiedene Charaktere, die sich den Ball zuspielen, sonst wird’s schnell fad. Bei uns übernimmt da Huawa die Moderation und die direkte Sozialkritik, da Meier unterstützt ihn auf komödiantische Art und da I ist der Vermittler zwischen beiden. Dafür ist der Siegi mit seinem trockenen Humor prädestiniert.

Wer ist bei Euch der Textschreiber/ Musikschreiber?

Normalerweise schreibt Christian die Texte und auch das musikalische Grundgerüst, dann kommen wir dazu und arbeiten die Songs zu dritt aus. Alle drei Jahre gibt’s ein neues Programm.

Habt Ihr nach bald 18 Jahren und mehr als 1500 Auftritten noch Lampenfieber?

Nicht direkt Lampenfieber, kurz vor dem Auftritt gibt es eine gewisse Grundanspannung und Respekt vor dem Publikum.

Ehrlich? Angst, dass jemand nicht lacht? Wie kann man bei Euch ernst bleiben...?

Danke! (verneigt sich) Das ist eher das Problem in dialektfremden Regionen. Wir passen uns von der Mundart her ja überhaupt nicht an. Da braucht das Publikum dann einfach länger, bis es aus der Reserve kommt, die Leute müssen sich anfangs einfach mehr konzentrieren.

Zur Person

  • Matthias Meier

    Matthias Meier ist 36 Jahre alt, verheiratet und Vater eines neunmonatigen Buben. Der gelernte Kaufmann und Kabarettist lebt in Rieding bei Cham, ist Geschäftsführer der Meier&Baum Ticket GmbH für faire Tickets ohne Vorverkaufsgebühr, hat sein eigenes kleines Tonstudio am Haus und spielt aktuell drei verschiedene Programme. Außerdem verfasst er für das Bayerwald Echo monatlich eine satirische Kolumne und plant mit Freunden eine Online-Videoreihe zum bayerischen Brauchtumskalender (Arbeitstitel: kabarett-aus-bayern). Nächste Auftritte: Da Meier solo in Neumarkt am 28. Dezember, Parsberg am 29. Dezember und Straubing am 13. Januar, mit Da Huawa, da Meier und I am 2. März in Schönberg und am 23. März in Schierling. Die Auftritte des Bandprojekts Irish-Bayrisch von „Da Huawa, da Meier und I“ mit den Iren „Na Ciotogi“ findet man kurzfristig auf der Facebook-Seite des Kabarett-Trios.

Was ist der Unterschied zwischen Deinem Part bei Da Huawa, da Meier und I und Deinem neuen Soloprogramm?

Bei Da Huawa, da Meier und I entstehen 90 Prozent meines Parts auf der Bühne spontan, das geht bei einem Soloprogramm natürlich nicht. Ich habe jahrelang Ideen gesammelt. Das Solo läuft eher nach alter Showmaster-Tradition, ich moderiere, spiele viele Facetten, Slapstick, Sozialkritik, Musik – eine Mischung aus Otto Waalkes und Gerhard Polt. So würde ich das am liebsten beschreiben.

Allein bist aber nicht mit einem Tourbus unterwegs, oder?

Nein, ich hab mir extra eine Dachbox gekauft, jetzt hat der BMW noch zwei Millimeter Luft in der Garage. Glück braucht der Mensch.

Und was schleppst Du alles mit?

Diverse Verkleidungen und Instrumente, meine Helene-Fischer-Perücke, den Thermomix und natürlich meine Co-Moderatorin, die Schedlbauer Cleopatra.

Und die schläft in der Dachbox?

Ja, des is’ a Schaufensterpuppn. (grinst breit) Die Polizei hat mich mal angehalten – allgemeine Fahrzeugkontrolle. Die dachten, i’ hab’ nimmer alle Latten am Zaun.

Irgendwie nachvollziehbar. Aber nachdem sie Dich nicht eingekastelt haben, was machst denn an Weihnachten? Was bedeutet das Fest für Dich?

Bisher war Weihnachten für meine Frau Sabine und mich immer total stressig. Den ganzen Heiligabend lang haben wir sämtliche nahen Verwandten besucht. Heuer ist es das erste Fest mit unserem eigenen Nachwuchs, da machen wir es uns daheim ganz gemütlich, mit Baum und Lichterketten und gutem Essen und Geschenken. Und die Verwandtschaft oder gute Freunde besuchen wir an den beiden Feiertagen.

Stichwort Essen – Du schaust dünner aus ...

Ich hab auch 15 Kilo abgenommen. Man sieht es mir zwar immer noch nicht an, aber ich ernähre mich seit sieben, acht Jahren recht gesund, koche meine eigenen Brühen und so weiter.

Du kochst selber?

Mittlerweile ja. (grinst) Früher hab’ ich die Wiener Würschtl im Wasserkocher heiß gemacht, heute hab ich einen Sous-Vide-Garer. Manchmal stell’ ich mich stundenlang in die Küche und mach’ ein ganzes Menü. Das entspannt mich total. Da kann ich abschalten. Oft hock’ ich ja den ganzen Tag oder die halbe Nacht im Büro und jongliere Zahlen. Sabine ist mein Versuchskaninchen und muss die Kreationen dann probieren.

Du hast aber nicht so wahnsinnig viel frei in der staden Zeit, stehst am 28. und 29. Dezember schon wieder in Neumarkt und Parsberg solo auf der Bühne …

Ja, aber das macht ja Spaß. Und zwischendurch hab’ ich genug Zeit, mich mal a Stunde in die Wanne zu legen oder in die Sauna zu gehen.

Und der kleine Sohnemann weckt Euch nachts nicht auf?

Unser Bua is’ a Kind für Anfänger! Wirklich, der schläft von acht bis halb acht und wird zwischendurch einmal wach. Der Bua is’ Zucker.

Ein Idol Deiner eigenen Kindheit ist letztes Jahr gestorben: Bud Spencer ...

Ja, der große Carlo Pedersoli. Ein absolutes Original, nicht kopierbar. Und das war noch eine ganz andere Art von Unterhaltung. Heute spritzt überall das Blut rum. Manchmal wär’ ich gern wie er und würd’ ein paar Leuten den Hintern versohlen.

So? Wem denn im Speziellen?

Zum einen allen, die meinen, sie müssten sich jetzt unbedingt als Trachtenkasper verkleidet auf eine Bühne stellen und auf die boomende bayerische Welle aufspringen, obwohl sie null Bezug zu Bayern haben. Deswegen geh’ ich momentan lieber in Jeans auf die Bühne. Und zum anderen ... sagen wir es mal so: Der traurigste Akkord in der Musik ist d-moll … und die Töne sind A,F,D. Ich habe gerade rund hundert meiner Follower auf Facebook rausgeschmissen, weil sie rechtsextreme Aussagen liken oder posten. In sozialen Medien entwickelt sich sowas lawinenartig, plötzlich herrscht keinerlei Objektivität mehr.

Der Text ist eine Leseprobe aus der Sonntagszeitung, die die Mittelbayerische exklusiv für ePaper-Kunden auf den Markt gebracht hat. Ein Angebot für ein Testabo der Sonntagszeitung finden Sie in unserem Aboshop.

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