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Donnerstag, 19. Juli 2018 29° 1

Züge

Eine S-Bahn für den Großraum Regensburg?

Der Verkehr soll von der Straße auf die Schienen. In der Stadt kommt die Tram – zieht das Umland in naher Zukunft nach?
Von Michael Sperger

Eine S-Bahn, wie hier in Nürnberg, könnte es bald auch im Raum Regensburg geben. Foto: Daniel Karmann/dpa
Eine S-Bahn, wie hier in Nürnberg, könnte es bald auch im Raum Regensburg geben. Foto: Daniel Karmann/dpa

Regensburg.Jeden Tag im morgendlichen Berufsverkehr hören Autofahrer im Verkehrsfunk dieselben Meldungen: Kilometerlange Staus auf der A3. Die Baustellen im Zuge des sechsspurigen Ausbaus sind Schuld daran.

Zu allem Überfluss sind acht Bundesländer bereits in den Sommerferien. Viele kommen auf ihrem Weg gen Süden in Ostbayern vorbei. „Dabei dürften die Staus noch ein bisschen länger werden als am Vorwochenende“, prognostiziert der ADAC Südbayern. Das alles bekommen die Autofahrer im Großraum Regensburg und in den angrenzenden Landkreisen zu spüren. Auf den Straßen droht der Infarkt.

Das Verkehrsproblem beschäftigt auch die Landräte von Regensburg, Schwandorf, Neumarkt, Kelheim und Cham. Gemeinsam mit der Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer wenden sie sich in einer gemeinsamen Erklärung am kommenden Dienstag an die Bayerische Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Ilse Aigner: Der Großraum Regensburg braucht eine S-Bahn, eine Straßenschnellbahn. Eine S-Bahn ist eine Eisenbahn und Teil des Regionalverkehrs.

Landräte halten sich bedeckt

Auf Anfrage unseres Medienhauses hielten sich die Landratsämter zu den Details des Plans gestern bedeckt. „Die gemeinsame Erklärung befindet sich derzeit noch in der finalen Abstimmung zwischen allen beteiligten Landkreisen und der Stadt Regensburg“, sagt Hans Fichtl, Pressesprecher des Landratsamts Regensburg und bittet bis zur kommenden Woche um Geduld. Am Dienstag treffen sich die zuständigen Landräte und die Bürgermeisterin anlässlich einer Tagung der Oberpfälzer Landräte in Wiesent im Landkreis Regensburg. Dort wollen sie die Erklärung unterschreiben.

Josef Weigl, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs im Landkreis Regensburg (GFN), war in die Planungen der Landräte miteinbezogen. Zu den Details wollte auch er sich nicht äußern. „Es ist auf jeden Fall eine gute Sache für Ostbayern“, sagt Weigl. Die Pläne sollen laut Weigl sehr konkret sein. Zum Beispiel könnten bereits erste Haltestellen ein Thema sein.

Die Möglichkeit einer S-Bahn ist bei Weitem nicht die einzige Maßnahme gegen den zunehmenden Verkehr. Die Stadt Regensburg hat diese Woche vorgelegt: Die Tram wird in der Hauptstadt der Oberpfalz ihr Comeback feiern.

Tram in Regensburg

  • Geschichte:

    1964 rollte die alte Tram das letzte Mal durch Regensburg. Alle sechs Minuten fuhr die Straßenbahn durch die Hauptstadt der Oberpfalz. Bereits 1955 wurde die Linie drei vom Schlachthof bis zum Domplatz stillgelegt. Ein restaurierter Wagen der Tram war auf dem Regensburger Ostengassen-Fest zu sehen.

  • Renaissance:

    1996 hatten die Grünen das Thema Tram im Kommunalwahlkampf erstmals wieder aufgegriffen. Das war drei Jahre, nachdem der ökologische Verkehrsclub Deutschland seine Studie „Stadtbahn für Regensburg“ vorgestellt hatte. Lange Zeit tat sich bei diesem Thema jedoch nichts mehr. Die Tram geriet in Vergessenheit.

  • Durchbruch:

    2014 beschließt die bunte Koalition in Regensburg die erneute Prüfung einer Stadtbahn. Vor einer Woche stimmten die Parteien im Regensburger Stadtrat einstimmig für die Rückkehr der Tram. 246 Millionen Euro soll die Infrastruktur der neuen Stadtbahn kosten. Montags bis freitags soll die Bahn auf zwei Linien jeweils alle fünf Minuten fahren.

Das beschloss der Stadtrat endgültig in einer Sitzung am Donnerstag. In zwölf bis 15 Jahren sollen die ersten Züge rollen. Gutachter rechnen in der Regensburger Stadtbahn mit einer Kapazität von 250 Fahrgästen pro Fahrzeug, 3000 pro Stunde. Die geplanten zwei Linien decken aber nur das Stadtgebiet Regensburg ab.

Tram bleibt in der Stadt

Die Tram ist eine elektrisch betriebene Straßenbahn. Die Planer entschieden sich vorerst für zwei Linien im Stadtgebiet. Auch im Landkreis Cham will man den Schienenverkehr ausbauen. „Für den Landkreis Cham geht es vor allem darum, die in beide Richtungen gehenden Pendlerströme zwischen den Räumen Regensburg und Cham verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern“, sagt Friedrich Schuhbauer Pressesprecher des Landratsamts Cham. Zugreisende müssen über Schwandorf nach Regensburg fahren. Die reine Fahrt ohne Wartezeiten dauert über eine Stunde. Dazu kommen Wartezeiten beim Umsteigen. Eine schnellere Verbindung nach Regensburg mit kürzeren Wartezeiten sei das Ziel der Chamer.

Diese Maßnahmen sind aber erstmal Zukunftsmusik. Doch auch aktuell werden die klagenden Stimmen der Pendler während der Baustellen des A3-Ausbaus immer lauter.

„Der Schienenverkehr ist das Rückgrat unseres ÖPNV.“

Josef Weigl, Geschäftsführer der GFN

Für sofortige Entlastung will die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) sorgen. Das Zugangebot zwischen Schwandorf und Regensburg wird ab dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 deutlich ausgebaut. Regionalexpresszüge in Richtung Regensburg werden zusätzlich in Undorf halten, um auch den westlichen Landkreis, ebenfalls speziell betroffen vom A3-Ausbau, zusätzlich zu entlasten. Laut Landrätin Tanja Schweiger fehlt noch eine Lösung für den Zugverkehr zwischen Sinzing und Regensburg.Die schnellste und kürzeste Verbindung zwischen Sinzing und Regensburg ist eine Autobahnbrücke über die A3. Bei Staus auf der Autobahn ist das Durchkommen in die Stadt deshalb schwer. Busse stehen genauso wie Autos im Stau. „Der Schienenverkehr ist das Rückgrat unseres ÖPNV“, sagt Weigl. Deshalb seien Verbesserungen in diesem Bereich jetzt und in Zukunft besonders wichtig.

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