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Eklat um Haderthauer

Die bayerische Sozialministerin beklagt sich via Facebook über Medienvertreter und löst heftige Reaktionen aus. Nach Protesten löscht sie umstrittene Kommentare.
Von Christine Schröpf, MZ

  • Sozialministerin Christine Haderthauer steht unter Druck. Fotos: dpa
  • Dieses Bild von einem Asylbewerber mit Krücken vor dem Auto der Ministerin bezeichnete Haderthauer zunächst als gestellt. Später korrigierte sie sich.
  • Unter die Demonstranten vor der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Würzburg hatte sich am vergangenen Donnerstag auch die Landtagsabgeordnete Simone Tolle (Grüne) gereiht. Sie trugt ein Schild mit der Aufschrift „Lager töten“ um den Hals. Im März 2012 waren zehn iranische Asylbewerber in Würzburg öffentlich in den Hungerstreik getreten. Aus diesen Protesten entwickelte sich in den darauffolgenden Monaten eine bundesweite Bewegung.

München.Nach ihrer Flucht vor protestierenden Asylbewerbern in den eigenen Dienstwagen am vergangenen Donnerstag in Würzburg fühlte sich Sozialministerin Christine Haderthauer von Medien schlecht behandelt und machte ihrem Ärger in harschen Worten im sozialen Netzwerk Facebook Luft – nun hat sie den nächsten Ärger am Hals: Der Bayerische Journalistenverband weist die pauschale Medienschelte der CSU-Frau von sich und spricht von einem „eigenartigem Verhältnis zur Presse und ihren Aufgaben“. Haderthauer hatte nach Berichten über den Zwischenfall vor der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber behauptet, Journalisten veröffentlichten „auch mal einfach Behauptungen nur weil sie zur Story passen“. Ein Bild, dass eine Demonstranten in Krücken vor ihrem Wagen zeigte, bezeichnete sie zunächst als gestellt, ruderte später zurück. Es sei wohl nur zu einem anderen Zeitpunkt entstanden. Mit einem Report der „Main-Post“ lieferte sie sich via Facebook Wortgefechte.

Haderthauer war nach einem Besuch der Gemeinschaftsunterkunft vor der Tür von Asylbewerbern erwartet worden. Sie verweigerte ein spontanes Gespräch, weil sie sich bedrängt fühlte. Der unterfränkische SPD-Abgeordnete Volkmar Halbleib war Zeuge des Geschehens. „Dass sich die Sozialministerin im Auto verschanzt, ist schon schlimm genug“, äußerte er sich am Montag. „Undemokratische und hetzerische“ Kommentare von Haderthauers Unterstützern auf Facebook überschritten aber deutlich die Grenze. Von „links-grünem Gutmenschensekret“ war dort zu lesen, der „eimerweise“ von Journalisten abgesondert werde. Einer wollte einen Bus spendieren, mit dem Asylbwerber offenbar außer Landes gebracht werden sollten.

Halbleib appellierte an die Ministerin, sich von krassen Äußerungen zu distanzieren. Die Medien haben nach seiner Einschätzung zudem korrekt über den Vor-Ort-Termin am Donnerstag berichtet. „Dass einem nicht jeder Pressebericht gefällt, das kenne ich auch, die unbequeme Wahrheit verfälschen zu wollen, gehört sich aber nicht – schon gar nicht für ein bayerisches Kabinettsmitglied.“

Haderthauer reagierte am Montag auf die Proteste und löschte eine Reihe der umstrittenen Posts von ihrer Facebookseite. Sie distanzierte sich aber nicht von Fremdkommentaren. Aus Prinzip, wie sie meinte. „Auch wenn mir hier nicht alles gefällt, werde ich nicht dazu übergehen, alle Posts, die nicht meiner Meinung entsprechen, zu löschen oder mich nach jedem Post, der mir nicht gefällt, ausdrücklich davon zu distanzieren.“

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