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Konzert

Entstressen auf Oberpfälzisch

Die Raith-Schwestern verdanken ihrem Vater die Idee für den „Altbayerischen Advent“. Das Publikum ist begeistert.
Von Isolde Stöcker-Gietl

Die Raith-Schwestern und der Blaimer gehen in diesem Jahr erneut mit ihrem „Altbayerischen Advent“ auf Tour.Foto: Raith-Schwestern
Die Raith-Schwestern und der Blaimer gehen in diesem Jahr erneut mit ihrem „Altbayerischen Advent“ auf Tour.Foto: Raith-Schwestern

Regensburg.Manche Dinge passieren einfach. Man kann sie nicht steuern und nicht planen. Man kann sie sich auch nicht ausdenken. So war das vor einigen Jahren, als die Raith-Schwestern am Heiligen Abend nach Hause kamen und ihren Vater mit ziemlich schlechter Laune antrafen. Er stürmte gerade auf das Radiogerät zu und drehte entnervt am Regler. Eigentlich war er kurz davor, das Gerät in die Ecke zu werfen“, erinnert sich Tanja Raith. „Den ganzen Tag nur Jingle Bells – spielen die Radiosender denn gar keine richtigen Weihnachtslieder mehr“, beklagte er sich bei den Töchtern. Kurz danach versammelte sich die ganze Familie – wie jedes Jahr – vor dem Christbaum und musizierte. Alte Volkslieder, die sie schon immer gesungen und mit Gitarre, Akkordeon und Hackbrett begleitet hatten. Dass daraus einmal ein Bühnenprogramm werden könnte, darüber dachten sie an jenem Abend nicht nach. Nun geht der „Altbayerische Advent “ zum zweiten Mal auf Tour – und das Publikum ist begeistert.

Die Lieder ihrer Kindheit

„Still, weil’s Kindlein schlafen will“, „Jetzt kimmt de schene staade Zeit“ – Lieder, die man bei Weihnachtsfeiern eigentlich so gut wie gar nicht mehr hört, haben die Raith-Schwestern und der Blaimer für das Programm zusammengetragen. „Eigentlich ist es das, was wir schon als Kinder mit unserer Mutter gesungen und gespielt haben “, sagt Tanja Raith. Denn das Musizieren der Generationen, zuhause bei den Eltern in Roding, gehört für die Schwestern zu jedem Weihnachten dazu.

Andi Blaimer hat, nachdem sich sein Schwiegervater so sehr über das Radioprogramm geärgert hatte, jenes abendliche Familienkonzert aufgenommen und auf CD gepresst. „Und als wir im Jahr darauf an Heiligabend nach Hause kamen, da hat mein Vater die CD gespielt – den ganzen Tag“, erzählt die Sängerin. Der Vater gab letztlich auch den Ausschlag, dass die Raith-Schwestern und der Blaimer über einen besinnlichen Abend mit Publikum nachdachten. „Er hat sich gewünscht, dass wir die Lieder in der Rodinger Mehrzweckhalle spielen.“ Und da kam eins zum anderen und die erste kleine Weihnachtstournee war geplant.

Einen Nerv getroffen

Schon die ersten Konzerte zeigten, dass die Musiker einen Nerv getroffen hatten. Die Mittelbayerische Zeitung schwärmte: „Mit traumwandlerischer Sicherheit treffen die Raith-Schwestern den richtigen Ton, von dem man gar nicht glauben kann, dass es ihn noch gibt.“ Andere Medien sprachen von einem tief vergrabenem Schatz, den sie gehoben haben und von Stimmen, die zu Herzen gehen. Man erlebt die Raith-Schwestern und den Blaimer, die sonst mit fetzigen Kabarett-Programmen auf der Bühne stehen, plötzlich auf eine ganz andere Art. Die Stimmen sind voluminös wie immer und doch sind die Töne ganz anders.

Auch für Tanja und Susanne ist das Programm eine Reise, zu sich selbst, aber auch zurück in ihre Kindheit. Es sind die Lieder, die sie als noch ganz junge Sängerinnen gemeinsam mit ihrer Mama in der Vorweihnachtszeit in Krankenhäusern und Altenheimen gesungen haben, um den Menschen dort ein paar schöne Stunden zu bereiten. Die Lieder waren also nie wirklich weg, sie waren nur von den internationalen Weihnachtsliedern – also jenen Jingle Bells- und White Christmas-Klängen verdrängt und vielleicht auch schon zum Teil vergessen worden. Schließlich lernen ja selbst die Kinder heute in der Schule keine Oberpfälzer Volkslieder mehr.

Die Raith-Schwestern mit ihrer Mama bei einem Auftritt im Jahr 2002. Foto: Archiv
Die Raith-Schwestern mit ihrer Mama bei einem Auftritt im Jahr 2002. Foto: Archiv

Dass die Menschen ihre Wurzeln nicht mehr kennen, dass alte Lieder und Geschichten aus der Oberpfalz immer mehr in Vergessenheit geraten, das treibt die Musiker schon länger um. Mit „Wisst’s wou mei Hoamat is“ haben sie neben dem Altbayerischen Advent ein weiteres traditionelles Volksmusikrepertoire zusammengestellt, das sie anreichern mit alten Geschichten und Legenden präsentieren. Auch zum Weihnachtsprogramm wird Andi Blaimer besinnliche Geschichten beitragen, die die Mutter von Tanja und Susi aus alten Erzählungen zusammengeschrieben hat. Auch aus der eigenen Familiengeschichte gibt es etwas zu hören, von jenem Weihnachtsfest, als der Opa im Krieg verschollen war und die Oma nicht mehr glaubte, dass er zurückkehren würde, erzählt Tanja Raith.

Konzert in der Philharmonie

Zehn Mal werden die Schwestern und der Blaimer mit dem Altbayerischen Advent auf der Bühne stehen. Sie spielen von Weiden bis Regensburg und von Amberg bis Furth im Wald. Außerdem sind sie am 7. Dezember bei der bayerischen Rauhnacht mit Tatort-Kommissar Harald Krassnitzer in Rosenheim dabei. Am 16. Dezember treten sie mit dem Trentiner Bergsteiger Chor in der Münchner Philharmonie auf. „Wenn die La Montanara, was wir als Kinder auch immer gehört haben singen, dann muss ich mich echt zusammenreißen, dass ich noch einen Ton rausbringe“, sagt Tanja Raith und lacht. „Da kommen Emotionen hoch und wir freuen uns sehr auf diesen gemeinsamen Auftritt.“ Am 22. Dezember sind die Raith Schwestern zu Gast bei Sabine Sauer in der Sendung „Wir in Bayern“ ab 15 Uhr im BR.

Die Nachfrage nach dem Adventsprogramm der Sängerinnen ist so groß, dass sie sich selbst bremsen mussten, um nicht in vorweihnachtlichen Stress zu geraten. Wenngleich Tanja Raith sagt, dass die schönen besinnlichen Volkslieder auch ihnen gut tun. „Wenn wir nach eineinhalb Stunden von der Bühne gehen, dann sind wir entspannt und richtig besinnlich gestimmt – da geht es uns nicht anders wie unserem Publikum.“

Konzerte: Der Auftakt ist am heutigen Freitag in Furth im Wald im Reinhold-Macho-Haus. Danach geht es nach Oberhausen, Burglengenfeld (8.12., VAZ), Neunburg vorm Wald (9.12., Schwarzachtalhalle), Amberg (13.12., Congress Centrum), Oberaltteich (14.12.), Wunsiedel (15.12.), Reichertshausen (16.12.), Regensburg (17.12., Kolpinghaus) und Weiden (23.12. Max-Reger-Halle). Karten sind über okticket.de erhältlich.

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