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Brauchtum

Er ist der Straubinger Volksfestmanager

Max Riedl hält seit 1978 die Fäden des Straubinger Gäubodenfestes in der Hand – und kommt ganz ohne Lederhose aus.
Von Melanie Bäumel-Schachtner

Ein „Allrounder“ vor dem Fahrgeschäft „Allround“: Max Riedl plant seit 41 Jahren das Gäubodenfest und ist nicht nur beim Aufbau der Fahrgeschäfte ein wichtiger Ansprechpartner.  Foto: Melanie Bäumel-Schachtner
Ein „Allrounder“ vor dem Fahrgeschäft „Allround“: Max Riedl plant seit 41 Jahren das Gäubodenfest und ist nicht nur beim Aufbau der Fahrgeschäfte ein wichtiger Ansprechpartner. Foto: Melanie Bäumel-Schachtner

Straubing.In den Vordergrund stellen mag er sich überhaupt nicht. Für ihn ist es reine Teamarbeit, wenn nach elf fröhlichen Tagen jedes Jahr das Gäubodenfest erfolgreich zu Ende gegangen ist. Doch Max Riedl ist mehr als nur Teil einer gut zusammenhaltenden Gruppe. Er ist Prokurist der Straubinger Ausstellungs GmbH, die jedes Jahr das zweitgrößte Volksfest in Bayern plant, durchführt und abschließt. Kurz: Er ist der Volksfestmanager und untrennbar mit der fünften Jahreszeit in Straubing verbunden.

Als Max Riedl 1978 das erste Volksfest mitplante, war er noch städtischer Beamter im Festamt, das damals für das Gäubodenfest verantwortlich zeichnete. Binnen mehr als 40 Jahren hat sich viel getan. Seit 1992 ist eine städtische Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die Ausstellungs GmbH, für das Gäubodenfest zuständig. „Damals wurde der Bau der Joseph-von-Fraunhofer-Halle geplant und das Gäubodenfest und die Ostbayernschau mit ausgelagert. Ich war damals ein ausgeliehener städtischer Beamter.“

Akribische Vorarbeit nötig

Dieses Leihverhältnis dauert nun schon ziemlich lang an. Seit einigen Jahren ist Max Riedl auch Prokurist der Ausstellungs GmbH. Früher plante er in erster Linie den Vergnügungspark, heute hält er die gesamten organisatorischen Fäden in der Hand. Die bunten, sich elf Tage drehenden Karussells und die sieben Festzelte, in denen fröhlich gefeiert wird, bedeuten hinter den Kulissen vor allem eines: viel Papierkrieg und eine akribische Vorarbeit. Bereits jetzt, noch vor Beginn des Gäubodenfestes, werden die Ausschreibungen für das Fest 2020 gemacht, im Oktober ist schon wieder Meldeschluss. Vor dem Fest 2019 ist eigentlich schon vor dem Fest 2020.

Max Riedl liebt seinen Job. Von seinem Büro aus blickt er ab diesem Freitag wieder auf die Ostbayernschau und das sich bald drehende Riesenrad. Auf dem Fenstersims steht ein Karussell aus Keramik, ein Clown und ein Holzpferdchen als Deko. Der Straubinger sagt, er macht seinen Job mit Liebe, aber auch mit einer großen Portion Neutralität. Man kennt sich, oft seit Jahrzehnten, unter den Schaustellern. Dennoch – wenn es um die Vergabe der begehrten Plätze auf dem Straubinger Hagen geht, muss die Vernunft walten. Wer drankommt, entscheidet allein ein ausgeklügeltes Punktesystem. „Wir sind das Bindeglied dafür, dass die Schausteller ihr Geschäft machen und die Besucher ihren Spaß haben“, erklärt Max Riedl und sagt, dass er auf beides schauen muss. Beides gehöre dazu, um das Gäubodenfest für alle Beteiligten zu einem Erfolg zu machen.

Das Gäubodenfest

  • Termin:

    Das Gäubodenfest findet vom 9. bis 19. August auf dem Straubinger Hagen statt.

  • Eröffnung:

    Auftakt ist am heutigen Freitag um 17.30 Uhr mit dem bunten Volksfestauszug. Am Samstag eröffnet um 10 Uhr EVP-Fraktionsvorsitzender Manfred Weber das Gäubodenfest offiziell.

  • Veranstaltungen:

    Im Rahmen des Gäubodenfestes finden rund 70 verschiedene Veranstaltungen statt. Großer Beliebtheit erfreut sich die Lampionfahrt, die am 12. August die Donau erleuchtet. Am 11. August um 11.30 Uhr wird die bayerische Sprachwurzel verliehen. Das Volksfest 2019 endet mit dem großen Prachtfeuerwerk am Montag, 19. August.

Er macht die Verträge und stimmt mit seinem Team gemeinsam ab, welches Fahrgeschäft und welcher Imbiss wo genau steht. Auch wo die Wohnwägen platziert werden, wird genau ausgetüftelt: „Jeder Meter wird optimal genutzt, Planung ist dabei alles.“ Entstehen solle eine gesunde, abwechslungsreiche Mischung. Dass Losbude neben Losbude steht, kommt nicht vor. Auch die Mandelverkäufer sind verteilt. Große Fahrgeschäfte reihen sich neben kleine und Imbissen ein. Das Umherschlendern soll Abwechslung versprechen und den Besuchern Lust machen, noch eine Runde zu drehen.

Der Prokurist kennt aber auch die Sorgen und Nöte der Branche. Seit Jahrzehnten. Derzeit, so sagt er, ist das Schaustellerwesen stark im Wandel. „Das Hauptproblem ist der Personalmangel“, weiß er. Deshalb stellen ihm zufolge viele Schausteller um auf leichtere Fahrgeschäfte, die schneller aufzubauen sind, weniger Personal brauchen und auch weniger Energie kosten.

Aufregendste Zeit im Jahr

Aber auch die Planung eines Volksfestes ist schnelllebiger geworden. Ging man früher noch zu Fuß zu den Schaustellern und redete mit ihnen oder sprach in riesige Funkgeräte, ist man heute per Handy jederzeit erreichbar. Auch die Schwerpunkte haben sich verlagert. Seit den Terror-Vorfällen spielt Sicherheit eine Hauptrolle – mittlerweile aber auch der Umweltschutz. Und das Thema Werbung auf allen Kanälen wird immer wichtiger.

Zum Gäubodenfest werden in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher erwartet.Foto: Armin Weigel/dpa
Zum Gäubodenfest werden in diesem Jahr wieder zahlreiche Besucher erwartet.Foto: Armin Weigel/dpa

Max Riedl liebt das Gäubodenfest, es ist aber in erster Linie auch sein Beruf. Dennoch macht es ihm Freude, abends eine Runde zu drehen: „Gerade im historischen Bereich ist dies sehr stimmungsvoll.“ Wer ihn fragt, wie viele Lederhosen er im Schrank hat, der wird enttäuscht. Zwar zieht der Volksfestmanager gerne mal ein Trachtenhemd an, „aber Lederhose habe ich keine einzige, auch, wenn ich das eigentlich gar nicht laut sagen darf“, schmunzelt er.

Ab diesem Freitag beginnt für ihn und sein 19-köpfiges Team, das verstärkt wird von 70 Schüler- und Studenten-Aushilfen, die arbeitsreichste und aufregendste Zeit im Jahr. Wenn am 19. August die letzte Maß ausgeschenkt und die letzten Runde Wellenflieger gedreht worden ist, dann hofft Riedl vor allem auf eines: „Dass das Fest pannenfrei und sicher über die Bühne gegangen ist und es den Leuten gefallen hat.“

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