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Mauerfall

Erinnerung an Freudentränen ist lebendig

Vor 25 Jahren kamen die DDR-Flüchtlinge aus Ungarn nach Niederbayern. Auf Passau blickte die ganze Welt.
Von Fritz Winter, MZ

Vor 25 Jahren rückten die Trabis an: Mit einem Festakt erinnerte der Bayerische Landtag am Freitag in Passau an die Grenzöffnung durch die Ungarn am 11. September 1989. Historische Aufnahmen wurden auf eine Leinwand projeziert, während sich Zeitzeugen an die historischen Ereignisse vor dem Mauerfall erinnerten.
Vor 25 Jahren rückten die Trabis an: Mit einem Festakt erinnerte der Bayerische Landtag am Freitag in Passau an die Grenzöffnung durch die Ungarn am 11. September 1989. Historische Aufnahmen wurden auf eine Leinwand projeziert, während sich Zeitzeugen an die historischen Ereignisse vor dem Mauerfall erinnerten. Foto: dpa

Passau.Wenn Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) an den 12. September 1989 zurückdenkt, bekommt sie heute noch feuchte Augen. Als junge Staatssekretärin hatte sie damals die Notaufnahmelager besucht, die nach der Öffnung der ungarischen Grenze für DDR-Bürger eingerichtet worden waren. „Abends saßen wir im Zelt und irgendjemend stimmte das Deutschlandlied an. Das werde ich nie vergessen“, erinnert sie sich.

Mit einem Festakt im Passauer Rathaussaal gedachte der Bayerische Landtag am Freitag der historischen Stunden vor einem Vierteljahrhundert. Deutschland sei damals durch die Mauer und einen Todesstreifen scharf getrennt gewesen. „Plötzlich tat sich ein Fenster auf - und die Grenzöffnung durch die ungarische Regierung war der entscheidende Impuls, der den Menschen die Freiheit brachte.“

Besonderer Dank an die Ungarn

Ganz herzlichen Dank sagte die Landtagspräsidentin den Ungarn für ihren Mut. „Wir Deutsche werden Ihnen nie vergessen, was sie damals möglich gemacht haben“, so Stamm. Die Mauer habe zu wanken begonnen, und schon wenige Wochen später sei der Eiserne Vorhang gefallen.

Es sei ein enormar Kraftakt gewesen, die vielen Flüchtlinge unterzubringen und ihnen den Start zu erleichtern, sagte Stamm. Auch heute lebe man wieder in einer angespannten Zeit. „Wie damals sollten die Menschen ihr Herz öffnen für die Flüchtlinge, die zu uns kommen“, sagte sie. Auch der Konflikt in der Ukraine führe vor Augen, dass der Friede in Europa nicht unverwundbar sei. Stamm: „Wenn vor 25 Jahren die Menschlichkeit gesiegt hat, so ist das auch heute wieder möglich“.

Zu dem Festakt waren auch zahlreiche Zeitzeugen eingeladen, die von den Ereignissen im September 1989 berichteten. So auch der ehemalige Ostberliner Kantinenwirt Gerhard Meyer, der mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern geflüchtet war. Dank seines schnellen Toyota Corolla, den er sich auf dem DDR-Schwarzmarkt beschafft hatte, war er am 11. September 1989 der erste, der nachts um Drei am Grenzübergang Suben ankam. „Wir waren 28 Jahre eingesperrt und dann schlafen da alle“, erinnerte er sich. Aber es dauerte nicht lange. „Da lagen sich die Menschen in den Armen und weinten“.

„Wir hatten ein Riesenglück“

Theo Waigel, damals Bundesfinanzminister, berichtete, dass die Bundesregierung in den Stunden der Grenzöffnung „hoffnungsvoll und angespannt“ gewesen sei. Die größte Sorge sei gewesen, dass sich blutige Ereignisse wie nach dem Ungarnaufstand 1956 oder nach dem Einmarsch des Warschauer Paktes 1968 in die Tschechoslowakei wiederholen könnten. „Aber keiner hat den Kopf verloren oder gar geschossen. Es gab eine große Verantwortungsgemeinschaft“, so Waigel.

Der damalige sowjetische Staats-und Parteichef Michail Gorbatschow habe Abschied genommen von der Doktrin des Leonid Breschnew und so den Völkern die Freiheit gebracht. „Ich weiß nicht, ob ein Putin das machen würde, was Gorbatschow gemacht hat“, so Waigel. „Wir haben alle ein Riesenglück gehabt“.

Glück hatte auch Cornelia Hellermann aus Sachsen, die heute in den USA lebt. In Ungarn versuchte sie kurz vor der Grenzöffnung auf eigene Faust zu fliehen. Sie wurde aber geschnappt. Die Ungarn sperrten sie aber nicht ein, sondern schickten sie ins Flüchtlingslager zurück. Von dort aus konnte sie am denkwürdigen 11. September 1989 ganz legal ausreisen.

In Weimar musste sie allerdings alle persönlichen Dokumente zurücklassen, weil die DDR-Staatssicherheit sonst sofort gemerkt hätte, dass die junge Frau die Flucht über Ungarn vorbereitet. Wieder kam ihr der Zufall zu Hilfe. Vom Notaufnahmelager in Hengersberg kam Cornelia Hellerbrand nach Grabenstätt am Chiemsee. Dort traf sie zwei Lehrer aus Passau, die ihr erzählten, dass sie noch im September 1989 eine Studienreise nach Weimar führen werde. Schnell wurde verabredet, dass sie einen Koffer mit fen wichtigsten Dokumenten mit in die Bundesrepublik bringen sollten. Aber wie sollte man sich in Weimar erkennen, ohne dass es auffiel? Hellerbrand: „Die haben ,InMünchen steht ein Hofbräuhaus‘ gesungen. Das war das Erkennungszeichen.

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