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Mobilität

Erste 365-Euro-Tickets schon ab Herbst?

Regierungschef Söder macht den Kommunen ein Angebot. Die Regensburger Bürgermeisterin lotet aus, wie schnell sie zugreift.
Von Christine Schröpf

Beim ÖPNV-Gipfel in der Staatskanzlei wurden erste Weichen für die Zukunft gestellt. Foto: Frank Leonhardt/dpa
Beim ÖPNV-Gipfel in der Staatskanzlei wurden erste Weichen für die Zukunft gestellt. Foto: Frank Leonhardt/dpa

München.Der ÖPNV-Gipfel in der Staatskanzlei endete am Montag mit ersten konkreten Angeboten von Regierungschef Markus Söder an die Kommunen: Das 365-Euro-Jahresticket für Schüler und Auszubildende könnte demnach in den großen bayerischen Verkehrsverbünden München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Ingolstadt oder Würzburg schon im Herbst starten, soll dort aber spätestens im nächsten Jahr umgesetzt sein. Der Freistaat erklärt sich bereit, zwei Drittel der Kosten zu übernehmen. Zudem gibt die Staatsregierung weitere rund 25 Millionen Euro für innovative Verkehrsprojekte abseits von München – auch um einen Kontrapunkt zu hohen Förderungen für die Landeshauptstadt zu setzen.

Zwei Millionen Euro für Regensburg

Nach Regensburg mit seinen laut Verkehrsministerium rund 38 Millionen ÖPNV-Gästen pro Jahr fließen davon zwei Millionen Euro. „Nicht einmalig, sondern regelmäßig über einen Zeitraum von fünf Jahren hinweg“, freute sich die Regensburger Bürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), die am ÖPNV-Gipfel teilgenommen hatte. Gemeinsam mit Landrätin Tanja Schweiger (Freie Wähler) will sie nun ausloten, welche Innovationen sinnvoll sind. Offen zeigte sie Maltz-Schwarzfischer auch dafür, dass Regensburg bereits ab Herbst als Pilotregion für das 365-Euro-Ticket einsteigt. „Ganz grundsätzlich ist der Regensburger Verkehrsverbund dazu bereit. Es kommt darauf an, wie die konkreten Bedingungen sind.“ Auch die Gesamtkosten und der Anteil der Kommune müssen nach ihren Worten jetzt erst noch berechnet werden.

„In Ballungsräumen sind Zuge und Busse übervoll. Im ländlichen Bereichen haben wir oft das Thema, dass nur warme Luft transportiert wird.“

Der Präsident der bayerischen Bezirke, Franz Löffler

Der ländliche Raum soll von der ÖPNV-Offensive ebenfalls profitieren. Söder und Verkehrsminister Hans Reichhart kündigten finanzielle Unterstützung für kleinteilige, individuelle Lösungen an. „Es gab die klare Ansage, dass beständig in Höhe von mindestens 40 Prozent gefördert wird“, sagte der Präsident des bayerischen Bezirketages und Chamer Landrat, Franz Löffler. In seinem Landkreis kommt das etwa dem neuen Modell der Rufbusse zu Gute. Löffler verweist auf die höchst unterschiedlichen Problemlagen in Großstädten und ländlichen Regionen. „In Ballungsräumen sind Zuge und Busse übervoll. Im ländlichen Bereichen haben wir oft das Thema, dass nur warme Luft transportiert wird.“

Unterstützung für ehrenamtliche Projekte geplant

Pressekonferenz nach dem ÖPNV-Gipfel: Regierungschef Markus Söder (2.v.r.) und Verkehrsminister Hans Reichhart (r.) informierten mit Vertretern kommunaler Spitzenverbände über Ergebnisse. Foto: Lino Mirgeler/dpa
Pressekonferenz nach dem ÖPNV-Gipfel: Regierungschef Markus Söder (2.v.r.) und Verkehrsminister Hans Reichhart (r.) informierten mit Vertretern kommunaler Spitzenverbände über Ergebnisse. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Unterstützt werden sollen vom Freistaat auch ehrenamtliche Bürgerbusprojekte. Landkreise und kreisfreie Städten können zudem Wünsche für Expressbusse auf „landesbedeutsamen“ Strecken anmelden, als Ergänzung zum Bahnangebot. Die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs ist ein Koalitionsversprechen von CSU und Freien Wählern. Söder kündigte für Herbst einen weiteren ÖPNV-Gipfel an, dazwischen sollen Arbeitsgruppen tagen. „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und mehr Geld für insgesamt mehr Strecken“, sagte Söder auch in Richtung Bund. Auf dem Weg zu ökologischer Mobilität seien Fahrverbote das Falsche. „Ein besserer ÖPNV ist die richtige Antwort.“

Debatte

Mit dem ÖPNV kostenlos durch Regensburg?

Regensburger sollen den öffentlichen Nahverkehr zum Nulltarif nutzen können. Experten diskutierten, ob das umsetzbar ist.

Der Nürnberger Oberbürgermeister Ulrich Maly, der sich vor dem Gipfel noch skeptisch geäußert hatte, sprach von einem „wichtigen Tag für die Zukunft des ÖPNV in Bayern“. Grünen-Landtagsfraktionschef Ludwig Hartmann kommentierte die Ergebnisse verhalten. „Damit ein 365-Euro-Ticket Sinn macht, muss auch das Angebot stimmen“, sagte er. „Wir brauchen eine Mobilitätsgarantie für ganz Bayern mit einem stündlichen Bus- oder Bahnangebot werktags von fünf Uhr früh bis Mitternacht.“ Er schlug vor, Mittel, die aktuell für den Straßenneubau vorgesehen sind, „im großen Stil in die ökologische Verkehrswende umzulenken – für die Neuanschaffung moderner Busse und Schienenfahrzeuge, den Schienenneubau und den Bau von Radwegen und Radschnellwegen“.

„Wenn Herr Söder hier mit dem Finger nach Berlin zeigt, lenkt er von eigenen Versäumnissen ab, denn Bayerns Staus beginnen bei der Staatsregierung.“

Sebastian Körber, FDP

Sebastian Körber, verkehrspolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, mokierte sich über Söders Wunsch nach mehr Geld vom Bund. „Wenn Herr Söder hier mit dem Finger nach Berlin zeigt, lenkt er von eigenen Versäumnissen ab, denn Bayerns Staus beginnen bei der Staatsregierung.“ Die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, Inge Aures, kritisierte den aus ihrer Sicht zu geringen Zuschuss des Freistaats zum 365-Euro-Tickets. „Das wird insbesondere arme Kommunen an ihre Grenzen bringen.“

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