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Etterzhausen: Kürzester Tunnel wird gesprengt

Am Montag rücken bei der nur 16 Meter kurzen Röhre die Sprengmeister an. Das Felsentor war nicht mehr stabil genug.
Von Fritz Winter, MZ

Die Vorbereitungen zur Sprengung des Felstor-Tunnel bei Etterzhausen laufen (Foto: altrofoto.de)

Etterzhausen. „Wir arbeiten hier unter alpinen Bedingungen“, sagt Bahnsprecher Michael Baufeld. Hier bei Etterzhausen, hoch über der Naab an der Bahnstrecke Regensburg-Nürnberg, sind nicht nur die Arbeiter, sondern auch die Bagger am steilen Hang angeseilt. Löcher für den Sprengstoff werden gebohrt, Gräben und Barrieren für abstürzende Felsmassen errichtet, ein Bauzug verlegt neue Schienen. Am kommenden Montag um die Mittagszeit wird das Felsentor, der mit 16 Metern kürzeste Eisenbahntunnel Europas, Geschichte sein. 1,7 Tonnen Spezial-Sprengstoff werden das Felsentor in die Luft jagen.

Bahnstrecke ist komplett gesperrt

Eisenbahn-Fans aus ganz Deutschland bedauern in unzähligen Internet-Foren den Verlust des Felsentores. Der Bahn bleibt laut Baufeld aber keine andere Wahl: Witterung und Felsenbewegungen nagen an dem Mini-Tunnel, der vor 40 Jahren das erste Mal saniert werden musste. Vor 20 Jahren wurden zudem Sicherungsanker eingebaut und Messtechnik installiert, um den Tunnel permanent überwachen zu können. Rund 25000 Euro gab die Bahn pro Jahr alleine für den Unterhalt des Felsentores aus.

Möglich wurden die aufwändigen Arbeiten an dem Steilhang ohnehin nur durch die Vollsperrung der Bahnlinie zwischen Postbauer-Heng und Regensburg, die vom 22. Mai noch bis zum 7. Juni dauert. In diesem Zeitraum wird der Bahnhof Neumarkt komplett umgebaut. Zudem werden zwischen Postbauer-Heng und Regensburg knapp 27000 alte Holzschwellen und 35000 Tonnen Schotterbett erneuert. Auch an Brücken in Mausheim und Parsberg wird gearbeitet. Die Strecke ist viel befahren: 9000 Fahrgäste sind dort täglich unterwegs, dazu kommen 100 Güter- und 20 Fernverkehrszüge. Der Verkehr wird derzeit weiträumig umgeleitet.

Höhle aus der Steinzeit entdeckt

Der Tunnel Felsentor, so weiß Bahnsprecher Michael Baufeld aus den Annalen, entstand im Zuge der Bauarbeiten für die Bahnstrecke Regensburg-Nürnberg, die 1873 in Betrieb genommen wurde.

Damals wurde eine Felsrippe, die in die Strecke ragte, nicht abgetragen, sondern durchbohrt. Beim Bau des Tunnels 1869/70 wurde eine Höhle entdeckt, in der Archäologen bereits 1911 einige mehr als zehntausend Jahre alte, steinzeitliche Werkzeuge bargen. Untersuchungen im vergangenen Jahr brachten mehrere hundert neue Funde. Dies lässt darauf schließen, dass die Naabhänge bei Etterzhausen bereits in der Steinzeit besiedelt waren. Die Höhle wurde nach den jüngsten Grabungen wieder verschlossen und so gesichert, dass sie auch nach der Sprengung des Felsentores erhalten bleibt.

Noch sind die Mitarbeiter einer Sprengfirma dabei, 240 Bohrlöcher bis zu 36 Meter tief in den Fels zu treiben. Die Sprengung am Montag wird genau 1,56 Sekunden dauern – wenn alles klappt, werden dann 11000 Tonnen Stein einen vorbereiteten Abhang hinunter rutschen. Im ursprünglichen Planfeststellungsbeschluss wurde gefordert, dass das Material abtransportiert werden müsse – dies erweist sich jedoch wegen der winzigen Straße zur Baustelle und direkt am Wegrand gebauten Häusern als nicht praktikabel. Man befürchtete erhebliche Schäden durch schwere Fahrzeuge. Derzeit wird erwogen, einen Teil der Felsen als Trockenbiotop liegen zu lassen, und einen Teil entweder über die Naab oder über die nahegelegene Bundesstraße abzutransportieren. Nach der Sprengung bedürfe es einer näheren Abklärung der Möglichkeiten durch die Fachstellen, so Baufeld.

Für die Sprengung wird eine Sicherheitszone von 800 Metern eingerichtet, die von Polizei und Technischem Hilfswerk überwacht wird. Auch die Bundesstraße 8 zwischen Mariaort und Etterzhausen wird für kurze Zeit gesperrt werden müssen. Unterdessen hat unter Eisenbahnfreunden die Suche nach dem Tunnel begonnen, der nach der Sprengung der kürzeste Deutschlands sein wird. Gute Chancen hat ein Bauwerk zwischen Mitteralm und Wendelstein mit einer Länge von ebenfalls nur 16 Metern.

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